Philippinenhof-Warteberg präsentiert sich im Stadtteilreigen zur 1100-Jahr-Feier

Kolonie wurde Wohnidyll

Ruhige Wohngegend mit viel Grün: Siedlungsbauten aus den 1930er-Jahren, Eigenheime und auch ein paar Hochhäuser prägen das Bild von Kassels flächenmäßig kleinstem Stadtteil, der an Vellmarer und Ihringshäuser Gebiet angrenzt. Fotos:  Koch

Philippinenhof-Warteberg. Kassels flächenmäßig kleinster Stadtteil übernimmt als nächster den Staffelstab im Stadtjubiläumsreigen: Philippinenhof-Warteberg, umgeben von freier Natur im äußersten Norden des Stadtgebiets gelegen, ist seit jeher ein reines Wohnquartier – anders als viele Baugebiete des 20. Jahrhunderts aber eines mit Geschichte.

Es war im Jahr 1778, als Landgraf Friedrich II. etwas gegen den Bevölkerungsschwund nach dem Siebenjährigen Krieg tun wollte. Rund um Kassel gründete der Herrscher elf Kolonien, die er alle nach seiner zweiten Gemahlin Philippine von Brandenburg-Schwedt benannte. Auf dem Philippinenhof, einem Gutsbetrieb vor den Toren der Residenzstadt, siedelten sich zunächst acht Familien aus Holstein, Sachsen und Hessen-Darmstadt an.

Sie bekamen dort Land, waren aber weder ein eigenständiges Dorf, noch gehörten sie zu Kassel. Statt eines Bürgermeisters gab es einen Kolonievorsteher. 1834 schließlich wurde der Philippinenhof eingemeindet.

Wo Ende des 19. Jahrhunderts gerade mal 228 Einwohner lebten, begann in den 1920er-Jahren im Zuge der damaligen Altstadtsanierung eine stetige Siedlungsentwicklung: Kasseler, die in den engen Elendsquartieren rund um die Martinskirche ihr Dasein gefristet hatten, bekamen im ehemaligen Koloniegebiet eine neue Bleibe. Auch auf den Warteberg dehnte sich die Bebauung allmählich aus, und von 1958 bis ’64 entstand die Adam-von-Trott-zu-Solz-Siedlung, wo sich vor allem Flüchtlinge aus dem Sudetenland und aus Polen niederließen.

Heute prägen Eigenheime, genossenschaftliche Mietwohnungsbauten und ein paar Hochhäuser das Bild des Stadtteils, in dem gut 4000 Menschen leben. Einen gewissen Kolonistengeist haben sich die Philippinenhöfer bis heute bewahrt: Sie feiern jährlich ihr Stadtteilfest und ein Sommerfest am alten Bunker, sie erfreuen sich am hohen Naherholungswert rund um Warteberg, Hegelsberg und Sandkopf, sie können immer noch viele Dinge des täglichen Bedarfs in der Nähe einkaufen. Und sie sind stolz auf die funktionierende Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil, die durch Ferienspiele und die Angebote des Spielhauses an der Weidestraße gepflegt wird.

So verwundert es nicht, dass die junge Generation eine zentrale Rolle bei den Jubiläumsfeierlichkeiten im Stadtteil spielt: Zum Auftakt am Freitag bieten Jungen und Mädchen der Schule am Warteberg eine Zirkus-Gala dar, auf die sie sich unter Anleitung echter Artisten vorbereitet haben.

Ein weiterer Höhepunkt wird nach Auskunft von Ortsvorsteher und Stadtteilbotschafter Stefan Markl das Frühlingsfest sein, das am Samstag, 4. Mai, rund um das Bürgerhaus am Philippinenhöfer Weg 28 stattfindet. Die jährliche Feier sei im Stadtteil „das zentrale Ereignis schlechthin“. Mit Livemusik, vielen Mitmach-Aktionen, einem bunten Bühnenprogramm und kulinarischen Angeboten wird die Sause im Stadtjubiläumsjahr größer ausfallen als üblich.

Von Axel Schwarz

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