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Plätze an Kasseler Gymnasien verlost: Trend zum Abitur hält an

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Von: Christina Hein

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Eine Lehrerin steht in einem Klassenraum an einer Tafel und schreibt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Der Trend zum Abitur hält in Kassel weiter an. © Mohssen Assanimoghaddam

Beim Übergang in die Klasse 5 werden in Kassel erstmals Schulplätze an den Gymnasien verlost. Bei manchen Eltern sorgte das für Unmut.

Kassel – Der Trend hält seit Jahren unvermindert an, nicht nur in Kassel: Immer mehr Eltern wollen, dass ihre Kinder ein Gymnasium besuchen. Gleichzeitig steigt insgesamt die Zahl der Kinder im Übergangsverfahren von der Klasse 4 in die 5. Im Verwaltungsbereich des Staatlichen Schulamts für die Stadt und den Landkreis Kassel sind es 3559 Schüler, 30 mehr als noch vor einem Jahr. Spitzenreiter bei den überangewählten Schulen sind die Albert-Schweitzer-Schule, das Wilhelmsgymnasium sowie die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule.

Weil für die Erstwünsche nicht genügend Plätze an den Gymnasien in Kassel zur Verfügung stehen, hat das Staatliche Schulamt für die Schulplatzvergabe erstmals zusätzlich ein transparentes Losverfahren eingesetzt. „Entscheidend ist, dass wir insgesamt genügend Schulplätze für gymnasiale Bildungsgänge haben“, sagt Sabine Schäfer vom Staatlichen Schulamt. Auch der Besuch einer Gesamtschule könne zu einem guten Abitur führen. Am Ende würden das erfahrungsgemäß viele Eltern einsehen. Doch noch herrscht bei vielen Unmut vor. 60 Telefonate mit Eltern habe sie in der vergangenen Woche geführt, so Sabine Schäfer.

Sabine Schäfer,  Staatliches Schulamt Kassel
Sabine Schäfer arbeitet beim Staatlichen Schulamt Kassel und versucht alle Elternwünsche unterzubringen. © Privat

Plätze an Kasseler Gymnasien verlost: Trotz Kritik viele Wünsche erfüllt

Dabei zieht sie insgesamt eine positive Bilanz: 98 Prozent der Erst- und Zweitwünsche konnten erfüllt werden. „Diese Eltern sind zufrieden“, so Schäfer. Bei der Vergabe seien zunächst die nötigen Vergabekriterien angewendet worden: Vorrang an Kasseler Gymnasien haben die Kinder aus der Stadt, es wurden schulische Schwerpunkte wie Fremdsprachen berücksichtigt ebenso Geschwisterkinder. Für die Kinder, die über die Kriterien nicht an ihre Erstwunschschule gekommen sind, wurden die Plätze verlost.

Insgesamt führten die Kriterien dazu, dass 1709 Kinder für die Aufnahme an der Erstwunsch-Schule ausgewählt wurden. Bei 73 Kindern konnte weder der Erst- noch der Zweitwunsch erfüllt werden, so Schäfer. Ihnen werde jetzt im Restplatzverfahren ein Schulplatz vermittelt. Bis gestern konnten diese Kinder deshalb noch einmal Wünsche für Gesamtschulen angeben. » 

Insgesamt 73 Kinder können in der 5. Klasse weder an ihrem Erstwunsch- noch am Zweitwunsch-Gymnasium aufgenommen werden. Ihre Eltern haben deshalb eine Ablehnung erhalten. Davon betroffen sind 57 Stadtkinder, 12 Landkreiskinder und vier Kinder aus anderen Schulträgerbezirken. Um die Eltern bei der Aufnahme ihres Kindes an einer weiterführenden Schule zu unterstützen, koordiniert das Staatliche Schulamt die Vergabe verfügbarer Schulplätze.

Plätze an Kasseler Gymnasien verlost: Eltern ohne gewünschten Schulplatz verärgert

Viele Eltern, die in diesem Jahr keinen gewünschten Schulplatz für ihr Kind an einem Gymnasium bekommen haben, sind verärgert und enttäuscht. „Das ist ein grundsätzliches Problem“, sagt eine Mutter, deren Tochter jetzt für ihre beiden Wunschschulen, Albert-Schweitzer-Schule und Wilhelmsgymnasium, eine Absage bekommen hat.

„Das Kind möchte ein Gymnasium besuchen, bekommt aber keine Chance dazu.“ Und das, obwohl man unweit der Schule wohne. „Wir hatten Pech beim Losen und stehen jetzt ganz ohne Platz da. Wenn wir Pech haben, muss unsere Tochter jetzt auf eine Gesamtschule am anderen Ende der Stadt.“

Nach Verlosung der Plätze an Kasseler Gymnasien: So sieht die Vergabe aus

Besonders stark überangewählte Gymnasien sind das WG, die ASS und die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule. An der ASS gab es 178 Bewerbungen, 147 wurden angenommen, knapp 30 bekamen eine Absage. In dieser Größenordnung bewegen sich auch die Schülereinwahlzahlen am Wilhelmsgymnasium und an der Lichtenberg-Schule. „An diesen drei Schulen können nur schulträgereigene Kinder aufgenommen werden“, sagt Sabine Schäfer, die stellvertrtende Leiterin des Staatlichen Schulamt.

Das bedeute, Wilhelmsgymnasium und Albert-Schweitzer-Schule können als städtische Schulen nur Kinder aufnehmen, die in der Stadt wohnen und die Schule als Erstwunsch angegeben haben. Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule als ein Gymnasium des Landkreises Kassel kann nur Landkreis-Kinder aufnehmen.

„In diesem Jahr konnten WG und ASS bei Weitem nicht alle städtischen Kinder, deren Eltern die Schule im Erstwunsch gewünscht hatten, aufnehmen.“ Eine Auswahl sei nach den Kriterien, die im Hessischen Schulgesetz stehen, getroffen worden. Auch Geschwisterkinder kamen zum Zuge. Zwischen den dann noch verbleibenden Erstwünschen musste eine Auswahl im Losverfahren getroffen werden. Zweitwünsche konnten dort gar nicht berücksichtigt werden.

Weiteres Vergabeverfahren für Kasseler Gymnasien nach der Verlosung läuft nachgeschaltet

Die Eltern, die weder den Erst- noch den Zweitwunsch erfüllt bekommen haben, hatten bis gestern die Möglichkeit, weitere Wünsche zu äußern.

Diese Eltern unterstütze das Staatliche Schulamt durch die koordinierte Vergabe freier Schulplätze, so Sabine Schäfer. Allerdings: „Wenn die Eltern auch in diesem nachgeschalteten Restplatzverfahren wieder Schulen angeben, die überangewählt sind, können auch diese Wünsche nicht erfüllt werden.“ In Hinblick darauf habe das Staatliche Schulamt die Eltern in den zurückliegenden Wochen in zahlreichen Einzelgesesprächen telefonisch entsprechend über die aufnahmebereiten Schulen informiert.

Zum kommenden Schuljahr 2022/23 befinden sich in Kassel und im Landkreis Kassel insgesamt 3559 Kinder im Übergangsverfahren aus der Grundschule in die weiterführende Schule: 1877 kommen aus öffentlichen Schulen des Landkreises Kassel, 1580 aus öffentlichen Schulen der Stadt Kassel, 51 aus Niedersachsen, 32 von Privatschulen und 19 Kinder aus anderen Kreisen und Bundesländern. (Christina Hein)

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