Pilotprojekt der Stadt gegen Taubenproblem zeigt Wirkung 

Kontrolle über Nachwuchs: Walter Vollmer hat einen Jungvogel und ein Gipsei in der Hand. Im Hintergrund stehen Lothar Pflüger vom Ordnungsamt und Wolfgang Schwerdtfeger, Mitarbeiter von Bürgermeister Jürgen Kaiser. Archivfoto: Herzog

Kassel. Sie sind klug, schön, elegant und treu, schwärmen Tierfreunde. Sie machen Dreck, sind eine Plage und eine Gesundheitsgefahr, sagen die anderen. In Kassel versucht man seit fünf Jahren, eine Lösung für wilde Stadttauben zu finden.

Nach einem in Augsburg abgeschauten Modell wurde unter dem Rathausdach ein Taubenschlag eingerichtet. Das Ziel: Weniger, aber gesunde Tauben in der Stadt.

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In dem Gebiet rund um das Rathaus sei dies sichtbar gelungen, sagt Lothar Pflüger vom Kasseler Ordnungsamt. Weiter unten in der Innenstadt sei der Unterschied deutlich: Am Königsplatz zum Beispiel gebe es noch erheblich mehr Tauben. So hoffe man, dass es wie in Augsburg gelingen wird, noch mehr Taubenschläge, beispielsweise unter den Dächern von Geschäftshäusern, zu bauen. „Wir sehen die Probleme der Eigentümer durch die Verunreinigungen durch Taubenkot“, sagt Pflüger. Deshalb stehe man Betroffenen und Interessierten gerne mit Rat und fördernd zur Seite.

Wenn es gelingt, die Taubenbestände auf tierfreundliche Weise zu reduzieren und gesunde Lebensbedingungen für die Vögel zu schaffen, „haben Mensch und Tier etwas davon“, betont Pflüger.

„Stellen Sie sich einmal vor, wie unsere Innenstadt ohne Tauben aussehen würde“, gibt Walter Vollmer zu bedenken. Wenn Pommes, Brötchen und andere Lebensmittel nicht mehr von den Vögeln aufgepickt würden, gebe es bald eine Ratten- und Mäuseplage, meint der Stadtmitarbeiter, der sich ehrenamtlich um das Taubenprojekt im Rathaus kümmert.

„Es ist viel Arbeit und kostet auch Geld“, sagt Vollmer, „aber es ist immer noch billiger, als Fassaden aufwendig zu säubern.“ Vor allem im Winter schrumpfe der Taubenbestand außerdem merklich. Viele würden von hungrigen Greifvögeln weggefangen oder sie sterben wegen der tiefen Temperaturen.

Kostengünstig

Weil Vollmer ehrenamtlich sozusagen die Patenschaft für den städtischen Taubenschlag übernommen hat, lässt sich das Pilotprojekt relativ kostengünstig umsetzen: 8000 Euro hatte die Stadt vor fünf Jahren für den Bau des Taubenschlages, der 150 Tieren Platz bietet, investiert. Das Futter kostet jährlich etwa 2500 Euro. Kein Vergleich zu den Gebäudereinigungskosten, die mitunter 20.000 Euro betragen könnten.

Wer sich für das Taubenprojekt interessiert und einen ähnlichen Taubenschlag errichten würde, kann sich an Lothar Pflüger, Tel. 787 7029, wenden.

Von Martina Heise-Thonicke

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