Spezialisierte Fachleute in Kliniken sind rar

Pflegekräfte sind heiß begehrt

Kassel. Pflegekräfte sind sehr gefragt. Besonders dann, wenn sie für die Arbeit auf Intensivstationen und in Operationssälen ausgebildet sind.

So kommt es offenbar immer öfter vor, dass Personalvermittler im Auftrag von Kliniken nicht nur Ärzte, sondern auch besonders qualifizierte Pflegekräfte mit attraktiven Beschäftigungsangeboten abwerben. „Wir sind im Fachkräftemangel angekommen“, sagt der pflegerischer Geschäftsführer des Klinikums Kassel, Helmut Zeilfelder. Er kennt solche Beispiele, wo sogar Kopfgeld für Pflegekräfte gezahlt worden sei, die den Arbeitgeber wechseln.

Allein im Bezirk der Arbeitsagentur Kassel seien in den vergangenen vier Wochen 116 freie Stellen (8,4 Prozent) mehr als im Vormonat gemeldet worden, sagt Sprecherin Silke Sennhenn. Insgesamt seien 245 freie Stellen (darunter 105 in medizinischen Gesundheitsberufen) gemeldet.

Noch bekommen die Kasseler Krankenpflegeschulen ihre Kurse voll. Doch es gebe bereits spürbar weniger Bewerbungen, sagt Ute Simon-Polak vom Christlichen Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe.

Und wenn künftig ein zwölfjähriger Schulabschluss vorgeschrieben wäre, könnten 60 Prozent der Bewerber für eine Krankenpflegeausbildung nicht mehr zugelassen werden, mahnt Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding.

Gute Berufschancen in der Krankenpflege

Der Stellenanzeigenteil auch in unserer Zeitung spricht Bände: Vor allem spezialisierte Pflegekräfte für die Bereiche Anästhesie und Intensivpflege sowie operationstechnische Assistenten werden häufig von Krankenhäusern in der Region gesucht. Es wird schwieriger, Stellen in solchen Bereichen zu besetzen, sagt die Geschäftsführerin des Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhauses, Elisabeth Deterding.

Als kürzlich die Intensivstation des Krankenhauses vergrößert wurde, habe man beispielsweise fast doppelt so viele Leute gebraucht. Rot-Kreuz-Krankenhaus, Marienkrankenhaus und die Diakonie-Kliniken unterhalten mit dem Christlichen Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe (CBG) eine eigene Krankenpflegeschule, die 195 Ausbildungsplätze anbietet. Aus diesem Grund könne man den eigenen Bedarf noch ganz gut decken, sagt Deterding.

Und die Absolventen hätten beste Berufschancen, sagt Ute Simon-Polak vom Schulleitungsteam. „Sie können sich wirklich die Sahnehäubchen aussuchen.“ „Wir merken den Fachkräftemangel in der Pflege auch, haben aber immer noch sehr viele interne Bewerbungen, sodass wir frei werdende Stellen gut wiederbesetzen können“, berichtet die Pflegedirektorin der Diakonie-Kliniken, Cornelia Reissner. Schwierig sei es, Personal für die Intensivpflege, den OP, die Anästhesie oder Endoskopie zu bekommen. In der Radiologie fehle es an medizinisch-technischen Assistenten, und auch Hebammen würden knapp.

Berufsbegleitende Fachweiterbildungen in Kooperation mit der CBG sollen unter anderem helfen, diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Auch an der Krankenpflegeschule der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) ist der jährliche Weiterbildungskurs für Anästhesie- und Intensivpflege für 2013 schon voll, erläutert der pflegerische Geschäftsführer, Helmut Zeilfelder. Das Klinikum Kassel habe in diesem Jahr insgesamt 42 Absolventen der eigenen Krankenpflegeschule übernommen. „Wer ein gutes Examen gemacht hat, kommt in jedem Fall unter, sagt Zeilfelder. Zudem gehe man davon aus, dass die GNH, zu der auch das Klinikum gehört, alle eigenen Absolventen übernehmen werde. Zurzeit stelle allein die GNH 376 Ausbildungsplätze zur Verfügung, davon 225 im Klinikum. Aggressive Abwerbemethoden sind Elisabeth Deterding noch nicht untergekommen, doch seien qualifizierte Bewerber heute anspruchsvoller. Vor allem was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, beziehungsweise die Arbeitszeiten angehe, verbesserten viele Arbeitgeber deshalb die Arbeitsbedingungen beispielsweise durch individuell anpassbare Schichtmodelle. Auch eine bessere gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Vergütung für die Arbeit in der Krankenpflege seien wesentliche Punkte, um einem Pflegenotstand entgegenzuwirken, glaubt Ute Simon-Polak. (hei)

Rubriklistenbild: © dpa

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