Partei setzt im Wahlkampf weniger auf Luftballons, sondern versucht es mit Humor

Wahlkampf mit Humor: Piratennest schreibt Merkel

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Sie wollen Merkel aufnehmen: Die hessischen Piraten, die zur Land- und Bundestagswahl antreten. Von links Volker Berkhout (Kassel), Björn Semrau (Darmstadt), Jürgen Erkmann (Frankfurt), André Hoffmann (Rüsselsheim) und Markus Drenger (Darmstadt).

Kassel. Andere Parteien bestreiten den Wahlkampf mit Infoständen und Luftballons. Die Piraten haben zwar auch Luftballons fürs Wahlvolk im Angebot, aber sie wollen darüber hinaus eins ganz besonders: witzig sein. Deshalb verschickten die hessischen Piraten am Dienstag ein Visum für „Neuland“ an Kanzlerin Merkel.

Damit spielen sie auf die Äußerung von Merkel in der Späh-Affäre an, als diese sagte: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“

Knapp 30 Piraten haben sich in ihrem neuen Domizil im Hansa-Haus an der Kurt-Schumacher-Straße versammelt. Man umarmt sich herzlich. Alles wartet darauf, dass das Visum in Anwesenheit der örtlichen Presse nach Berlin verschickt wird. Doch da muss der hessische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Volker Berkout aus Kassel, noch mal weg. Er hat keinen Parkschein gezogen und draußen geht eine Ordnungspolizistin vorbei. Weitere Piraten erkundigen sich ebenfalls nach Kleingeld und folgen ihm. Der moderne Freibeuter zieht Parkscheine, wenn ein Vertreter der Admiralität vorbeisegelt.

Aber auch sonst wird im Piratennest mit Freibeuter-Klischees gebrochen. Es gibt Kaffee und Kuchen, Mate-Eistee und aus den Boxen schallt klassische Musik. Nur die Luft in dem gläsernen Pavillon am Hansa-Haus riecht wie nach einer Netzwerk-Party mit Hunderten Computerspielern.

Für die Partei: Ein Wahlkämpfer ohne Durchblick.

Als alle einen Parkschein haben, richtet sich der Blick der Piraten wieder nach Berlin. „Wir sorgen für die Interessensvertretung von Neuland“, sagt Berkhout. Mit diesem Begriff meint er das Leben im Internetzeitalter, das Merkel offenbar verschlafen habe. Damit sich die Kanzlerin ein Bild von Neuland machen könne, stellten die Piraten ihr ein bis zur Bundestagswahl befristetes Visum aus. Auf dem ist vermerkt, dass sie in Neuland nichts anfassen darf, damit die Privatsphäre der Internetnutzer nicht weiter ausgehöhlt werde. Hinter dem Visum verbirgt sich eine ausgedruckte DIN-A4-Seite, die im Postkasten des Kanzleramts landen soll.

Wie Berkhout sich die Regeln im digitalen Zeitalter vorstellt, ist auf seinem T-Shirt zu lesen: „Kunst ist Kopieren“ steht dort. Die Frage, ob die Piraten eigentlich weitere Themen als das Internet hätten, mag er nicht hören. Das Parteiprogramm der Piraten reiche von der Gesundheits- bis zur Energiepolitik. Die aktuell vier Prozent in den Umfragen zur Bundestagswahl seien ermutigend. Die Politik seiner Partei sei ernst zu nehmen.

Ob dies auch für Mann im orangenen Ganzkörperanzug gilt, der sich als „Agent Orange“ vorstellt und am Ausgang Flugblätter der Partei anpreist, blieb unklar.

Von Bastian Ludwig

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