Kasseler Agentur meldet Insolvenz an

"Break out and run free": Gefängnislauf-Veranstalter sind pleite

Kassel. Nach dem Knastlauf kommt die Pleite: Gegen die Kasseler Agentur „Querheads“, Veranstalterin des Gefängnislaufes „Break out and run free“, der am 7. September in Kassel stattfand, ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Telefonisch ist die Agentur an der Friedrich-Ebert-Straße nicht mehr zu erreichen. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ ist nur noch zu hören.

Aktualisiert um 17.45 Uhr 

Der Kasseler Anwalt Thore Voß ist zum Insolvenzverwalter in dem Verfahren bestellt worden. Seinen Angaben zufolge haben sich noch keine Gläubiger bei ihm gemeldet. Die Frist, Forderungen anzumelden, ende aber auch erst am 20. Dezember. Die Verbindlichkeiten der Agentur stammten zum Großteil aus den Vorbereitungen zu dem Gefängnislauf. „Der war ja auch das einzig große Projekt dieser Agentur“, sagt Voß. Die Verbindlichkeiten resultierten aus „aus Lieferungen und Leistungen“, die Struktur der Gläubiger sei ganz unterschiedlich. Über die Höhe der Verbindlichkeiten will sich Voß nicht äußern.

Fest steht, dass sich die Agentur „Querheads“ im Vorfeld des Laufes bereits verkalkuliert hat. Im Frühjahr dieses Jahres ging die Agentur noch von bis zu 5000 Teilnehmern aus. Zudem war ein großes Abschlusskonzert in der Eissporthalle geplant, was dann aber doch abgesagt werden musste. Letztlich waren dann im September lediglich 1200 Teilnehmer bei dem Hindernislauf im früheren Gefängnis an den Start gegangen. Pro Person war ein Startgeld von 89 Euro fällig gewesen. Den Startern war eine Strecke über 18 Kilometer mit 21 Hindernissen versprochen worden. Tatsächlich waren es weniger. Einige Schrittzähler zeigten im Ziel nur 13 Kilometer an.

Mehrere Teilnehmer hatten daraufhin bei Facebook Betrugsvorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Aber bis lang seien noch keine Strafanzeigen gegen die Agentur oder den Geschäftsführer erstattet worden, sagt Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage der HNA. Es würden allerdings sechs Online-Anzeigen vorliegen. Ob in diesen Fällen der Straftatbestand des Verdachts des Betrugs erfüllt sei, prüfe derzeit die Staatsanwaltschaft.

Archiv-Bilder vom Lauf

"Break out and run free": Hindernislauf durch Kassel

Verärgert ist auch der aus dem Fernsehen bekannte Kasseler Anwalt Christopher Posch, der nicht nur selbst mitgelaufen war, sondern auch die Schirmherrschaft für den „Elwe-Lauf“ übernommen hatte. „Ich selbst war Leidtragender der schlechten Organisation“, sagt Posch. Er versuche seit Wochen, Kontakt mit den Verantwortlichen der Agentur aufzunehmen, um über die misslungene Veranstaltung zu sprechen. Aber ohne Erfolg.

„Das ist sehr ärgerlich. Die haben hier viel verbrannte Erde hinterlassen“, sagt Posch. „Eigentlich stellt man sich der Kritik und taucht nicht einfach unter.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Archivvideo des Laufs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.