Pfeffermann-Prozess: Verteidiger fordert Freispruch 

Kassel. Im Prozess gegen den früheren SPD-Bundestagskandidaten Rainer Pfeffermann hat Verteidiger Axel Dohmann am Donnerstag nicht nur einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert, sondern neue Hilfsbeweisanträge gestellt.

Lesen Sie auch

Möglicherweise müsse das Kasseler Landgericht diesen Anträgen vor Urteilsverkündung nachgehen, sagte Richter Jürgen Stanoschek.

Zuvor beantragte Oberstaatsanwältin Andrea Boesken eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Die Anwälte der Nebenklägerinnen schloßen sich dem Antrag an. Pfeffermann wird sexuelle Nötigung in drei Fällen vorgeworfen.

Staatsanwältin sieht Schuld: Boesken hält Opfer für glaubwürdig

In drei Fällen habe der frühere Bundestagskandidat Rainer Pfeffermann zwei Frauen sexuell genötigt. Für Oberstaatsanwältin Andrea Boesken steht das fest.

Sie sagte in ihrem Plädoyer aber auch, dass Aussage gegen Aussage stehe. Allerdings seien die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer, eine Freundin von Pfeffermanns damaliger Frau sowie eine SPD-Parteifreundin und Geliebte, in sich konsistent und detailreich, was für ihre Glaubwürdigkeit spreche.

Zeugen hätten das untermauert und die Aussagen der Frauen bestätigt. Gerade im ersten Fall habe der Angeklagte den Übergriff im Jahr 1999 in einem Gespräch mit dem mutmaßlichen Opfer, dessen Gatten und Pfeffermanns damaliger Ehefrau selbst eingeräumt.

Aus deren Aussagen gehe sogar hervor, dass Pfeffermann ankündigt habe, eine Therapie machen zu wollen. In den Aussagen der mutmaßlichen Opfer gebe es leichte Abweichungen. Doch letztlich sei es nicht erheblich, ob der Parteifreudin, die Pfeffermann im April 2009 in seinem Haus genötigt haben soll, die Luft wegblieb, weil er sie würgte oder ihr den Unterarm auf den Oberkörper und so gegen die Wand drückte.

Keines der mutmaßlichen Opfer habe einen Anlass, Pfeffermann fälschlicherweise zu beschuldigen. „Ich sehe kein Motiv für eine Falschbelastung“, sagte Boesken. Für alle drei Taten sei eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung angemessen.

Beide Frauen litten schwer unter den Folgen. Pfeffermann solle sie eineinhalb Jahre lang mit 200 Euro pro Monat entschädigen, forderte Boesken. „Sie sollen daran erinnert werden, was Sie beiden angetan haben.“

Verteidiger: Es reicht nicht Dohmann kritisiert Staatsanwaltschaft

Für nicht glaubwürdig hält Verteidiger Axel Dohmann viele Zeugen, die seinen Mandanten Rainer Pfeffermann im Laufe des Prozesses teils schwer belastet haben.

Auch habe er Zweifel an den Aussagen der beiden mutmaßlichen Opfer, die in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auftreten. Dabei wolle er keineswegs sagen, dass beide gelogen hätten. Aber es gebe Anhaltspunkte, dass die Aussagen nicht der Wahrheit entsprächen.

So habe die Frau, die Pfeffermann vor mehr als zehn Jahren genötigt haben soll, ihre Schilderungen erst spät präzisiert. Zunächst hieß es, Pfeffermann habe sie begrapscht und versucht zu küssen. Später sagte sie, er habe sie an ihrem Geschlecht berührt.

Abweichungen stellte Dohmann auch bei den Aussagen der Parteifreundin fest, die Pfeffermann im April 2009 mit dem Unterarm auf ihrem Oberkörper gegen die Wand gedrückt haben soll. So hatte es die Frau vor Gericht gesagt.

Zeugen sprachen jedoch davon, die Frau habe ihnen berichtet, mit den Händen am Hals gewürgt worden zu sein. Dohmann kritisierte, dass Staatsanwaltschaft und Nebenklage versuchten, das Gutachten des Sachverständigen Dr. Georg Stolpmann im Sinne der Anklage umzudeuten.

Auch sei es „unerhört“, dass das einst eingestellte Verfahren wegen angeblicher Übergriffe vor zehn Jahren als Teil der Anklage wieder aufgenommen wurde. Laut Europäischer Menschrechtskonvention habe jeder ein Recht auf ein Verfahren innerhalb einer angemessenen Frist.

Nicht zuletzt habe Pfeffermann ihm gegenüber die Vorwürfe glaubhaft abgestritten, sagte Dohmann. „Und es gibt keinerlei Beweismittel bei allen Taten.“ (clm)

Mehr dazu lesen Sie in der gedruckten HNA vom Freitag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.