Widerstandstraining: Pfarrgemeinde St. Familia nimmt Castor-Gegner auf

Kassel. Die katholische Kirchengemeinde Sankt Familia stellt der Bürgerinitiative (BI) „Anti-Atom-Spaziergang“ ihr Gemeindezentrum Alfred Delp-Haus zur Verfügung, damit dort am kommenden Sonntag ein Widerstandstraining gegen Castor-Transporte stattfinden kann.

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Nach öffentlichen Protesten hatte die BI davon Abstand genommen, diese Aktion an der Jean-Paul-Schule zu veranstalten. Daraufhin habe der Pfarrgemeinderat von St. Familia am Wochenende ihr Gemeindezentrum an der Kölnischen Straße als Ersatz angeboten, teilte der Gemeindepfarrer und katholische Dechant Harald Fischer mit. Aus Sicht des Pfarrgemeinderats sei gewaltfreier Widerstand Teil des Grundrechts auf Meinungsfreiheit.

„Gewaltfreiheit muss reflektiert, eingeübt und geprobt werden, und dafür ist das Gemeindezentrum ein geeigneter Ort“, sagte Fischer. Diese Protestform gehöre „zu den großen Kulturleistungen, die in der jüngsten Geschichte unserer Gesellschaft wichtige Veränderungen bewirkt oder vorbereitet haben“, sagte der Pfarrer. Friedliche Demonstranten hätten das Bewusstsein für eine Energiewende geschaffen und problematisierten immer wieder ungerechte politische Entwicklungen, wie es auch die jüngst entstandene Occupy-Bewegung tue.

Die Pfarrgemeinde vertraue dem Bekenntnis der Bürgerinitiative zur Gewaltfreiheit, sagte Fischer: „Uns ist die Problematik möglicher Sitzblockaden auf Straßen und Schienen bewusst. Unserer Ansicht nach sind sie Felder zivilen Ungehorsams, die selbst keine Gewalttaten darstellen.“

Die Endlagerung des Atommülls sei ein ungelöstes und außerordentlich bedeutsames Problem, das Gesellschaft, Politik und Wirtschaft über viele Generationen hinweg beschäftigen werde. Viele hielten es für einen großen Fehler, dass Gorleben als einziger Standort für die Endlagerung untersucht werde. Fischer wies darauf hin, dass auch die Evangelische Kirche Deutschlands auf ihrer jüngst zu Ende gegangenen Synode gefordert habe, den Transport des Atommülls nach Gorleben auszusetzen und „mehrere Standorte in der Bundesrepublik Deutschland parallel und ergebnisoffen zu erkunden“.

Gerade in den Kirchen habe das Ringen um gewaltfreie Protestformen eine große Tradition, sagte Harald Fischer. Auch der Namensgeber des katholischen Gemeindezentrums, der von den Nationalsozialisten hingerichtete Jesuit Alfred Delp, stehe in der Tradition des Widerstandes. (asz)

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