1. Startseite
  2. Kassel

Philosophenweg wird Fahrradstraße

Erstellt:

Von: Christina Hein

Kommentare

So soll es im Philosophenweg nach dem Umbau zur Fahrradstraße aussehen. Die Visualisierung zeigt den östlichen Abschnitt in stadtauswärtige Richtung. Rechts das Parkhaus.
Mehr Platz für Fuß- und Radverkehr: So soll es im Philosophenweg nach dem Umbau zur Fahrradstraße aussehen. Die Visualisierung zeigt den östlichen Abschnitt in stadtauswärtige Richtung. Rechts das Parkhaus. © Rathaus Kassel

Der Kasseler Philosophenweg wird Fahrradstraße. Für die Realisierung müssen bis zu 30 Prozent Parkplätze weichen

Südstadt – Wenn alles glatt verläuft, ist der Philosophenweg im Jahr 2024 in eine Fahrradstraße transformiert. Er schließt dann an die Fahrradstraße Menzelstraße an (2009 die erste Fahrradstraße Kassels) und fügt sich insgesamt in das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Radverkehrskonzept der Stadt Kassel ein.

Torsten Gilfert und Markus Funke vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt stellten jetzt dem Ortsbeirat der Südstadt entsprechende Pläne für den Philosophenweg zwischen der Einmündung zur Pfannkuchstraße und dem Parkplatz An der Karlsaue vor.

Seit inzwischen vielen Jahren beschäftige sich der Ortsbeirat mit den massiven Verkehrsproblemen im Philosophenweg, sagte der langjährige Stadtteilvertreter Heinz Körner (SPD). „Wir müssen hier den Individualverkehr einschränken, aber wie?“ Mindestens zweimal im Jahr sei der sich zuspitzende Problemfall auf der Tagesordnung des Ortsbeirats. Nichts habe sich bis jetzt getan.

Mit Erschrecken mussten die Ortsbeiratsmitglieder eine Statistik aus dem Rathaus zur Kenntnis nehmen, die besagt, dass sich in der Wohnstraße, die parallel zur Tischbeinstraße verläuft, zuletzt die Unfälle gehäuft haben.

Der Philosophenweg zeichnet sich durch einen geringen Straßenquerschnitt aus, sprich, er ist für die vielen Autos zu eng. Entsprechend gestaltet es sich dort schwierig, allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden. Die Bürgersteige sind gefährlich schmal, müssen streckenweise von Fußgängern und Fahrradfahrern gemeinsam benutzt werden. Parken ist zu einem Problem geworden. Gilfert sprach von bis zu hundert Prozent ausgelastetem Parkraum.

Hinzu käme, dass viele Autos – vor allem im westlichen Teil der Straße, unrechtmäßig am Straßenrand abgestellt seien. Unrechtmäßig deshalb, weil dann hier die vorgeschriebene Mindestfahrbahnbreite von 3,05 Metern unterschritten wird und im Notfall keine Feuerwehr und kein Rettungsfahrzeug durchkämen.

Zudem sei der Schulweg für die Kinder, die die Friedrich-Wöhler-Schule besuchen, alles andere als sicher, monierte Diethelm Class (Grüne). Ein nicht unwesentliches Problem stelle der „Eltern-Taxi-Verkehr“ dar.

Angesichts dieses Bündels an Problemen sei man im Philosophenweg „gezwungen, erfinderisch zu sein“, so Markus Funke. Sein Fazit: „Autoverkehr soll hier zugunsten des Fuß- und Radverkehrs nur Gast sein.“ Die Konsequenz: Der Durchgangsverkehr wird reduziert, indem der Philosophenweg in jeweils aufeinanderzulaufender Richtung bis zur namenlosen Stichstraße, die auf die Tischbeinstraße führt, zur Einbahnstraße ausgewiesen wird. Als Fahrradstraße darf der Philosophenweg – mit der entsprechenden vorgesehenen Beschilderung – dann nur noch von Anliegern befahren werden.

Für den Umbau zur Fahrradstraße darf über weite Strecken (an der nördlichen) Straßenseite nicht mehr geparkt werden. Insgesamt falle so 25 bis 30 Prozent des Parkraums weg, erfuhren die Ortsbeiratsmitglieder auf Nachfrage. Von den aktuell geschätzt 100 Parkplätzen (darunter auch die illegalen im Westabschnitt) würden noch 60 bis 75 übrig bleiben.

Markus Funke wies darauf hin, dass Pläne vorsähen, im Bereich der Tischbeinstraße auf einer Seite den zu schmalen Bürgersteig zugunsten von circa sechs neuen Parkplätzen abzubauen.

Über die Einrichtung von Ladezonen beziehungsweise zeitlich begrenztes Parken tagsüber   (nachts könnte dort geparkt werden) könne nachgedacht werden, sagte Funke, nachdem Matthias Grund (CDU) eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass die Anwohner auch künftig die Möglichkeit haben sollten, ihre Autos zu entladen. Ein flächendeckendes Halteverbot findet er für die Bewohner der Straße unzumutbar. „Sollen die künftig ihre Getränkekisten über Hunderte Meter schleppen?“

Feststeht: Im Philosophenweg wird der gesamte Radverkehr auf die Straße verlagert, weg vom nördlichen Gehweg (im westlichen Abschnitt). Es entstehen zudem vier Fußgängerüberwege – Absenkungen für Gehbehinderte eingeschlossen. Die Kosten für den Umbau zur Fahrradstraße gaben die Fachmänner mit rund 300 000 Euro an.

Auch interessant

Kommentare