Picknick an der Autobahn

Hip-Hop, Graffiti, Sport: Mai-Jam lockte mehr als 3000 Fans in die „Hall of Fame“

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Kunst aus der Farbdose unter der Autobahnbrücke: Pablito Valdez ist mit seinen 40 Jahren ein Sprayer-Veteran. Schon in vielen Städten Deutschlands habe er seine Bilder hinterlassen, sagt der US-Amerikaner.

Kassel. Pablito Valdez, Künstlername „Jive 805“, verpasst der langhaarigen Schönen auf dem Brückenpfeiler mit ein paar kurzen Sprühstößen aus seiner Farbdose noch einen aparten Augenaufschlag. Nebenan wummert die Musik, klackern die Bretter der Skateboard-Fans über ein Metallgeländer, über ihm rollt der Autobahnverkehr.

Pablito, ehemaliger US-Soldat aus Bad Hersfeld, und die übrigen Graffiti-Sprüher verwandeln das Gewölbe unter der Autobahnbrücke in eine schrill-bunte Gemäldelandschaft.

Hip-Hop, Rap, Breakdance, auch mit vielen Kasseler Bands, sportliche Kunststücke und grelle Bilder in einem Nebel von scharfem Farbdunst, Staub, Bratwurstduft und Lärm: Diese einzigartige Mischung lockte am Wochenende geschätzte mehr als 3000 Fans zur Mai-Jam unter die Autobahnbrücke an den Giesewiesen. Dabei dürften bis zum späten Nachmittag allerdings die Skate-Boarder, BMX-Radartisten und Basketballer im Schatten der Brücke weniger Publikum gehabt haben als sonst. Denn viele Besucher nutzten das Spektakel zu einem Picknick auf der Wiese.

Christian Höhn aus Dresden gehörte zu den Graffiti-Künstlern, die dick vermummt und mit Atemmaske großflächige Farblandschaften auf das Betongrau der Pfeiler sprühten.

Der Profi achtet auf die Gesundheit: Höhn hat das Hobby zum Beruf gemacht. Er ist Fassadengestalter. Die Kasseler Mai-Jam sei wieder im Aufschwung, sagt Höhn. Es sei deutlich mehr Publikum gekommen als sonst.

Das liegt vielleicht auch daran, dass sich die Organisatoren angestrengt haben: Am Eingang reihen sich die Flaschen aneinander, die die Ordner konfisziert haben. Das Laufen über die Autobahn, um von der einen Seite der Fulda auf die andere zu gelangen, wo sich die Feiermeile fortsetzt, ist verpönt. Dafür dürfen die Besucher in einem Boot auf der Fulda hin- und zurückpaddeln. Auf dem Fluss pflügten Wakeboard-Fahrer durchs Wasser. Das sind gewissermaßen die Skateboarder der Gewässer.

Am Ende war es nicht nur ein guter Tag für Hip-Hop-Freunde und Graffiti-Fans. Auch das Kasseler Ordnungsamt kam auf seine Kosten: Für rücksichtslos geparkte Autos gab es viele Knöllchen. (pdi)

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