Kasseler Martinskirche

Ein Pfarrer zum Mieten: Willi Temme bietet besonderes Angebot an

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Über Gott und die Welt reden: Pfarrer Dr. Willi Temme kann man im Juli kostenlos „mieten“.

Kassel. "Rent a Pastor" – ein Pfarrer zum Mieten: Nach sechs Jahren Pause erneuert Dr. Willi Temme im Juli sein Angebot zu einer persönlichen Verabredung.

Darüber sprachen wir mit dem 58-Jährigen Pfarrer an der Kasseler Martinskirche.

Herr Temme, vor neun Jahren hieß es zum ersten Mal „Rent a Pastor“. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

Dr. Willi Temme: Die war tatsächlich mit einer HNA-Volontärin, die über das neue Angebot berichten wollte. Sie tat dies aber weniger aus der Perspektive einer Journalistin, sondern nahm das Format beim Wort. Sie schlug eine Partie Minigolf vor, bei der wir uns über ihren Glauben unterhielten. Das Gespräch ging in die Tiefe. In dieser ersten Begegnung steckte Energie drin - wie, wenn man einen Stein ins Wasser wirft und der dann Kreise wirft. Auch der Artikel zog Kreise. Er rief bundesweite Reaktionen hervor. Und bis heute werde ich darauf angesprochen.

Wie waren Sie überhaupt auf die Idee gekommen, sich kostenlos „mieten“ zu lassen?

Temme: Die so genante „Sommerkirche“ mit einem besonderen Programm bot die Martinskirche schon vor 2009. Dazu zählte auch ein offener Gesprächskreis, der aber immer weniger Zulauf hatte. Auf der anderen Seite sprachen mich immer wieder Menschen an mit der Bitte, über Glauben zu sprechen. Die Essenz war: Entweder sind große Veranstaltungen, also solche, die die Sinne ansprechen, gefragt. Oder aber die Menschen wollen etwas Individuelles: Angebote, die ihre Fragen aufnehmen. Sie wünschen sich offenbar echte Begegnungen.

Und eine solche „echte Begegnung“ bieten Sie nun wieder an. Was ist das Besondere des Formats?

Temme: Es gibt keine Bedingungen: Den Rahmen geben die vor, die mich mieten. Mein Signal lautet: „Ich bin da.“ Das ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Pfarrberuf, aber offensichtlich ist es für viele Menschen eine Hürde, überhaupt Kontakt aufzunehmen. Das Angebot „Rent a Pastor“ soll Türen öffnen.

Wie viele Begegnungen hatte es denn in der Vergangenheit gegeben und was waren die Themen?

Temme: In den drei Jahren, in denen es das Angebot jeweils in den Sommerferien gab, waren es insgesamt rund 100 Verabredung. Etwa 50 Prozent waren klassische Seelsorge-Gespräche, in denen es über das Leben und die Sorgen der Menschen ging. Aber ich erinnere mich auch gut an Museumsbesuche, Kirchenführungen, Spaziergänge oder an gemeinsame Essen. Ich habe Gespräche über Tod und Auferstehung geführt oder auch über die Evolutionstheorie diskutiert.

Was kann „Rent a Pastor“ leisten?

Temme: Ich habe keinen missionarischen Anspruch. Wer mich „mietet“, der soll in dieser Stunde eine erfüllte Zeit haben. Ich habe Gespräche mit Christen, Zweiflern, aus der Kirche Ausgetretenen geführt. Mal mit einer jungen Mutter, mal mit einem Rentner, mal mit einer ganzen Gruppe.

Gleichwohl haben Sie sechs Jahre pausiert. Warum?

Temme: Zum einen, weil die Baustelle Martinskirche samt Neubau der Orgel sehr zeitintensiv war. Zum anderen aber war ich unsicher, ob das Format womöglich überholt ist. Inzwischen bin ich aber überzeugt: Es steckt etwas drin, das nicht veraltet ist, nämlich ein Zeitangebot. Und das steht doch quer zu unserem Zeitgeist, wo es üblich geworden ist, eben keine Zeit zu haben. Mein Angebot ist ja nichts Spektakuläres, aber es vermittelt eine klare Botschaft: „Ja, ich habe Zeit für Dich!“

  • Das Format „Rent a Pastor: Eine Stunde mit dem Pfarrer ganz nach Ihren Wünschen“ dauert von Sonntag 1. Juli bis Dienstag, 31. Juli. Es richtet sich an alle Interessierten. Kontakt: Pfarrer Dr. Willi Temme, Pfarramt Martinskirche, Tel. (0561) 77 02 67, E-Mail: willi.temme@ekkw.de

Dr. Willi Temme ist im nordhessischen Langenthal geboren und in Hofgeismar zur Schule gegangen. Er studierte Theologie in Marburg, Bonn und Heidelberg und absolvierte sein Vikariat in Kassel. 1988 folgte die Ordination zum Pfarrer. Nach der Promotion wurde er 1997 Gemeindepfarrer für den Bezirk St. Martin in Kassel; dort hat er auch einen Auftrag für Citykirchenarbeit. Der 58-Jährige ist unverheiratet.

Sommerkirche mit Musikreihe und Festessen

Am kommenden Sonntag, 1. Juli, start die Sommerkirche an St. Martin. Neben der Neuauflage von „Rent a P astor“ zählt dazu auch eine Gottesdienstreihe (an fünf Sonntagen jeweils ab 10 Uhr) zu Liedern von Gustav Mahler und Franz Schubert unter dem Titel „Brennende Sehnsucht.“

  • Sonntag, 1. Juli: Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen 1.: „Wenn mein Schatz Hochzeit macht“ mit Pfarrer Dr. Willi Temme; Daniel Holzhauser, Bariton.
  • Sonntag, 8. Juli: Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen 2.: „Ging heut’ morgen übers Feld“ mit Pröpstin Katrin Wienold-Hocke; Daniel Holzhauser, Bariton. Im Anschluss Turmführung mit Joachim Ertle
  • Sonntag, 15. Juli: Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen 3.: „Ich hab’ ein glühend Messer“ mit Dekan Jürgen Renner (mit Abendmahl); Daniel Holzhauser, Bariton.
  • Sonntag, 22. Juli: Gustav Mahler: „Lieder eines fahrenden Gesellen“ 4.: „Die zwei blauen Augen von meinem Schatz“ mit Pfarrerin Ute Zöllner und Prof. Dr. Dietrich Korsch; Daniel Holzhauser, Bariton
  • Sonntag, 29. Juli: Franz Schubert: „Der Lindenbaum“ mit Pfarrer Dr. Willi Temme; Daniel Holzhauser, Bariton.

Unter dem Titel „Ein Tisch für alle“ lädt die Evangelische . Kirchengemeinde Kassel-Mitte an drei Donnerstagen im Juli zum festlichen Essen auf dem Martinsplatz ein. Die Termine sind der 5. und 12. und 19. Juli, jeweils um 14 Uhr. Die Bewirtung ist Dank Unterstützung des Fördervereins Martinskirche Kassel e. V. und des Sozialcenters der Heilsarmee – sie sind zugleich Mitveranstalter – kostenfrei. Infos: www.ekik.de

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