Entwicklungsplan der Stadt stößt auf heftige Kritik

Platzmangel an Kasseler Schulen: Eltern schlagen Alarm

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Auch auf sie wird in den nächsten Jahren nach den Berechnungen der Stadt eine deutlich steigende Schülerzahl zukommen: die Grundschule Am Wall am Kasseler Schützenplatz.

Kassel. Wohin mit den 500 zusätzlichen Grundschülern? Auf Fragen wie diese haben Eltern und Lehrer konkrete Antworten der Stadt als Schulträger erwartet.

Eine weitere Frage ist, was gegen den auf 145 Millionen Euro angewachsenen Sanierungsstau an Kasseler Schulen getan werden wird. Doch schon vor der für diese Woche geplanten Vorlage des Kasseler Schulentwicklungsplans löst das von der Stadt erarbeitete Papier heftigen Protest und Enttäuschung aus.

Hauptkritikpunkte: Der Entwurf sei zu allgemein, bleibe zu vage, liefere für die großen und vielfältigen Probleme in den Kasseler Schulen keinerlei Lösungsansätze. Zudem benenne er weder konkrete Projekte noch Rangfolgen oder Konzepte. Überdeutlich fällt denn auch das Urteil des Stadtelternbeirats aus: „Einen Schulentwicklungsplan stellt dieser Entwurf weder fachlich noch nach den Vorgaben des Schulgesetzes dar.“

Der Beirät schlägt im Namen der Eltern Alarm. Kritik hagelt es bereits auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie von CDU und Linke. Der „Mangel an Entscheidungs- und Umsetzungswillen“ der Stadt werde bei den Grundschulen offensichtlich. Die Zahl der Grundschüler in Kassel steige von derzeit knapp 6500 auf 7000 im Schuljahr 2021/22. Über zehn Jahre hinweg bedeute das einen Anstieg um rund 850 Grundschüler.

Zuwächse um über 120 Prozent werden an Losseschule, Unterneustädter Schule und der Grundschule Am Wall erwartet. Letztere soll um 250 auf 350 Schüler zulegen. Am Wall hätten derzeit 211 der 250 Schüler einen Migrationshintergrund, betont der Elternbeirat. Der städtische „Lösungsvorschlag“, die Entwicklung der Schülerzahlen abzuwarten und weiter zu prüfen, wirke „hilflos oder zynisch“.

Auch der Elternbeirat sei an der Aufstellung des Planes beteiligt gewesen, erklärt dazu die Stadt. Zur Kritik der Parteien nehme man erst nach Vorlage des Plans im Ausschuss Stellung. 

Amt für Schule und Bildung weist Kritik an Planungen zurück

Noch liegt der neue Schulentwicklungsplan der Stadt Kassel nicht auf dem Tisch. Bislang ist das hunderte Seiten starke Papier lediglich auf dem städtischen Internetportal abrufbar. Die öffentliche Beratung wird am Mittwoch im Schulausschuss (ab 17 Uhr im Rathaus) beginnen.

Nach dem bisherigen Zeitplan sollen die Stadtverordneten in der Sitzung am 23. April darüber beschließen. Ob dieser Termin eingehalten werden kann, ist unklar. Wegen der bereits im Vorfeld aufgekommenen Kritik hat das städtische Amt für Schule und Bildung am Freitag auf Anfrage Stellung bezogen. Demnach gehe es bei der Planung nicht darum, an einzelnen Schulstandorten detaillierte Entwicklungen und Maßnahmen zu beschreiben. Vielmehr solle ein Gesamtüberblick der Entwicklung in der Stadt Kassel und eine einheitliche, informative Darstellung der Schulen gegeben werden.

Nach Angaben der Stadt hat das Staatliche Schulamt für Stadt und Landkreis Kassel den Entwurf bereits geprüft und ihn im Grundsatz befürwortet. Der Magistrat hat diese alle fünf Jahre anstehende Fortschreibung (siehe Hintergrund) bereits im Februar beschlossen. Zudem verweise man auf das umfangreiche Beteiligungsverfahren, an dem unter anderem Stadtelternbeirat, Schülervertretung sowie Ortsbeiräte und Gewerkschaft mitgewirkt hätten.

Ab dieser Woche nun soll der Entwurf in den öffentlich tagenden Gremien zur Diskussion gestellt werden. Angesichts der von ihnen monierten zahlreichen und vielfältigen Probleme in Kasseler Schulen sehen Stadtelternbeirat, Gewerkschaft und Oppositionsfraktionen im Stadtparlament den richtigen Zeitpunkt gekommen, um die Debatte anzustoßen und auf die Planungen Einfluss zu nehmen.

In der Kritik stehen dabei die Stadt Kassel als Schulträger sowie Anne Janz (Grüne) als verantwortliche Schuldezernentin. Christdemokraten und Kasseler Linke kritisieren sie unter anderem für die Schließung der Joseph-von-Eichendorff-Schule.

Wohin mit den Schülern?

Damals war man noch von zurückgehenden Schülerzahlen ausgegangen. Angesichts des nun zu erwartenden Anstiegs müsse geklärt werden, welche Schulen die vielen zusätzlichen Grundschüler künftig besuchen sollen, fordern Eltern und Politik. Die Diskussion darüber hat begonnen.

Alle fünf Jahre wird geprüft

Schulträger wie die Stadt Kassel sind dazu verpflichtet, Schulentwicklungspläne für ihr Gebiet aufzustellen. Die Pläne müssen alle fünf Jahre überprüft und gegebenenfalls fortgeschrieben werden.

Bei dem nun in Kassel vorliegenden Entwurf geht es um die 10. Fortschreibung des Entwicklungsplanes für alle Schulformen in der Stadt. Der Vorgänger war Anfang 2010 vorgelegt und im März 2011 mit Auflagen genehmigt worden.

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