29-jährige Drogenabhängige muss acht Monate in Haft – Berufungsverhandlung geschwänzt

Pfefferspray in Straßenbahn versprüht

Kassel. Sie hat’s verpeilt – warum auch immer. Statt in einer von ihr selbst angestrengten Berufungsverhandlung um ein milderes Urteil zu kämpfen, blieb eine 29-jährige Kasselerin lieber zu Hause. Oder wo auch immer. Keine Entschuldigung, keine Erklärung gibt es. Auch ihr Anwalt weiß von nichts. Vielleicht sind, wie so oft bei der jungen Frau, die Drogen schuld.

Im Oktober war die mehrfach vorbestrafte Frau, die seit Jahren an der Flasche und noch länger an der Heroinnadel hängt, vom Amtsgericht zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden – unter anderem, weil sie in der Straßenbahn grundlos mit Pfefferspray um sich gesprüht hatte. Ein zu hartes Urteil, wie die 29-Jährige fand.

Doch nun bleibt es dabei. Als die Angeklagte auch nach einer Viertelstunde nicht im Kasseler Landgericht auftaucht, verkündet Strafkammervorsitzender Hans Drapal den knappen Richterspruch: Die Berufung wird verworfen. „Das ist vom Gesetz zwingend so vorgeschrieben, wenn man zur eigenen Berufungsverhandlung nicht erscheint.“

Zweifache gefährliche Körperverletzung war der Frau zur Last gelegt worden. Denn nicht nur in der Tram hatte sie mit dem Spray, das zur Abwehr von Tieren zugelassen ist, hantiert und mehreren Fahrgästen den Atem genommen. Auch einem jungen Mann, der sie aus dem Eingang seines Mietshauses vertreiben wollte, hatte sie mitten ins Gesicht gesprüht.

Bei der dritten Tat, für die die Angeklagte verurteilt worden war, spielte die Sprühdose ebenfalls eine Rolle. Die Frau hatte sie in der Tasche, als sie einem Mann, der betrunken an einer Straßenbahnhaltestelle schlief, Uhr und Handy stahl. Als „Diebstahl mit Waffen“ war das vom Amtsgericht eingestuft worden – auch wenn das Pfefferspray dabei gar nicht zum Einsatz gekommen war. Doch das, erklärte jetzt Richter Drapal, sei auch gar nicht nötig. Entscheidend sei der „generelle Wille“, eine mitgeführte Waffe im Zweifelsfall auch zu benutzen. Und diesen Willen dürfte die Angeklagte durch ihre zwei mutwilligen Sprayaktionen bereits hinreichend unter Beweis gestellt haben. (jft)

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