Stadt nennt Sicherheitsgründe

40 Pappeln am Warteberg abgeholzt: Unmut über Kahlschlag

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Kein schöner Anblick: Auf Veranlassung des Umwelt- und Gartenamtes wurden Dutzende Pappeln entlang des Ahna-Mühlgrabens gefällt. Der Spazierweg dort war seit Frühjahr gesperrt, nachdem sich Sturmschäden an den Bäumen gezeigt hatten.

Philippinenhof / Warteberg. Am idyllischen Wanderweg entlang des Ahna-Mühlgrabens am Fuß des Wartebergs sieht es nach Kahlschlag aus: Rund 40 alte Pappeln wurden dort jetzt umgesägt. Grund für die Baumfällaktion war nach Auskunft der Stadt Kassel der schlechte Zustand der Bäume.

Spaziergänger hätten gefährdet werden können. Naturfreunde aus dem Stadtteil kritisieren die großflächige Abholzung als unangemessen.

Stefan Dörbaum etwa beklagt „eine gewaltige Verletzung der Flora und Fauna“. Er verweist auf die vielfältige Vogelwelt, die sich in den Bäumen angesiedelt habe. Dörbaum fürchtet, dass die Tiere nun vertrieben werden. Auch Michael Zeising, der ebenfalls in der Nähe des Wanderwegs wohnt, ist über die Abholzung erschüttert: „Dieser herrliche und einmalig schöne Abschnitt des Wanderwegs wurde ohne Not zerstört“, meint er.

Ortsvorsteher Stefan Markl (SPD) sieht das Fällen der Bäume hingegen als notwendigen Schritt: Durch heftige Unwetter im Frühjahr seien einige Bäume stark beschädigt worden. „Dadurch fielen Äste auf den Wanderweg und weitere drohten herabzustürzen. Deshalb war der Weg seit längerer Zeit gesperrt.“ Erst durch die Fäll-Aktion könnten Wanderer dort überhaupt wieder ungehindert spazieren.

In einer Sitzung des Ortsbeirats Mitte September hatte ein Vertreter des Umwelt- und Gartenamts ausgeführt, dass die alten Bäume nicht mehr standsicher seien. Pilzbefall habe viele Stämme hohl und Äste brüchig gemacht. Das Amt habe dem Eigentümer der Pariser Mühle, auf dessen Grund die Pappeln standen, die Fällung der 40 Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit vorgeschrieben. Diese Auflage hat nun eine von Mühlenbetreiber Ebrecht beauftragte Firma umgesetzt.

„Wenn 40 Bäume auf einem Fleck abgeholzt werden, dann sieht das schon wie ein Kahlschlag aus“, sagt Uwe Neuschäfer, Abteilungsleiter bei Kasselwasser. Der städtische Eigenbetrieb hat auf der anderen Seite des Grünzugs die Verantwortung für die Gehölze, die am Bachbett der Ahna entlang wachsen.

Auch an Ahna wird gefällt

Auch dort werden laut Neuschäfer alle paar Jahre in größerem Umfang alte Pappeln gefällt – aber so, dass nicht riesige Lücken auf einmal entstünden. Im Lauf des nächsten Halbjahres stünden 80 Bäume auf der Liste, die hier und dort aus dem Bestand genommen würden. „Anders als Erlen oder Weiden gelten Pappeln nicht als gewässertypische Gehölze“, sagt Neuschäfer. Bei einem Sturm könnten solche Bäume „brechen wie Glas“. Sie seien nach 20 Jahren in der Regel nicht mehr gesund, obwohl sie um ein Mehrfaches älter werden könnten.

Kasselwasser gehe beim Baumfällen an der Ahna nach einem langjährig laufenden, mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Pflegeplan vor, erläuterte Sachbearbeiter Detlef Wagner: „Seit 2004 haben wir dort schon 200 neue Erlen gepflanzt, die zum Teil bereits zehn Meter hoch sind.“

Von Axel Schwarz und Benjamin Kling

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