Plan war nur fast perfekt

Vier Jahre Haft wegen Raubüberfall auf Marihuana-Dealer

Kassel. Das Opfer war klug ausgesucht. Ein junger Marihuana-Dealer, schwach, schmächtig, selbst Kiffer. Ein Mann, von dem keine Gegenwehr zu erwarten war.

Und der wohl kaum zur Polizei gehen würde – er hätte sonst ja offenbaren müssen, dass ihm sein Drogengeld geraubt worden war. Ein fast perfekter Plan. Er flog nur deshalb auf, weil der Dealer eines Tages ins Visier der Ermittler geriet. Und die Räuber dann doch noch verriet.

Zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilte das Kasseler Landgericht am Freitag den 25-jährigen Haupttäter. Es war der 16. Verhandlungstag in einem verbissen geführten Verfahren. Begonnen hatte es im Oktober mit drei Angeklagten, doch gegen zwei von ihnen war es bereits nach einem Monat mit Bewährungsstrafen glimpflich zu Ende gegangen.

Seitdem kämpfte nur noch der 25-Jährige. Das aber hartnäckig. Für ihn – sechs Mal einschlägig vorbestraft und bei der Tat unter laufender Bewährung – stand am meisten auf dem Spiel. Denn als er mit seinen beiden Kumpels im Sommer 2011 den 22-jährigen Dealer in dessen Wohnung in der Kasseler Innenstadt heimsuchte und ihm rund 3300 Euro sowie mindestens 70 Gramm Marihuana abknöpfte, soll er laut Anklage ein Messer benutzt haben. Wie teuer ihn das hätte zu stehen kommen können, zeigte die Forderung im Schlussvortrag von Staatsanwältin Dagmar Leonard: sieben Jahre Gefängnis.

Anders als die Anklagevertreterin hielt es das Gericht jedoch nicht für nachweisbar, dass wirklich ein Messer im Spiel gewesen war. Und so fiel die Strafe, in die eine frühere Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft mit einfloss, vergleichsweise mild aus. Zufrieden aber war der Angeklagte trotzdem nicht. Er wollte nicht ins Gefängnis, sondern in eine Entziehungsanstalt. Das aber verweigerte ihm die Strafkammer: Entgegen seiner Beteuerungen, er kiffe und kokse, was das Zeug hält, sei der 25-Jährige nicht als drogenabhängig einzustufen.

So hatte es auch der psychiatrische Sachverständige Georg Stolpmann gesehen. Zum Leidwesen der Verteidigung, die fortan mit allen Mitteln versuchte, diese Einschätzung zu kippen. Erst bot sie Zeugen auf, die den ausufernden Drogenkonsum des Angeklagten belegen sollten (ihn dann allerdings auch noch koksen gesehen haben wollten, als er längst in Untersuchungshaft saß). Dann lehnte Verteidigerin Gudrun Meyer den Gutachter wegen Befangenheit ab und, als dieser Antrag scheiterte, gleich das ganze Gericht. Alles vergeblich.

Therapie im Gefängnis

Gleichwohl lag das Urteil der Strafkammer am Ende deutlich näher an den dreieinhalb Jahren, die die Verteidigerin verlangt hatte, als an den Vorstellungen der Staatsanwaltschaft. Und Therapieangebote, sagte Richter Volker Mütze, gebe es ja auch im Gefängnis. Wenn es dem Angeklagten denn wirklich ernst damit sei.

Von Joachim F. Tornau

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