Bei Täuschungen werden Examina und Doktorarbeiten an der Kasseler Hochschule nicht gewertet

Plagiat: Uni-Kommission prüft Vorwurf

Kassel. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich zurzeit einem schweren Vorwurf stellen: Er soll in seiner Doktorarbeit Texte anderer Autoren abgeschrieben und die Passagen nicht gekennzeichnet haben.

An der Universität Kassel waren solche Fälle in ihrer 40-jährigen Geschichte eher selten.

Schummelei bei Diplom

Vor sechs Jahren sei wegen Schummeleien eine Diplom-Arbeit nicht anerkannt worden, berichtet Uni-Pressesprecher Dr. Guido Rijkhoek. Und bei einer Doktorarbeit sei dem Professor bereits im Vorfeld aufgefallen, dass Textpassagen abgeschrieben worden waren. Den Fall einer nachträglichen Aberkennung eines Doktortitels, wie sie zu Guttenberg drohe, habe es nie gegeben.

Über die Methode, wie Schummeleien verhindert werden, entscheidet jede Uni selbst. Kassel hat sich bislang gegen die Anschaffung eines Computersystems ausgesprochen, das Plagiate (das Übernehmen geistigen Eigentums anderer und somit Irreführung der Leser) offenlegen kann. Es arbeite nämlich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit, sagte Rijkhoek. Denn die meisten Fachbücher und Doktorarbeiten fänden sich nach wie vor in Bibliotheken und würden nicht im Internet veröffentlicht. Deswegen könne auch das beste Computerprogramm der Welt solche Plagiate nicht erkennen.

Im Fall solcher Schummeleien werden an der Uni Kassel Studierende nicht exmatrikuliert. Allerdings werden die Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten nicht gewertet, und der Prüfling ist damit durchgefallen. Im Fall eines besonders schweren Täuschungsversuchs wird dem Studenten untersagt, die Prüfung zu wiederholen, sagt Rijkhoek. Einem Promovenden, der abgeschrieben hat, kann die Doktorwürde abgesprochen werden.

Vertrauenspersonen

Im Fall von schwerwiegenden Verdachtsmomenten steht an der Uni Kassel eine fünfköpfige Kommission parat. Die Professoren kommen aus verschiedenen Fachbereichen: von den Gesellschafts- bis zu den Naturwissenschaften. Vorgeschaltet sind sogenannte Vertrauenspersonen, an die man sich in einem Verdachtsfall als Erstes wenden kann. Sollte sich der Verdacht erhärten, muss die Kommission den Vorwurf prüfen.

Seit Gründung der damaligen Gesamthochschule Kassel 1971 wurden 60 000 Examina abgelegt und 3000 Menschen promovierten. Im vergangenen Jahr erhielten 191 Menschen ihren Doktortitel.

Von Beate Eder

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