Gerichtsurteil

Pflegehelferin erleichterte Patienten um 3050 Euro

Kassel. Von den 28 350 Euro, die die Angeklagte einem Patienten geklaut haben sollte, den sie als Altenpflegehelferin betreute, blieben am Ende 3050 Euro übrig.

Auch dass die 46-jährige Kasselerin beim Stehlen eine hilflose Lage des heute 75-jährigen Caldeners ausgenutzt habe, wie in der Anklage stand, fand das Kasseler Amtsgericht nicht bestätigt. Das aber mache die zwischen Juni und Dezember 2011 begangenen Taten „nicht besser“, sagte Richter Winter.

Er verurteilte die nicht vorbestrafte 46-Jährige wegen Diebstahls in sechs Fällen zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätze à 30 Euro. Sie habe als Mitarbeiterin eines Pflegedienstes einen Vertrauensbonus missbraucht: „So etwas macht man einfach nicht.“

Die 46-Jährige selbst hatte sechs Diebstähle gestanden - und damit fünf mehr als ihr eigentlich nachweisbar gewesen wären, fand der Richter. Denn handfeste Beweise gab es nur für die letzte Tat.

Im Dezember 2011 hatte der misstrauisch gewordene Sohn des Geschädigten eine Kamera in der Wohnung seines Vaters installiert, um den Pflegedienstmitarbeiterinnen auf die Finger zu schauen. Nach zwei Wochen ging ihm die Angeklagte in die Falle: Sie sei auf eine Schublade zu marschiert, in der sein Vater gewöhnlich Geld deponierte und habe 850 Euro genommen, sagte der Zeuge. Zur Rede gestellt, habe sie früheres Klauen zugegeben - aber nichts, was an die 28.350 Euro heranreichte, die dann in der Anklage auftauchten.

Diese Summe hatten die Ermittler aus einer Fülle kurz getakteter Abhebungen vom Konto des Rentners errechnet: Immer wieder waren 1000- und 1500-Euro-Beträge ausgezahlt worden, einmal sogar 10 000 Euro – allerdings stets direkt an den Kontoinhaber. Der Frau am Kassenschalter hatte der dazu erklärt, er habe „viele Ausgaben“.

Laut Anklage litt der Rentner bereits damals an leichter Demenz, war aber noch selbst mit dem Auto zur Bank gefahren. Jetzt im Gericht erinnerte er sich zwar klar an Fußball-Ergebnisse der vergangenen Tage – aber nur vage an die Frau auf der Anklagebank oder sein Geldmanagement.

Wo der Großteil seiner Abhebungen abgeblieben war, konnte nicht geklärt werden. Der Rentner selbst könne viel Geld ausgegeben haben, er könne es verschenkt haben oder von w8eiteren Personen bestohlen worden sein, argumentierte der Oberstaatsanwalt am Ende ähnlich wie der Verteidiger. Der Schluss, dass die Angeklagte, weil sie bei einem Diebstahl erwischt wurde, auch für das Abhandenkommen weiteren Geldes zuständig sein müsse, sei nicht zwingend.

Die 46-Jährige betonte, sie bereue ihr Tun zutiefst. Neben den 850 Euro, mit denen sie ertappt worden war, hatte sie 2011 weitere 1000 Euro zurückgezahlt. Weitere Zahlungen ruhten wegen eines parallelen Rechtsstreits vor dem Zivilgericht, sagte der Verteidiger.

Von Katja Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.