Macher des Veranstaltungsraums am Halitplatz gehen von politischer Tat aus

Pflasterstein landet in Infoladen in Kassel

Zerstört: Die Scheibe des Infoladens unweit des Halitplatzes ist mit einem Stein eingeworfen worden.
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Zerstört: Die Scheibe des Infoladens unweit des Halitplatzes ist mit einem Stein eingeworfen worden.

Die Schaufensterscheibe des linken Veranstaltungsraums Infoladen an der Holländischen Straße ist am Samstagmorgen mit einem Pflasterstein eingeworfen worden.

Kassel - Nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Schaake hatte eine Zeugin am Tatort ein verdächtiges Pärchen gesehen. Während die Macher des Infoladens, die sich für eine Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße einsetzen, von einer politisch motivierten Tat ausgehen, habe die Polizei noch keine Hinweise dafür. „Wir können es aber auch nicht ausschließen“, so Schaake.

Eine Anwohnerin habe am Samstagmorgen gegen 9.45 Uhr über den Notruf 110 die Polizei gerufen. Die Anwohnerin schilderte laut Polizei, dass sie zunächst zwei Personen gehört habe, die sich vor dem ehemaligen Ladenlokal laut gestritten hätten. Kurz danach habe sie Scheibenklirren gehört und das Pärchen in Richtung Holländischer Platz weglaufen sehen, wobei der Mann die Frau noch aufgefordert habe, schneller zu laufen. Die Fahndung nach dem Pärchen verlief bisher ohne Erfolg.

Die Spurensuche habe ergeben, dass die Glasscheibe mit einem Pflasterstein eingeworfen und beschädigt worden ist. Die Zeugin beschrieb den Polizisten einen etwa 30 Jahre alten und 1,70 Meter großen Mann mit kurzen braunen Haaren, der ein gelbes T-Shirt trug. Seine Begleiterin war kleiner, hatte eine kräftige Statur und dunkelblonde gelockte Haare. Beide hatten ein südosteuropäisches Erscheinungsbild, schilderte die Anwohnerin.

„Wir gehen von einem politisch motivierten Angriff auf unseren Laden aus“, hat hingegen der Infoladen auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Weiter heißt es dort: „Der Infoladen ist ein Raum für emanzipatorische und antifaschistische Politiken. Mit unserem Namen unterstützen wir die Forderung von Halit Yozgats Familie nach einer Umbenennung der Holländischen Straße im Gedenken an ihren Sohn. Wir stellen uns entschieden gegen Rassismus und Menschenhass in der Nordstadt, in Kassel und überall. Damit ist der Laden vor allem Rassisten und Nazis ein Dorn im Auge.“ Anliegen des Infoladens sei es, linke Strukturen in Kassel zu halten, zu unterstützen und auszubauen.

Halit Yozgat war im April 2006 durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in seinem Internetcafé ermordet worden. Der Tatort liegt nur wenige Häuser neben dem Infoladen. Seine Eltern hatten immer wieder gefordert, die Holländische Straße in Halitstraße umzubenennen. Diesem Wunsch ist die Stadt Kassel allerdings nicht nachgekommen. Stattdessen trägt der Platz vor dem Hauptfriedhof seit 2012 den Namen Halitplatz. Und auch die Straßenbahnhaltestelle davor wurde nach Halit Yozgat benannt.

Erst vor wenigen Wochen habe das auf der Scheibe aufgeklebte Logo „… an der Halitstraße“ erneuert werden müssen, nachdem es Ende Januar zerkratzt und in Teilen abgerissen worden sei, heißt es weiter auf der Facebook-Seite des Infoladens. Auch in der Nachbarschaft sei vor einigen Wochen die Scheibe einer linken Kneipe zerstört worden. Durch solche Taten werde man sich allerdings nicht einschüchtern lassen, so die Verantwortlichen des Infoladens. Es war gestern nicht möglich, telefonischen Kontakt mit ihnen aufzunehmen.  

Hinweise auf die Täter an die Polizei in Kassel unter Tel. 05 61/9100. (use)

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