Gutachter schließt posttraumatische Belastungsstörungen aus

Pfeffermann-Prozess: Klägerin hat kein Trauma

Rainer Pfeffermann Fotos:  nh

Kassel. Was ist am 6. April 2009 im Haus des früheren SPD-Bundestagskandidaten Rainer Pfeffermann in Ahnatal passiert? Diese Frage konnte auch der Göttinger Neurologe und Psychiater Dr. Georg Stolpmann am Dienstag vor der Fünften Strafkammer des Kasseler Landgerichts nicht beantworten.

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Eine andere Frage beantwortete Stolpmann in einem forensisch-psychiatrischen Gutachten über die 40-jährige Nebenklägerin im Pfeffermann-Prozess allerdings eindeutig: Er habe bei der Frau keine posttraumatische Belastungsstörung diagnostizieren können.

Georg Stolpmann

Stolpmann hatte das Gutachten nach einem entsprechenden Beweisantrag von Anwalt Knuth Pfeiffer, dem Vertreter der Nebenklägerin, erstellt. Hintergrund: Damit sollte bewiesen werden, dass die Frau infolge eines sexuellen Übergriffs von Pfeffermann unter posttraumatischen Belastungsstörungen leide.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45-jährigen Ahnataler die sexuelle Nötigung zweier Frauen vor. Die 40-Jährige soll er am 6. April 2009 in seinem Haus gegen die Wand gedrückt, in ihre Hose gegriffen und sie zum Geschlechtsverkehr aufgefordert haben. Die Frau hatte erklärt, dass ihr die Luft weggeblieben sei. Schließlich konnte sie sich befreien. Infolge der Tat, so die Nebenklägerin, habe sie unter anderem unter Schlafstörungen und Angstzuständen gelitten.

Laut Stolpmann aber nicht unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Voraussetzung für solch eine Diagnose sei, dass ein Trauma vorliege. Unter einem Trauma verstehe man ein Geschehnis mit einer außergewöhnlichen Bedrohung und eines katastrophalen Ausmaßes beziehungsweise eine objektiv lebensbedrohliche Situation, die auch subjektiv von dem Opfer als lebensbedrohlich empfunden werde.

Die Geschehnisse, die die Nebenklägerin geschildert habe, erfüllten diese Kriterien nicht, so Stolpmann. „Ohne Trauma gibt es keine posttraumatischen Belastungsstörungen.“ Auch das Verhalten und das Symptombild sprächen gegen solch eine Diagnose. Menschen, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, würden zum Beispiel den Kontakt zu ihren Peinigern meiden und auch von sich aus nicht über die Geschehnisse sprechen.

Bei der 40-Jährigen sei dies nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil: Sie habe nach dem angeblichen Übergriff Pfeffermann aufgesucht und vor seiner Tür mit ihm gesprochen. Sie habe von sich aus auch Dritten über die Geschehnisse berichtet.

Stolpmann machte deutlich, dass er die geschilderte „Angst der Frau nicht kleinreden“ wolle. Die Symptome, die sie geschildert habe, könnten auf ihre „persönlichkeitsbedingte Verarbeitung“ von Erlebnissen zurückzuführen sein. Der Gutachter berichtete, dass die Frau es als große Belastung empfunden habe, dass ihr Ehemann erfahren könnte, dass sie früher eine Affäre mit Pfeffermann hatte.

Der Prozess wird am 18. Februar fortgesetzt. Die Plädoyers sollen am 24. Februar gehalten werden. Mit einem Urteil ist am 2. März zu rechnen.  Hintergrund

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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