Zur Affäre um den Limburger Bischof

Kassels höchster Katholik Harald Fischer : Pfarrhaus ohne Prunk

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Einladend: Harald Fischer in seinem Wohnzimmer im Pfarrhaus von St. Familia. Prunk und Protz sucht man hier vergebens.

Kassel. Zur Affäre um den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, der mit dem Vorwurf der Verschwendungssucht in die Schlagzeilen geraten ist, hat der Kasseler Dechant Harald Fischer eine klare Haltung: „Der Bischof verspielt gerade das grundlegende Kapital von Kirche, Vertrauen.“

Doch eines beunruhige ihn ebenfalls: die Tendenz in der Gesellschaft, in immer kürzerem Takt „auf Menschenjagd zu gehen“. Es sei erschreckend, dass es offenbar einen großen Unterhaltungswert habe, jemanden zur Strecke zu bringen.

Davon unabhängig sei der Sachgehalt der Berichte über Tebartz-van Elst empörend. Die große Unruhe, die ausgelöst wurde, erklärt sich Fischer auch damit, dass Tebartz-van-Elsts Vorgänger Bischof Franz Kamphaus das genaue Gegenteil vorgelebt habe. Kamphaus wohnte bescheiden, auf engem Raum und überließ den Bischofssitz Flüchtlingen ohne Dach über dem Kopf, erzählt Fischer. Nicht zuletzt habe ja auch Papst Franziskus ausgerechnet der Verschwendung und dem Prunk den Kampf angesagt und ernte damit Zustimmung und Sympathien.

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Einen vergleichenden Blick auf sich, den Kasseler Dechanten, wehrt er in diesem Zusammenhang ab. Dabei ist augenfällig und weithin bekannt, wie bescheiden Fischer lebt: Unter dem Dach des Pfarrhauses an der Kölnischen Straße wohnt stets ein halbes Dutzend Menschen, darunter Afrikaner, Asiaten, Menschen in Not.

Das Mobiliar, mit dem sich Fischer eingerichtet hat, rangiert in der Kategorie zwischen Secondhand und Ikea. Die rustikale Polstergarnitur aus Kiefernholz im Wohnzimmer ist 30 Jahre alt und wurde vor ein paar Jahren neu bezogen. Das Bücherregal hat studentischen Charme. Gemütlich ist es trotzdem – oder gerade deshalb.

Fischer erlebt dieser Tage viele Anfeindungen. „Überall werde ich angesprochen und höre den Vorwurf, die katholische Kirche verschwende Geld. Die Reaktionen sind heftig.“

Aber auch die katholische Basis in Kassel sei empört über das uneinsichtige Verhalten Tebartz-van-Elsts. An allen Ecken müsse man Kürzungen hinnehmen und dann koste der Limburger Bischofssitz mal locker 31 Millionen Euro. „Das geht gar nicht“, sagt Fischer und erhebt seine sonst stets ruhige und gedämpfte Stimme. Nachdenklich schüttelt Fischer den Kopf. „Wir haben in Kassel gerade für 12 Millionen Euro mit dem neuen Seniorenhaus St. Bonifatius einen Wohnsitz für 100 Menschen gebaut.“

Eine positive Botschaft komme für ihn bei der ärgerlichen Thematik dennoch durch: „Der Wind hat sich in der katholischen Kirche geändert. Es herrscht inzwischen ein Konsens darüber, dass die Zeiten prunkvoller Fürstenbischöfe vorbei sind.“

Von Christina Hein

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