Vermuteter Grund: Religion bedeutet immer weniger

Pfarrer-Mangel: Kirchen im Raum Kassel fehlt es an Nachwuchs

Kassel. Den beiden großen Kirchen fehlt es an theologischem Nachwuchs. Bei der Katholischen Kirche in Kassel können bereits viele Pfarrstellen nicht mehr besetzt werden. Auch die Evangelische Kirche steuert - trotz Stellenabbau - auf einen Pfarrermangel zu.

Dort rechnet man ab 2020 mit Vakanzen im größeren Stil. Prognosen zufolge könnte dann auf drei bis vier frei werdende Stellen nur noch ein Bewerber kommen.

Beide Kirchen setzen daher darauf, dass zunehmend geschulte Laien Aufgaben der Seelsorge und der Gottesdienstgestaltung übernehmen. In der Katholischen Kirche ist der Pfarrermangel schon deutlich spürbar. Im Dekanat Kassel-Hofgeismar gibt es 44 Gemeinden, aber nur noch 21 Pfarrer. Die sechs Pfarrer, die in der Stadt arbeiten, decken 14 Gemeinden ab. Dechant Harald Fischer geht davon aus, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird. Man rechne damit, dass die Zahl der Priester im Bistum in zehn bis 15 Jahren um ein Drittel zurückgeht.

Den Hauptgrund für das Ausbleiben des Nachwuchses sehen beide Kirchen in der sinkende Bedeutung der Religion in unserer Gesellschaft. Dadurch kämen weniger junge Menschen in Berührung mit Kirche - und somit auch nicht auf die Idee, einen kirchlichen Beruf zu ergreifen. In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gibt es derzeit 524 rechnerische Vollzeitstellen für Gemeindepfarrer. Aufgrund von Stelleneinsparungen wird die Zahl bis 2016 ohnehin auf 400 Stellen sinken. Dennoch rechne man ab 2020 mit einer steigenden Zahl von Vakanzen, sagt Dr. Regina Sommer, Ausbildungsreferentin der Landeskirche.

Jährlich würden dann mehr als 30 Pfarrer in den Ruhestand gehen. Auf der anderen Seite zeichneten sich aber nur etwa zehn Neuanfänger ab. Um mehr junge Menschen für kirchliche Berufe zu interessieren, hat die Landeskirche jetzt ein Förderprogramm zur Nachwuchswerbung aufgelegt.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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