Plädoyers ohne Publikum

Mordprozess Savasci: Am Freitag sagten wohl die letzten Zeugen aus

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Auf der Zeichnung ist Mehtap Savascis ältester Bruder zu sehen, der wegen des Verdachts des Mordes an seiner Schwester angeklagt ist.

Kassel. Die Schlussvorträge im Mordprozess Savasci vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts werden wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. 

Das sagte am Freitagvormittag der Vorsitzende Richter Volker Mütze. Als Grundlage für diese Entscheidung nannte Mütze das Gerichtsverfassungsgesetz (Paragraphen 171b, 172). Demnach müsse die Öffentlichkeit bei Plädoyers ausgeschlossen werden, wenn zuvor in einem Verfahren auch Zeugen nicht öffentlich vernommen worden sind. Das war in diesem Prozess der Fall. Am zweiten Verhandlungstag, am 22. Juli, waren zwei Kinder im Zeugenstand, die die Entführung von Mehtap Savasci am 7. Oktober 2014 in Wehlheiden beobachtet hatten.

Das Grab: Das Foto wurde nach der Beerdigung von Mehtap Savasci  am 13. November 2014 auf dem Westfriedhof aufgenommen.

Wann die Schlussvorträge gehalten werden können, hängt davon ab, wie die Strafkammer über zwei noch ausstehende Beweisanträge der Verteidigung am kommenden Mittwoch entscheiden wird. Dabei geht es um die Frage, ob der Generalkonsul der türkischen Regierungspartei AKP noch Auskunft darüber geben soll, ob der Angeklagte Mitglied in der Partei ist. Zudem fordert die Verteidigung, dass ein türkischer Psychologe ein Foto des Angeklagten mit seiner Familie analysieren soll.

Zeugen stehen (vorerst) nicht mehr auf der Tagesordnung. Am Freitag wurden die letzten drei der über 50 Zeugen in diesem Mordprozess gegen den 51-jährigen Mann vernommen. Darunter auch ein Ehepaar, das auf der gleichen Etage wie der Angeklagte und seine Familienhaus in Maintal lebt.

„Sehr,sehr großes Herz“

Mehtap Savasci

Als „super offen und „super freundlich“ sowie „weltoffen“ bezeichnete die 46-jährige Nachbarin den Angeklagten. Auf Nachfrage, wie sich die Weltoffenheit des Angeklagten ausgedrückt habe, sagte die Frau, dass er immer sehr hilfsbereit und gastfreundlich gewesen sei un ein „sehr, sehr großes Herz hat“. Zudem habe er sich daran gestört, dass nicht alle Ärzte in dem Krankenhaus, in dem sein Vater behandelt worden wäre, Deutsch gesprochen hätten. Darüber hinaus habe er vor Jahren auch an einem ihrer Feldenkrais-Bewegungskurse als einziger Mann unter Frauen teilgenommen. Seine politische Einstellung bezeichnete die Frau als „konservativ-liberal“. Die Nachbarin berichtete zudem, dass sich der Angeklagte sehr darüber aufgeregt habe, dass seine älteste Tochter (29) einen streng gläubigen Mann geheiratet habe. Ihm sei es wichtig gewesen, dass sie zuerst ihr Studium beendet.

Allerdings habe er den Schwiegersohn nach der Hochzeit akzeptiert und immer versucht, ihn in der Familie, auch bei den Verwandten aus Kassel, zu integrieren. „Das fand ich total toll“, so die Nachbarin.

Familienoberhaupt

Über seine Schwester Mehtap habe der Mann ihr gegenüber aber nie ein Wort verloren. Die Nachbarin beschrieb den 51-Jährigen als Familienoberhaupt, das als Geldverdiener und Entscheidungsträger sich um die Belange der Familie gekümmert habe.

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