Im Museum für Sepulkralkultur feierten Deutsche und Mexikaner den „Tag der Toten“

Picknick zwischen Särgen

Musik aus einem Land, in dem das Sterben nicht tabuisiert wird: Die Mariachi-Kapelle Sol Azteca spielte zum Totenfest Día de los Muertos im Museum für Sepulkralkultur traurige und fröhliche Lieder aus Mexiko. Foto: Schachtschneider

Kassel. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr hatte das Museum für Sepulkralkultur am Montagabend zum zweiten Mal zum Día de los Muertos (Tag der Toten) eingeladen. Das mexikanische Totenfest wird alljährlich am 2. November begangen - nicht als Trauerfeier, sondern als farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten, die nach alter Überlieferung an diesem Tag für einen Besuch zu ihren Familien zurückkehren.

Die Atmosphäre im bestens besuchten Museum entspricht denn auch weder der auf einem Friedhof noch der eines Hauses, das sich pietätvoll mit dem Tod in vielen Variationen auseinandersetzt.

„Sie dürfen heute das Essen ausnahmsweise mit auf den Friedhof nehmen“, hatte der stellvertretende Direktor des Museums, Gerold Eppler, zur Begrüßung gesagt, und nun sitzen die Besucher, darunter Familien mit kleinen Kindern, zwischen den Särgen in der großen Halle, essen Tinga Poblana (Hühnchenragout mit reichlich Chili) oder Tamales (mit Käse gefüllte Reisküchlein) und trinken dazu Corona-Bier.

Was für deutsche Besucher zunächst so aussieht, als mangele es den Gästen am pietätvollen Umgang mit dem Tod, ist für die zahlreich erschienenen Mexikaner Teil ihrer öffentlich ausgelebten Trauer. Hier leistet das Museum Pionierarbeit. Mexikaner in Deutschland können ihre Trauer selten so bewältigen wie in ihrer Heimat.

Je weiter der Abend fortschreitet, desto mehr fühlen sich die deutschen Museumsbesucher als Teil einer mexikanischen Hausfeier für die Toten. In der Mitte der Halle steht ein Ofrenda, ein Opferaltar, geschmückt mit Skeletten aus Draht und Pappmaché, künstlichen Totenköpfen, einem Bild der Verstorbenen, ihren Lieblingsspeisen und -blumen.

Während Alexandra de Leal im Café des Museums das süße Pan de Muerto (Totenbrot) backt, singt Alejandra Ayala vor dem Altar mexikanische Lieder vom Leben, der Liebe und dem Tod, begleitet von Martin Sabban am Piano. Dem besinnlichen Teil folgt der Auftritt der Mariachi-Kapelle Sol Azteca. Kinder fangen an zu tanzen, Erwachsene folgen ihnen und schließlich singen alle den Evergreen „Cielito Lindo“.

So feiert man in einem Land, in dem der Tod nicht als etwas betrachtet wird, vor dem man sich fürchten muss, sondern als etwas, dem man jederzeit begegnen kann. Am besten mit einem Lächeln.

Von Wilhelm Ditzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.