Mieter sind auf Hilfe angewiesen

Pflegedienste dürfen GWG-Parkplätze nicht mehr nutzen

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Täglich auf Hilfe angewiesen: Frank Burghardt (links) und Jens Keil zeigen einen Brief der GWG, der das Parken des Pflegedienstes auf den hauseigenen Parkplätzen an der Hentzestraße untersagt.

Wehlheiden. Frank Burghardt und Jens Keil sind täglich auf die Versorgung durch den Pflegedienst angewiesen. Ihr Problem: Der muss erst einmal zu den beiden Mietern der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG) kommen. Denn die Pfleger dürfen die hauseigenen Parkplätze nicht mehr nutzen.

Frank Burghardt und Jens Keil wohnen im Erdgeschoss eines Mietshauses der GWG an der Hentzestraße im Stadtteil Wehlheiden. Seit Mai gibt es dort Probleme, weil die Pflegedienste nicht die hauseigenen Parkplätze nutzen dürfen. Auf den öffentlichen Parkflächen an den angrenzenden Straßen ist tagsüber nur mit viel Glück ein freier Platz finden.

Burghardt (48) ist seit seiner Kindheit querschnittsgelähmt und auf eine 24-Stunden-Pflege angewiesen, Keil (45) sitzt infolge einer Multiplen Sklerose seit vier Jahren im Rollstuhl. „Wir haben zwar kein Auto, zahlen aber genauso unsere Miete wie die anderen Mieter“, sagt Keil. Elf Mieter wohnen in dem Haus, drei sind auf den Pflegedienst angewiesen. Sieben Parkplätze gehören zu dem Haus sowie fünf Garagen, die aber extra angemietet werde müssen.

Laut Burghardt hatte sich im Mai ein Mieter beschwert, weil ein Auto des Pflegedienstes auf den hauseigenen Parkplätzen stand. Daraufhin forderte die GWG die Pflegedienste auf, das Parken dort zu unterlassen. „Vorher gab es keinerlei Probleme deswegen“, sagt Burghardt.

Angespannt: Die Parkplatz-Situation rund um die Hentzestraße.

Für GWG-Geschäftsführer Peter Ley haben in diesem Fall die Bedürfnisse der Kunden, die ein Auto haben, Vorrang. Wenn man Pflegediensten das Parken dort gestatte, müsse man dies auch Besuchern gestatten. Ley: „Wo wollen Sie da eine Grenze ziehen?“ Andererseits akzeptiere die GWG das Parken von Nicht-Mietern auf den hauseigenen Plätzen, wenn dies auch von den Mietern des Hauses akzeptiert werde. Außerdem verweist er auf die Möglichkeit, eine der hauseigenen Garagen anzumieten, in denen der Pflegedienst dann parken könne. Drei der Garagen sind laut Ley fremdvermietet. „GWG-Mieter haben auch hier Vorrang, notfalls kündigen wir die Verträge für fremdvermietete Garagen“, sagt er.

Keine Anmietung

Für die beiden Rollstuhlfahrer kommt die Anmietung einer Garage für rund 40 Euro zusätzlich im Monat nicht in Frage. „Ich bin froh, dass ich zu Hause gepflegt werden kann, und jetzt wird einem das Leben noch zusätzlich erschwert“, sagt Jens Keil.

Silke Sachse-Gottschald vom Pflegedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes Regionalverband Nordhessen bestätigt die Parkplatz-Problematik im Bereich der Hentzestraße, sagt aber, es sei insgesamt im Stadtgebiet eher ein Einzelfall. (mkx)

Von Mirko Konrad

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