Martha Koch (81) und ihre Urenkelin Alicia (14) freuen sich aufs gemeinsames Fest

Plätzchen von der Uroma

Vorfreude: Für Uroma Martha Koch und Urenkelin Alicia Fischer aus Kassel ist das Wichtigste an Weihnachten, mit der Familie zusammenzusein, gemeinsam zu essen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Früher war alles besser, festlicher und überhaupt: An Weihnachten lag immer Schnee? Von wegen. Richtig schöne Weihnachten feiert Martha Koch (81) erst heutzutage, sagt sie: wenn die ganze Familie, vier Generationen, um den Weihnachtsbaum versammelt ist und sich alles um Alicia (14), die einzige Urenkelin in der Familie dreht.

Die Vergangenheit zu verklären, liegt Martha Koch fern. Wenn sie sich an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit erinnert, fällt ihr dazu nur ein Wort ein: schrecklich. „Es gab nichts und Geschenke schon gar nicht.“ Zuerst sei der Vater, der in der Stadtverwaltung arbeitete, 1933 arbeitslos geworden und die Familie war bettelarm, danach herrschte Krieg, Bomben hatten Kassel zerstört. „Anstatt die wenigen Weihnachtsplätzchen, die es gab, zu essen, sammelte ich sie und schickte sie Vater an die Front“, erinnert sich Martha Koch. Nach dem Krieg habe sich die Familie langsam erholt, gefeiert wurde mit entfernten Verwandten, die Angehörige, Hab und Gut verloren hatten. Das Wenige, was wir hatten, wurde geteilt.

Urenkelin Alicia Fischer hört aufmerksam zu. Nein, an Materiellem habe es nie gefehlt. Geschenke, die bei der Heinrich-Schütz-Schülerin unterm Weihnachtsbaum lagen, waren durchaus schon mal eine große Puppenküche oder ein Fernseher. Aber das, was für die 14-Jährige heute den Zauber von Weihnachten ausmache, sei das Zusammensein mit der Familie. „Das genieße ich sehr“, sagt Alicia ohne lange nachzudenken: „Es geht nicht um die Geschenke.“

„So werde ich das auch bei meinen Kindern machen.“

Alicia (14)

Dabei mache ihr das Schenken selber Spaß und ihr Taschengeld werde im Dezember in Weihnachtshopping investiert. Sogar die Freundinnen bekommen Geschenke. Lange habe Alicia daran geglaubt, dass es der Weihnachtsmann sei, der die Gaben bringt: Wenn sich die Geschenke wundersam unterm Weihnachtsbaum einfanden, habe ihre Mama immer geheimnisvoll gesagt: „Gerade noch habe ich die Rentiere vom Weihnachtsmann-Schlitten gesehen.“ „Das war eine schöne Vorstellung, und so werde ich das auch bei meinen Kindern machen“, hat sich Alicia vorgenommen.

Erst als sie fast zehn war, habe ihr jemand die Illusion genommen, indem er ihr sagte: „Der Weihnachtsmann ist doch eine Erfindung von Coca-Cola.“

Was für Alicia nicht beim Fest fehlen darf, sind Zutaten wie Uromas Butterplätzchen und der in Rot geschmückte Christbaum. Auch Martha Koch hat Vorstellungen von einem gelungenen Fest: „Es muss gesungen werden.“ „Na ja, wenigstens die erste Strophe. Danach legen wir eine CD auf“, sagt Alicia und grinst. Schließlich fällt Martha Koch doch noch was ein, das früher schöner war: „Wenn Vater die Mundharmonika hervorholte, sangen wir den ganzen Abend lang Weihnachtslieder.“

Von Christina Hein

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