Kleinstadt heißt wie Nordhessen-Metropole

Auf den Philippinen: Kassel von Taifun zerstört

Kassel/Tacloban. Kassel auf den Philippinen - kaum zu glauben, aber wahr. „Als ich den Namen auf einem Ortsschild gelesen habe, musste ich erst einmal stutzen“, erzählt Horst Polkowski.

Kassel auf den Philippinen: Die Kleinstadt Kassel Homes ist ein Vorort der Stadt Tacloban, die durch den Taifun zerstört wurde.

Der Kasseler ist nur mit einem Rucksack, einer Isomatte, Decke und Wasser ausgestattet in die philippinische Stadt Tacloban gereist, die Anfang November von dem Taifun Haiyan getroffen wurde - dabei kam er durch den Vorort „Kassel Homes“, der wie Tacloban vollkommen zerstört wurde. Warum die Stadt diesen Namen trägt, weiß er nicht.

Der 56-Jährige vom Film- und Fernsehstudio B.L.&P. war beruflich in Hongkong und Manila unterwegs, pflegt jedoch geschäftliche Beziehungen nach Tacloban. „Ich wollte wissen, wie es meinen Bekannten geht und bin nach Tacloban aufgebrochen.“

Der erste Eindruck sei erschreckend gewesen: Die Geschäfte seien geplündert worden, es gebe keinen Strom, kein fließend Wasser. „Die Menschen wohnen in notdürftigen Bretterbuden oder schlafen im Müll“, schildert Polkowski seine Eindrücke. Unter den Bergen von Schutt seien noch viele Tote begraben, die noch nicht geborgen wurden. „Es liegt ein Geruch von Verwesung, Fäkalien und Müll in der Luft.“

Horst Polkowski

Die Hauptstraßen der Stadt, die in ihrer Größe mit Kassel verglichen werden kann, seien geräumt. Die Stadt an sich gibt es nicht mehr, alles sei in sich zusammengebrochen. Viele Schulen hätten keine Dächer, es gebe keine Verwaltung mehr. An verschiedenen Stellen in der Stadt seien Zelthospitale eingerichtet worden, um eine medizinische Grundversorgung sicherzustellen.

Dadurch, dass es im asiatischen Raum viele Großfamilien gebe, habe fast jede Familie einen Toten zu beklagen. „Meine Bekannten sind zwar wohlauf, doch auch sie haben Angehörige verloren.“ 5200 Menschen sind durch den Taifun in Tacloban ums Leben gekommen.

„Zu Beginn hat hier jeder Einzelne um das eigene Überleben gekämpft“, sagt Polkowski. Mittlerweile könne man beobachten, dass die Einwohner der Stadt anfangen nach vorn zu blicken und versuchen ihre Stadt wieder aufzubauen. „Der Alltag wird von Tag zu Tag „normaler“, doch ohne Hilfe von Außen sieht es hier noch in zwei Monaten so aus“ , sagt der 56-Jährige.

Spendenkonto: Aktion Deutschland hilft, Konto 92 92, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Taifun Haiyan.

Spendenkonten im Überblick: www.tagesschau.de/spendenkonten/spendenkonten112.html

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.