Pflege wird immer teurer

Kosten für Seniorenheime in Kassel enorm gestiegen - Belastung für Kommunen

Eine Krankenschwester, die in der Altenpflege tätig ist.
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Sich in einem Seniorenheim pflegen zu lassen, wird immer teurer.

Für das Leben in Seniorenheimen müssen Bewohner immer tiefer in den Geldbeutel greifen. Oft sind sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Wer in einem Pflegeheim lebt, muss dafür immer mehr bezahlen. Die Kosten für die Einrichtungen sind in den vergangenen Jahren „erheblich gestiegen“, wie Kassels Bürgermeisterin Ilona Friedrich kürzlich im Sozialausschuss berichtet hat. Demnach hat sich der Einrichtungseinheitliche Eigenanteil für die pflegebedingten Aufwendungen (EEE) für die Bewohner im Durchschnitt um mehr als 210 Euro im Monat erhöht.

Verglichen wurden die jeweiligen Beiträge für den Oktober 2019, 2020 und 2021, ohne im Detail auf den Pflegegrad einzugehen. In klassischen Pflegeheimen ohne Spezialeinrichtungen mussten Bewohner für die pflegebedingten Aufwendungen vor zwei Jahren monatlich 902,57 Euro bezahlen – in diesem Jahr lag der Eigenanteil im Schnitt bereits bei 1115,50 Euro. Das ist eine Steigerung um mehr als 20 Prozent. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen.

Insgesamt gibt es in Kassel 1810 Plätze in vollstationären Einrichtungen. Fünf Häuser betreibt die Arbeiterwohlfahrt (Awo), Nordhessens größter Träger. Geschäftsführer Michael Schmidt spricht von einem dynamischen Anstieg der Selbstkosten für Bewohner. Dafür nennt er zwei entscheidende Gründe: Zum einen seien die Gehälter der Pflegekräfte in den vergangenen zehn Jahren um fast 40 Prozent gestiegen. Zum anderen werde mehr Personal eingesetzt.

Darüber hinaus treiben wachsende Energie- und Lebensmittelpreise die Beiträge in die Höhe. Sozialdezernentin Friedrich sieht die Kostenentwicklung als gerechtfertigt und nachvollziehbar an: „Für eine hochwertige Betreuung ist ein angemessener Personalschlüssel sowie leistungsgerechte Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich.“

Gleichwohl bedeuten die wachsenden Kosten auch für die Kommunen „eine finanzielle Herausforderung“, wie Friedrich sagt. Denn trotz der steigenden Pflegesätze würden die Leistungen der Pflegekassen nicht regelmäßig an diese Entwicklung angepasst. Was zur Folge hat, dass Bewohner auf die Unterstützung der Sozialämter angewiesen sind.

Die Belastung für die Kommunen belegen diese Zahlen: Von 2018 bis 2020 wuchs der Anteil der Kasseler, die in einer Pflegeeinrichtung leben und dafür Leistungen vom Sozialamt benötigen, um 16,4 Prozent. Heruntergerechnet auf den Zuschuss pro Person, betrug die Steigerung sogar 31,5 Prozent. (Robin Lipke)

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