Pädagogen der Carl-Schomburg-Schule fühlen sich allein gelassen

"Planung weist eklatante Mängel auf": Lehrer üben Kritik an Inklusion

Kassel. Den Lehrern der Carl-Schomburg-Schule (CSS) ist beim Thema „Eine Schule für alle – mit oder ohne Behinderung“ der Geduldsfaden gerissen. Sie haben formuliert, was bereits vielerorts an Kritik an einer inklusiven Beschulung laut geworden ist.

„Die Art und Weise, wie Inklusion in hessischen Schulen umgesetzt werden soll, weist bereits in der Planung eklatante Mängel auf. Diese Kritik formulierten jetzt Lehrer der CSS in einem Offenen Brief an das Kultusministerium. Bei vielen Lehrern haben sich Wut, Frust und Enttäuschung aufgestaut, sagt der Vorsitzende des Personalrats an der CSS, Wilfried Marställer. Umso mehr als es für das neue Schuljahr Anweisungen darüber gebe, was gemacht werden muss, aber nicht wie.

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Noch vor Beginn des Schuljahrs will deshalb das Kollegium der Ganztagsgesamtschule im Wesertor mit seiner Protestnote Alarm schlagen. In dem Brief monieren die Lehrer, dass die „Einführung inklusiver Beschulung in Hessen nicht gründlich vorbereitet“ worden sei. Zwar sei man auch der Auffassung, „dass eine inklusive Beschulung aller Schulpflichtigen erstrebenswert ist“. Es müsse aber klar sein, dass Inklusion scheitert und „zur Schädigung aller Beteiligten führt, wenn nicht erkennbar mehr finanzielle Mittel und damit einhergehende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden“. Schüler, die derzeit an Förderschulen unterrichtet werden, können in Regelschulen aufgenommen werden, wenn diese entsprechend Lehrkräfte zugewiesen bekommen, um dem erhöhten Förderbedarf auch gerecht zu werden. „Ohne Personal ist das nicht leistbar.“

Wilfried Marställer

In dem Brief an Kultusminister Dr. Alexander Lorz heißt es: „Wir, die Lehrkräfte der CSS, fühlen uns mit den Aufgaben, die durch inklusive Beschulung auf uns zukommen, allein gelassen und wünschen uns konkrete Unterstützung durch die Landesregierung, etwa dadurch, dass uns Experten vor Ort zeigen, wie wir an unserer Schule inklusiv unterrichten können und dabei allen Schülern gerecht werden.“ Schon jetzt würden viele Schüler mit Lernbehinderung unterrichtet.

Manko der Ausbildung

Ein großes Manko sei die Lehrerausbildung: Sie bereite „in keiner Weise auf die geplanten Änderungen im System“ vor. Dies betreffe die universitäre Ausbildung und das Weiterbildungsangebot für Lehrkräfte in Regelschulen.

Im Brief heißt es: „Wir hoffen auf einen Austausch zwischen Schulpolitik und Praxis, um einen praktikablen Weg zur Umsetzung von Inklusion zu finden. Der jetzt eingeschlagene ist es jedenfalls nicht.“

Marställer weist darauf hin, dass diese Kritik vor den Sommerferien auch während einer Versammlung der Schulpersonalräte in Kassel Stadt und Landkreis laut geworden war. Vom Kultusministerium gab es gestern zum Inhalt des Lehrerbriefes keine Stellungnahme.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © dpa

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