Die Pläne für ein Neubaugebiet in Harleshausen finden nicht nur Zustimmung

Im Plutsch regt sich Protest

Agnes-Maria Deibl möchte nicht gehen: Die Bio-Bäuerin hängt an ihrem Zuhause in Harleshausen, das ihre Eltern 1959 in Erbbaurecht gepachtet haben. Für die Erschließung des Neubaugebiets Zum Feldlager soll sie das Grundstück räumen. Foto: Koch

Harleshausen. In Harleshausen entsteht eines der wenigen größeren Neubaugebiete der Stadt. Als „gute Entwicklungsfläche für Wohnbauland“ bezeichnete kürzlich Petra Gerhold vom städtischen Planungsamt das Areal zwischen der Straße Zum Feldlager und der Niederfeldstraße. Auch das Gros der Stadtteilpolitiker befürwortet die Pläne.

Doch es gibt nicht nur Befürworter, sondern es formiert sich auch Protest. Der Verlust ihres Zuhauses Zum Feldlager 54 droht beispielsweise der Bio-Bäuerin Agnes-Maria Deibl. Seit 1959 wohnt ihre Familie Im Plutsch, wie das Gebiet und die angrenzende Straße heißen. Sie bewirtschaftet dort in Erbbaupacht ein zwei Hektar großes Grundstück. „Wir wollten Land und Haus immer kaufen.“ Nie habe es geklappt. Beruhigt sei sie gewesen, weil der Vertrag nach ihrem Verständnis erst nach 99 Jahren, 2058, auslaufe. Doch hier ist Deibl auf dem Holzweg. Ihre Originalunterlagen, die das laut ihrer Aussage beweisen können, habe sie „aus Dummheit“, wie sie sagt, aus der Hand gegeben. Danach seien sie verschwunden.

Die Stadt, die das Grundstück als Bauland verkaufen will, bezieht sich auf einen Grundbucheintrag, in dem das Ende der Pacht mit 2009 angegeben ist. Frau Deibl habe „schriftlich bestätigt, dass ihr die Tatsache bekannt“ sei, dass das Erbaurecht 2009 endet, sagt Stadtsprecher Hans-Jürgen Schweinsberg.

Doch Deibl weigert sich, das Terrain zu räumen. „Es ist doch mein Elternhaus.“ Jetzt gibt es eine Räumungsklage gegen sie. Mit verschiedenen Mitteln versuche die Stadt, sie zu vertreiben. Beispielsweise sei sie aufgefordert worden, eine Reihe Pappeln, die zu ihrem Haus führen, zu entfernen. Sie stellten eine Gefährdung dar, hieß es. Sie konnte aber beweisen, dass die Bäume gepflanzt waren, bevor die Deibls die Pacht übernommen hatten. Auch der Kampfmittelräumdienst stand jetzt vor der Tür und habe ihr wegen der Gefahr von Blindgängern „bodeneingreifende Arbeiten“ untersagt. „Für einen Landwirt ist das das Aus.“ Sie verlangt jetzt über ihren Anwalt umfassende Auskunft und fordert eine „Berichtigung des Grundbuchs“.

Gegen das Neubaugebiet protestieren auch die Anwohner Shirley und Ernst Winkler. 75 Mitstreiter unterzeichneten ihre Liste „Grüne Lunge statt großflächiger Bodenversiegelung“ und sprechen sich damit „vehement für den Erhalt des Bereichs Zum Feldlager/Niedefeldstraße/Geilebach als Frischluftschneise und Naherholungsgebiet aus“. Zudem haben 45 Anlieger aus dem Bereich Im Plutsch/Niederfeldstraße/Steinstücker Weg Bedenken gegen die Bebauung geäußert.

Gegen eine Bebauung hat sich auch der FDP-Ortsverband Harleshausen/Jungfernkopf/Kirchditmold ausgesprochen. „Hier werden eine Frischluftschneise und ausgewiesene Flutgebiete des Geilebachs zerstört“, sagt der Vorsitzende Andreas Ernst.

Von Christina Hein

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