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Podcaster Khesrau Behroz erzählt die Geschichte hinter dem Drachenlord

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Von: Matthias Lohr

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Vielfach ausgezeichnet: Der in Kassel aufgewachsene Khesrau Behroz hat erfolgreiche Podcasts über den umstrittenen Radiomoderator Ken Jebsen sowie den Youtuber Drachenlord produziert. In Berlin betreibt er die Produktionsfirma Undone.
Vielfach ausgezeichnet: Der in Kassel aufgewachsene Khesrau Behroz hat erfolgreiche Podcasts über den umstrittenen Radiomoderator Ken Jebsen sowie den Youtuber Drachenlord produziert. In Berlin betreibt er die Produktionsfirma Undone. © Studio Bummens/nh

Khesrau Behroz macht die spannendsten Journalismus-Podcasts. In „Cui Bono“ erzählt er von Ken Jebsen und vom Youtuber Drachenlord. Im HNA-Podcast spricht über seine Jugend in Kassel.

Kassel – Es wäre gut, wenn Khesrau Behroz vor seinen Podcasts eine Warnung aussprechen würde. So was wie: „Wenn Sie anfangen zu hören, werden Sie nicht aufhören können.“ Man will unbedingt dranbleiben, wenn der in Kassel aufgewachsene Behroz in aufwendigen journalistischen Formaten etwa die Geschichte des in Verschwörungswelten abgeglittenen Radiomoderators Ken Jebsen erzählt.

„Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen“ wurde mit Preisen überhäuft und mehr als fünf Millionen Mal abgerufen. Die neue „Cui Bono“-Staffel „Wer hat Angst vorm Drachenlord?“ ist ebenfalls eine Empfehlung. Über die Entstehung und seine Jugend in Kassel redet Behroz in der neuen Folge des HNA-Podcasts „Mensch, Kassel“.

Der Drachenlord

In der neuen fünfteiligen Staffel seines „Cui Bono“-Podcasts erzählt Behroz die Geschichte von Rainer Winkler aus Mittelfranken, der vor mehr als zehn Jahren anfing, auf Youtube Videos unter dem Namen Drachenlord hochzuladen. Winkler redete banales und manchmal auch dummes Zeug, wie man es oft im Internet findet. Irgendwann wurde er zur Zielscheibe des Hasses.

Seine Anti-Fans, die er Hater nennt, verspotteten ihn als „Missgeburt“ und „Fettsack“, veranstalteten regelmäßig Partys vor seinem Haus im 42-Einwohner-Ort Altschauerberg. Mehrmals reagierte Winkler mit Gewalt auf den wütenden Mob und wurde verurteilt. Mittlerweile wurde der Drachenlord-Kanal von Youtube gelöscht, doch das Drachengame, wie die Hater ihr Treiben nennen, geht weiter. Sie verfolgen den mittlerweile obdachlosen Winkler quer durch die Republik.

Nach dem Hören von „Wer hat Angst vorm Drachenlord?“kann es sein, dass man den Glauben an das Gute im Menschen verliert. Die Hater sind meist ganz normale Menschen, Studenten, angehende Mediziner. Auch wenn Winkler zur Eskalation beigetragen hat – für Behroz ist er vor allem ein Opfer: „Der Rechtsstaat kommt mit dieser Form des Cybermobbings nicht klar. Der Fall des Drachenlords ist ein Extrembeispiel, das zeigt, wie viel Unrecht wir als Gesellschaft bereit sind zu dulden.“

Der Macher

Der in Kabul geborene Khesrau Behroz kam 1994 über Umwege mit seiner afghanischen Familie als Flüchtling nach Deutschland. Verwandte wohnten bereits in Kassel. In Nordhessen erlebte er eine „schöne Kindheit“, wie der 35-Jährige sagt: „Als Familie wurden wir sehr gut aufgenommen. Ich hatte eine wahnsinnig tolle erste Lehrerin, die mir geholfen hat.“

An der Offenen Schule Waldau ermunterte ihn der Lehrer Friedemann Klages dazu, eigene Geschichten zu schreiben: „Er hat mich enorm gefördert. Einige Herzschmerztexte des Heranwachsenden von damals sind heute noch auf meinem Rechner.“

Der Nachwuchsliterat nahm an Poetry Slams teil und startete 2008 sogar bei der deutschsprachigen Meisterschaft in Zürich. Dort flog er in der ersten Runde raus, lernte aber trotzdem offensichtlich einiges fürs Leben: „Auf der Bühne stehen und einen Text vorlesen – was ich heute mache, ist nicht viel anders.“ Den Roman, den er schon mit 21 in der Schublade hatte, wie er der HNA damals sagte, hat er übrigens immer noch nicht veröffentlicht.

Das Medium Podcast

Ein guter Podcast ist für Khesrau Behroz ähnlich schwierig wie gute Popmusik. Bei „Cui Bono“ wird nicht einfach geplaudert wie in unzähligen anderen Formaten. Er vergleicht seine Reihe mit einem Trojanischen Pferd, „das glitzert und toll aussieht. Doch darin verbirgt sich eine gesellschaftlich relevante Geschichte“. Es geht Behroz immer um die Geschichte hinter der Geschichte. Im Fall des Drachenlords erklärt er, wieso jemand wie Rainer Winkler so viel Aufmerksamkeit bekommt und wie das Internet uns alle verändert hat.

Mittlerweile bekommt auch er Hass-Post von den Drachenlord-Hatern. Wie viele gute Journalisten verbindet Behroz mit seiner Arbeit aber auch eine Hoffnung: „Vielleicht trägt der Podcast dazu bei, dass einige Leute merken, wie schlimm das ist, was da passiert.“ (Matthias Lohr)

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