Lärmkarte soll Straßenbauern helfen, Strecken mit hohem Geräuschpegel leiser zu machen

Ein Plan für leiseren Verkehr in Kassel

Lärm kann krank machen: Viele Anwohner stark befahrener Straßen leiden unter dem Verkehr. Foto:  dpa

Kassel. Eine Lärmkarte für Kassel zeigt, wo der Verkehr am lautesten ist. Derzeit ist eine detaillierte Neufassung in Arbeit. Mit dieser Karte als Werkzeug möchte die Stadt solche Lärmbrennpunkte leiser machen:

Auf der Ysenburgstraße ist der Verkehrslärm am größten, kaum weniger laut geht es auf Ihringshäuser und der Holländischen Straße, am Katzensprung und rund ums Auestadion zu:

Wo die Lärmbrennpunkte auf Kassels großen Ein- und Ausfallstraßen liegen, haben Stadt und Regierungspräsidium bereits vor drei Jahren in einer Untersuchung festgehalten. Zurzeit ist eine weit detailliertere Neufassung dieser Lärmkarte in Arbeit. Darauf werden alle Straßenabschnitte erfasst, die täglich von mindestens 3000 Fahrzeugen befahren werden.

„Dadurch werden wir erstmals ein flächendeckendes Bild der Verkehrslärmproblematik bekommen“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Was aber kann die Stadt mit diesen Erkenntnissen anfangen? Die Lärmkarte werde „ein zentrales Werkzeug“ sein, wenn die Stadt Straßenbaumaßnahmen plant und neue Gebäude entlang bestimmter Strecken genehmigt, sagt Nolda.

Wo die Lärmbelastung besonders hoch sei, lasse sich bei der Kostenkalkulation von Straßenerneuerungen zum Beispiel besser durchsetzen, dass ein spezieller Lärmminderungsasphalt verwendet wird. Dies geschehe derzeit bereits bei den Arbeiten auf Friedrich-Ebert-, Goethe- und Lossbergstraße.

Auch bestehende Kopfsteinpflasterstrecken, die unnötigen Lärm verursachen, würden zunehmend beseitigt – wie zuletzt auf der Breitscheidstraße und demnächst beim Umbau der Altmarktkreuzung.

Das ändert freilich nichts am hohen Verkehrsaufkommen auf bestimmten Strecken. Laut Holger Henke vom städtischen Sachgebiet Umweltschutz liefert der Lärmplan aber Anhaltspunkte, wie man den Verkehr zum Teil auf Nebenstrecken verteilen könnte , um den Lärmpegel insgesamt zu senken. „Das ist aber immer eine Abwägung im Einzelfall – man will ja die Lärmbelastung nicht bloß verlagern.“

Die laufende Untersuchung habe bereits zu Tage gefördert, dass es auch auf vergleichsweise kleinen Straßen wie der Langen Straße in Wahlershausen und der Straße Am Fasanenhof zu laut sei. Dort müsse man Lösungen finden, während es an der gleichfalls lauten Rasenallee und an der Dresdner Straße keine oder nur wenige Wohnungen gebe. „Entscheidend dafür, ob die Stadt aktiv wird, ist immer die Zahl der Betroffenen“, sagt Henke.

Eine Handlungsmöglichkeit läge laut Stadtbaurat Nolda auch darin, aus Lärmschutzgründen Tempobeschränkungen zu verhängen. „Das haben wir bisher noch nirgends“, sagt Nolda, „in Erwägung ziehen müssen wir es jedenfalls.“

Die Lärmbelastung bestimmter Strecken wird bei der Untersuchung laut Henke übrigens nicht gemessen, sondern rechnerisch ermittelt. Dafür spiele auch die Art der Bebauung eine Rolle – wird der Schall durch geschlossene Häuserzeilen reflektiert oder kann er sich verteilen? So werde sich die neue Kasseler Lärmkarte, die in etwa einem Jahr vorliegen soll, auch auf die Vorhaben mancher Bauherren auswirken.

Von Axel Schwarz

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