Nachfolge von Frank-Roland Klaube immer noch offen - Kandidat sagte kurzfristig ab

Pleiten und Pech im Stadtarchiv

Neue Leitung gesucht: Das Kasseler Stadtarchiv ist weiter führungslos. Der Wegweiser steht vor der Markthalle, im Hintergrund ist die Martinskirche zu sehen. Archivfoto: Lantelmé/nh

Kassel. Das Kasseler Stadtarchiv dümpelt seit Monaten führungslos vor sich hin. Schon wieder ist ein Kandidat für die Leitung abgesprungen. Zwei Mitarbeiterinnen halten den Betrieb so gut es geht aufrecht. Seit Frank-Roland Klaube Ende 2008 in den Ruhestand verabschiedet wurde, ist die Personalpolitik von Pleiten und Pech gekennzeichnet.

Klaube leitete das Archiv, das auch als Gedächtnis der Stadt bezeichnet wird, vier Jahrzehnte lang. Seine Nachfolgerin, Dr. Sigrid Schieber, blieb nur elf Monate. Dann wechselte sie ins Hessische Hauptstaatsarchiv nach Wiesbaden. Sie gab damals private Gründe an. Ihr Ehemann arbeitet in Frankfurt. Bis zum Frühjahr 2010 sollte die Nachfolge im Stadtarchiv geregelt sein. Doch daraus wurde nichts.

Die Stadt fand zwar einen geeigneten Bewerber, doch der sagte kurz vor Toresschluss ab. Alles nur Pech oder ist die Stelle nicht attraktiv genug? „Daran kann es nicht liegen, dafür hatten wir zu viele Bewerber“, sagt Dorothée Rhiemeier, die Leiterin des Kulturamtes. Sowohl bei Sigrid Schieber als auch bei dem nächsten Wunschkandidaten habe es sich um hoch qualifizierte Fachleute gehandelt. Das Risiko, dass die auch für andere Institutionen interessant seien, könne man nie ausschließen. Im jüngsten Fall sei der Arbeitsvertrag zum 1. Juli schon unterschrieben gewesen. Dann habe es doch noch kurzfristig eine Absage gegeben.

Anzeigen im Internet

Jetzt geht die Hängepartie also weiter. Um den Bewerbungsprozess zu beschleunigen, habe man Anzeigen auf zwei Internetportalen geschaltet, die auf das Archivwesen spezialisiert sind. Die Hoffnung: Bis zum Herbst soll eine geeignete Leitung gefunden werden.

Zu tun gäbe es genug. Bei den Vorbereitungen für die 1100-Jahr-Feier Kassels zum Beispiel. Auch beim Henschel-Sommer ab Ende Juni wäre das Archiv eigentlich ein Ansprechpartner für die 200-jährige Firmengeschichte. Die Digitalisierung des Bestandes sowie neuer Akten ist längst überfällig. Täglich gibt es Anfragen. Mal geht es um Ahnenforschung, dann hat jemand ein altes Foto entdeckt und will wissen, wo es aufgenommen wurde. In schwierigen Fällen springt Pensionär Frank-Roland Klaube noch einmal ein. Er ist dienstags und donnerstags jeweils drei Stunden am Vormittag ansprechbar.

Stadtarchiv Kassel, Wildemannsgasse 1 (Marstall). Öffnungszeiten dienstags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Tel. 78 74 05 0.

Von Thomas Siemon

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