Die vom Baudezernenten Nolda (Grüne) derzeit bevorzugte Umbauvariante stößt bei Genossen auf Kritik

Großer Kreisel: SPD lehnt Kreuzung ab

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In der Diskussion: Der Platz der Deutschen Einheit soll umgebaut werden. Wie genau er aussehen soll, darüber gehen die Meinungen bei SPD und Grünen auseinander. Archivbild: Malmus

Kassel. In Sachen Verkehrspolitik gibt es in der rot-grünen Rathauskooperation derzeit die größten Differenzen: Jüngst geißelte die SPD-Fraktion die von Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) vorgestellten Tempo-30-Vorschläge für einige Kasseler Hauptstraßen und nun äußern die Genossen Kritik an Noldas Einschätzung zum Umbauvorhaben Großer Kreisel.

Nolda hatte im Verkehrsausschuss gesagt, dass zwar noch nichts entschieden sei, er aber auf Basis eines Gutachtens den Umbau in eine normale Kreuzung (Grafik) für die beste Lösung halte.

Die SPD-Fraktion sieht dies anders. Insbesondere für den Stadtteil Bettenhausen sei dies „die denkbar schlechteste“ Variante, erklärte der Bettenhäuser Stadtverordnete Enrico Schäfer im Namen seiner Fraktion. Dringend müsse geprüft werden, ob die alternative Umbauvariante - die B 83 als Brücke über die Leipziger Straße zu führen und so die Verkehrsströme zu entflechten - durch entsprechende Förderungen des Landes finanzierbar sei.

Die Einschätzung der Stadt, dass die innerstädtische Verkehrsbelastung eher abnehmen werde, teile seine Fraktion nicht, sagte Schäfer. Mit dem Lückenschluss der A 49, der Fertigstellung der A 44 und dem Wegfall der Anschlussstelle Kassel-Ost werde es eher eine höhere Belastung geben. Sowohl durch Autos als auch durch Lkw. Insbesondere die Achse B 83 - Dresdener Straße über den Platz der Deutschen Einheit hinweg sei davon betroffen.

Eine Kreuzung, so befürchtet Schäfer, werde zu vermehrtem Rückstau von der A 7 her auf der Dresdener Straße führen. Dies wiederum bedeute mehr Schleich- und Ausweichverkehr in Bettenhäuser Wohngebieten.

Da die Fördermöglichkeiten zum Ende des Jahres ausliefen, müsse die Stadt handeln, damit die Umbau-Möglichkeit mit der Brücke nicht „fahrlässig verspielt“ wird. „Ich erwarte von der Stadt, dass sie umgehend und mit entsprechendem Druck klärt, ob eine solche Umbauvariante gefördert würde und diesbezüglich belastbare Zu- oder Absagen einfordert“, sagte Schäfer.

Der SPD-Fraktionvorsitzende Christian Geselle spricht in der Angelegenheit von unterschiedlichen Auffassungen bei SPD und Grünen. Diese konzentrierten sich auf Verkehrsthemen. Die rot-grüne Kooperation sei aber keinesfalls in einer Krise, die Differenzen seien überbrückbar.

Geselle fordert zunächst zu überprüfen, auf welche Gutachten man die Planungen für den Großen Kreisel stützen wolle. Wie die HNA berichtet hatte, waren zwei von der Stadt beauftragte Gutachten zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, was die zukünftige Verkehrsbelastung angeht. Ein Bochumer Büro ging von einer stärken Zunahme des Verkehrs aus als ein Büro aus Dortmund. Über den Platz der Deutschen Einheit fahren täglich bis zu 80.000 Fahrzeuge. Jährlich ereignen sich im Schnitt 125 Unfälle.

Von Bastian Ludwig

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