Beispiele aus Stadt und Kreis

Pfarrer Teufel und Bäcker Becker: Wenn Nachnamen zum Beruf passen - oder auch nicht

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Himmlisch komisch: Der Kasseler Pfarrer Oliver Teufel (links) wurde schon im Theologiestudium häufig gefragt, ob er mit dem Namen Pfarrer werden könne. Solche Probleme hatte sein Kasseler Kollege Markus Himmelmann (rechts) nie.

Kassel. Herr Schrodt repariert Autos, Herr Becker backt Brot und Herr Adler jagt Ratten: Es gibt Nachnamen, die offenbar zur Berufung werden. Wir stellen Beispiele aus Stadt und Landkreis vor.

Teufel trifft Himmelmann: Zwei Kasseler Pfarrer haben unglaubliche Namen, die nicht nur Gläubige erheitern. In der Zionskirche und der Neuen Brüderkirche sorgte das ungleiche Pfarrergespann früher häufiger für Erheiterung. Denn in den Jahren 2002 bis 2008 vertrat der Teufel den Himmelmann häufiger am Altar – und umgekehrt. „Ich habe nie erfahren, ob meine Gemeinde es als Aufstieg empfand, wenn der Himmelmann kam“, sagt Oliver Teufel, der bis 2008 Gemeindepfarrer der Zionskirche war.

Inzwischen ist der 45-jährige Teufel Referent für Kinder- und Jugendarbeit bei der evangelischen Kirche und hat seinen Arbeitsplatz im Haus der Kirche. Markus Himmelmann (58) ist heute Gemeindepfarrer in der Klosterkirche Nordshausen.

Teufel begleiten die Sprüche zu seinem Namen seit seinem Theologiestudium in Heidelberg. „Schon damals fragten mich die Leute, ob man mit dem Namen überhaupt Pfarrer werden kann“, erzählt er. Wenn er heute Jugendlichen erzählt, wie er heißt, halten die es häufig für einen Scherz. Dann muss er als Beweis gelegentlich seinen Ausweis zücken.

Es habe mal eine Zeit gegeben, in der er über eine Namensänderung nachgedacht habe. Diese Phase sei vorbei. „Ich habe erkannt, dass mein Name ein guter Anlass ist, um mit den Menschen über Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen“, sagt Teufel.

Für Markus Himmelmann war sein Name nicht sofort Berufung für ein Leben als Pfarrer. „Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das gemerkt habe. Zunächst habe ich Musik studiert und später als Landwirt gearbeitet. Erst mit 35 Jahren habe ich das Vikariat begonnen“, erzählt der 58-Jährige.

Ob sich sein Nachname von einem Vorfahren herleitet, der ebenfalls Pfarrer war, konnte Himmelmann nicht abschließend klären. Es gibt zwar Pfarrer im Familienstammbaum, aber der Zusammenhang ist nicht belegt.

Eines weiß Markus Himmelmann aber genau: Mit Frank Himmelmann, ebenfalls Pfarrer in Calden, ist er weder verwandt noch bekannt.

Becker steht in der Backstube

• Name: Andreas Becker (50 Jahre) 

Bäcker Becker: Andreas Becker in der Hauptfiliale.

• Beruf: Konditor und Bäcker. Seit 2001 führt er die Filialen von „Bäcker Becker“ in Kassel. Die Firma wurde 1908 gegründet. 

• Becker über seinen Namen: Als Beckers Mutter als junge Frau mit der Straßenbahn an der „Bäcker Becker“-Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße vorbeikam, musste sie schmunzeln. „Sie dachte, wie kann jemand Becker heißen und als Bäcker arbeiten“, erzählt der Sohn. Da wusste sie noch nicht, dass sie den Bäcker später heiraten würde. Andreas Becker nimmt Wortspiele mit seinem Namen gelassen.

Adler jagt Ratten und Mäuse

• Name: Mike Adler (37) 

Nicht nur auf der Suche nach Ratten und Mäusen: Mike Adler ist Schädlingsbekämpfer im Raum Kassel.

• Beruf: Schädlingsbekämpfer. Seit über zehn Jahren bei der Firma Rentokil in Kassel tätig. 

• Adler über seinen Namen: „Ich werde alle zwei bis drei Tage auf meinen Namen angesprochen. Sprüche wie ‘Mit Ihren Adleraugen finden Sie die Mäuse bestimmt’ oder ‘Dann fangen Sie mal die Ratte, Sie sind doch ein Adler’ höre ich regelmäßig“. Meistens nimmt der Kasseler solche Namenswitze mit Humor. „Aber wenn ich mehrfach am Tag angesprochen werde, dann nervt es schon.“ Einen Vorteil habe sein Name aber schon im Beruf. So könnten sich die Kunden diesen gut einprägen und würden sich bei einem Schädlingsbefall erinnern.

Lämmerhirt hat auch Lammfleisch

• Name: Lothar Lämmerhirt (55) 

Lämmer aufgepasst: Lothar Lämmerhirt ist Metzger.

• Beruf: Metzger in Fuldatal-Ihringshausen, Veckerhagener Straße 56. Seit 2002 führt er das Familienunternehmen, das seit 1930 besteht. 

• Lämmerhirt über seinen Beruf: „Ja, Lammfleisch verkaufen wir auch.“ So lautet Lämmerhirts Antwort auf eine Frage, die ab und an scherzhaft gestellt wird. Er könne noch immer über die Witze mit seinem Namen lachen. Bei seiner ersten Lehrerin hatte er den Spitznamen „Lämmi“.

Schrodt repariert kaputte Autos

• Name: Michael Schrodt (55) 

Alles außer Schrott: Kfz-Meister Michael Schrodt.

• Beruf: Kfz-Meister in Kirchditmold, Zentgrafenstraße 7. 

• Schrodt über seinen Namen: Das Schrodt und Schrott nahe beieinanderliegen, hat Kfz-Meister Michael Schrodt schon häufig erfahren müssen. Seit 1983 hat er eine Werkstatt und schon häufig bekam er Anrufe, weil jemand dachte, er könne bei ihm Schrottteile bekommen. Seine Arbeit sei aber alles andere als Schrott. Er liefere mit seinen drei Mitarbeitern gute Qualität und habe viel zu tun. Nebenbei verleiht er auch Anhänger – auch die seien gut in Schuss.

Wurzler fühlt Kunden auf den Zahn

• Name: Martin Wurzler (54) 

Kümmert sich auch um Wurzeln: Zahnarzt Martin Wurzler.

• Beruf: Zahnarzt in Baunatal- Großenritte, Grüner Weg 36. Seit 1992 praktiziert er. Sein Schwerpunkt: ursachengerichtete Kiefergelenkstherapien. 

• Wurzler über seinen Namen: Seit seinem Studium der Zahnmedizin in Marburg wird Wurzler auf seinen Namen angesprochen. „Ich heiße zwar so, aber mache Wurzelkanalbehandlung nicht so gerne.“ Noch heute könne er über Witze mit seinem Namen lachen. Wobei sich die Aufregung nach 25 Jahren im Beruf gelegt habe.

Wagenführ lehrte das Autofahren

• Name: Hartmut Wagenführ (77) 

Er lehrte das Führen von Wagen: Fahrlehrer Hartmut Wagenführ.

• Beruf: Fahrlehrer im Ruhestand. 

• Wagenführ über seinen Namen: Ein Wagenführ, der den Menschen das Führen von Wagen beibringt, das passt. Von 1980 bis 2005 betrieb Hartmut Wagenführ die gleichnamige Fahrschule in Baunatal. Seine Vorfahren waren als Transporteure für die märkischen Raubritter auf der Burg Altena tätig. Daher stammt der Name. „Für meinen Beruf war der Name prägnant“, sagt der 77-Jährige. Dabei hat er auch eine Ausbildung als Hufschmied, Kfz-Meister und Krankenpfleger – das meiste davon hat er bei der Bundeswehr erlernt.

Geister arbeitet auf dem Friedhof

• Name: Holger Geister (45) 

Geister macht die Gräber schön: Friedhofsgärtner Holger Geister arbeitet am Friedhof Harleshausen.

• Beruf: Friedhofsgärtner am Friedhof Harleshausen, Am Stockweg 1. Seit 2002 leitet er das Familienunternehmen, das seit 100 Jahren besteht. 

• Geister über seinen Namen: Dass es Geister auf dem Friedhof in Harleshausen gibt, hört Holger Geister häufiger. Schon in seiner Kindheit gab es Scherzanrufe bei seiner Familie. „Da haben sich Kinder bei uns gemeldet und gerufen: ‘Hu, hier sind die Geister’“, erzählt der 45-Jährige. Neue Kunden würden noch häufiger über seinen Namen stolpern. Aber er nehme das immer mit Humor. Holger Geisters Großvater war nicht nur Friedhofsgärtner, sondern passenderweise auch Bestatter.

Kennen Sie ähnlich schöne Kombinationen aus Name und Beruf in der Region Kassel? Bitte melden Sie sich bei uns: kontakt@hna.de

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