Kreisel-Umbau: Heftige Kritik aus der Unterneustadt

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Blick in die Zukunft: So würde die nach Einschätzung der Verkehrsgutachter beste Lösung für den Umbau des Platzes der Deutschen Einheit aussehen. Zu sehen ist der Blick von der Leipziger Straße über den großen Kreisel in Richtung Innenstadt. Auf dem „Überflieger“, den aufgeständerten Fahrbahnen über der Kreuzung, rollt der Verkehr zwischen Dresdener Straße und der Bundesstraße 83 in Richtung Waldau.

Kassel. Der Umbau des Platzes der Deutschen Einheit nach Ideen der Ingenieurgesellschaft Brilon Bondzio Weiser wird vom Ortsvorsteher der Unterneustadt, Joachim Schleißing (Grüne), abgelehnt.

Die Wohnquartiere des Stadtteils würden schon jetzt massiv vom Verkehr durchschnitten. Auch ein leistungsfähigerer Platz der Deutschen Einheit würde keine grundlegende Verbesserung für die Unterneustadt bringen.

„Wir brauchen eine Mobilität in der Stadt, die den Bewohnern und den Pendlern annehmbare Alternativen anbietet“, fordert Schleißing. „Was wir nicht brauchen, sind gigantische Elefantenzähne aus Stahlbeton als Krone eines gewaltigen Bauwerks, das die Unterneustadt insgesamt als Wohnquartier bedroht, und das durch eine erhöhte Verkehrsführung den Fahrlärm in Gebäudehöhen bringt, die bis jetzt ein gutes innerstädtisches Wohnen ermöglicht haben.“

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In Kassel würden deutliche Verbesserungen aller Mobilitätsangebote jenseits des motorisierten Individualverkehrs gebraucht, „wenn das Wohnen in der Stadt lebenswert bleiben soll.“

Der Verkehrsknoten platze bald, könnte man meinen, wenn man von Unfällen und Staus am Platz der Deutschen Einheit höre, erklärt Schleißing. Die Verkehrssituation im Berufsverkehr am Morgen und nachmittags fordere Geduld. Da müsse man in der Regel bis zu zehn Minuten früher starten, oder wenn möglich etwas früher oder später die Fahrt beginnen.

Joachim Schleißing

Für Ortsunkundige sei der Kreisel tatsächlich nicht ganz leicht zu durchfahren. Die erhöhte Rate leichter Blechschäden spreche hier eine klare Sprache.

„Aber welche Folgen hat ein derartig gigantisch geplanter Umbau für die Verkehrssituation in der Stadt, für den Verkehr in der Unterneustadt und für die Bewohner des Stadtteils?“ fragt der Ortsvorsteher. Es liege auf der Hand, dass der Blick zuerst auf den großen Kreisel falle. Doch die Situation sei komplizierter.

Die Hauptlast des Ost-Westverkehrs trage nicht der Stadtteil Bettenhausen, sondern die Unterneustadt. Hier würden der Verkehr aus dem Nordosten, dem Westen und dem Süden aufeinander treffen.

Nur zwei Brücken

Solange der Verkehr allein über die Fuldabrücke und den Platz der Deutschen Einheit bewältigt werde sowie über die Hafenbrücke mit Anbindung an den sogenannten kleinen Kreisel Scharnhorststraße/Dresdener Straße und solange die einzige Querung über die Fulda für Straßenbahnen in der Stadt die Fuldabrücke sei, werde die Verkehrslage im Berufsverkehr im Osten nicht vom Grund her besser, gibt Schleißing zu bedenken. (ach)

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