Einige Projekte aus Kassel

Aus diesem Grund lohnt es sich, Podcasts zu hören - Projekte auch in Kassel

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Rund um das Thema Comics: Die Kunsthochschulstudentinnen Greta von Richthofen (links) und Jolanda Obleser haben einen eigenen Podcast, den „Nordbaufunk“. 

Fristeten sie vor einigen Jahren noch ein Nischendasein, sind Podcasts zuletzt immer populärer geworden. Wir erklären warum und stellen Audioformate aus Kassel vor.

Sind Podcasts also die Nachfolger der Hörspiele? Olaf Val, Leiter Digitales an der Kunsthochschule, erklärt im Interview, was die Audioformate ausmacht.

Herr Val, was genau ist eigentlich ein Podcast?

Einfach erklärt ist ein Podcast eine Radiosendung, die man abonnieren und sie dann hören kann, wenn man die Zeit dazu hat. Im Gegensatz zum Radio kann man sich Themen auswählen, die einen interessieren.

Sind Podcasts die Ablösung von Hörbüchern und Hörspielen?

Hörbücher und Hörspiele sind im Gegensatz zu Podcasts meist nicht kostenlos. Auch lassen sie sich nicht so leicht anhören wie Podcasts, die sich irgendwo zwischen Küchenradio und Meinungsbeitrag bewegen. Man bekommt eben etwas gesagt und die Meinung nicht aufgedrückt. Man kann aber durchaus Anregungen daraus mitnehmen. Ein bisschen sind Podcasts wie Gesprächen am Küchentisch.

Und das fesselt die Hörer?

Auf jeden Fall. Die besten Podcasts sind eigentlich die, bei denen die Macher fast vergessen haben, dass es noch einen Zuhörer im Hintergrund gibt. Allerdings darf sich das Gespräch dann auch nicht nur um Banalitäten drehen. Der Zuhörer darf nicht denken, dafür ist mir meine Zeit jetzt zu kostbar.

Wer nimmt denn eigentlich einen Podcast auf?

Wer einen Podcast aufnimmt, der macht das nicht in erster Linie, um damit Geld zu verdienen, sondern weil er einem Publikum etwas erzählen will. Das ist auch der Ursprung vieler mittlerweile sehr bekannter Podcasts. Die Einführung von Streamingdiensten wie Spotify hat dann dazu geführt, dass Podcasts weiter an Reichweite gewonnen haben.

Wer ist die Zielgruppe von Podcasts?

Mit Blick auf das Alter lässt sich eigentlich für jeden etwas finden. Ansonsten hängt es von den Interessen ab. Thematisch ist die Podcastszene mittlerweile sehr vielfältig. Das reicht von Gartenthemen über Kochrezepte bis hin zu True-Crime-Stories. Das sind Aufzeichnungen, die sich mit realen Kriminalitätsfällen befassen.

Gibt es auch was für die jüngere Zielgruppe?

Kinder hören auch weiterhin eher Hörspiele wie Benjamin Blümchen oder TKKG. Dass es auch Podcasts für Jugendliche gibt, das ist auch noch ein relativ neues Phänomen. Ich finde in dem Bereich zum Beispiel das Format „Deutschland 3000“ sehr interessant. Die Sendung gibt es auf Youtube und als Podcast. Die Moderatorin Eva Schulz unterhält sich mit Gesprächspartnern. Ihr Ziel ist es, diesen so zu begegnen, wie man sie vorher noch nicht erlebt hat, um den Leser damit auf neue Gedanken zu bringen. Meinen Kindern gefällt auch der Podcast „Auf den Punkt“, den die Süddeutsche Zeitung macht. Die Themen des Tages werden hier knapp zusammengefasst.

Gibt es auch Podcasts, mit denen Geld verdient wird?

Es gibt da sehr unterschiedliche Modelle zur Finanzierung. Bei einem Podcast wird zu Beginn vorgelesen, wer Geld für den Podcast gespendet hat. Eine andere Möglichkeit sind Plattformen, in die jeden Monat eingezahlt wird. Viele Podcasts haben Sponsoren oder Werbepartner.

Haben sich mit zunehmender Popularität auch die Themen der Podcasts verändert?

Nur insofern, dass die Themen in den Podcasts vielfältiger geworden sind. Die eigentliche Intention des Podcasts geht über das hinaus, was zum Beispiel eine Zeitung leistet. Wenn man einen Artikel vorlesen würde, dann würde der ja niemals zwei Stunden dauern. Podcasts beschäftigen sich noch intensiver mit einem Thema.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Der „Aufwachen“-Podcast von Thilo Jung und Stefan Schulz beschäftigt sich mit Beiträgen aus den Medien. Auf einer Metaebene wird analysiert, wie beispielsweise in einem Interview die Fragen gestellt wurden. Und das ist für mich ein bisschen auch die Aufgabe eines Podcasts. Der Hörer soll dazu angeregt werden, sich mit aktuellen Geschehnissen zu befassen, über die reine Aufnahme der Nachricht hinaus. Das kann auch über persönliche Erfahrungen der Podcast-Protagonisten erreicht werden.

Für wen lohnt es sich, einen Podcast zu machen?

Wenn man eine entsprechende Zielgruppe hat, dann macht das auf jeden Fall Sinn. Dabei ist es egal, ob man Unternehmen oder Privatperson ist. Die Zielgruppe muss entweder schon groß sein, weil das Unternehmen einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Oder man muss eben mit dem Thema des Podcasts Reichweite erzeugen. Ich glaube, auch innerhalb einer Firma kann ein Podcast als Kommunikationsmöglichkeit funktionieren. Ich würde das eher hören, als seitenlange Mails zu lesen. Audios sind viel niederschwelliger zu konsumieren als beispielsweise Videoformate. Viele Podcasts gibt es aber auch in beiden Formaten.

Woher nimmt man überhaupt die Zeit, sich Podcasts anzuhören?

Ich persönlich bin eher der Typ, der Informationen aufnimmt, wenn er sie hört, statt sie zu lesen. Deshalb höre ich Podcasts zum Beispiel beim Laufen, beim Kochen oder beim Wäsche falten. Auch in der Straßenbahn kann man wunderbar Podcasts hören. Das muss aber jeder für sich selbst herausfinden. Rein technisch lässt sich das mit Kopfhörern, die es mittlerweile auch kabellos gibt, und Smartphone leicht umsetzen. Die meisten Podcasts sind auch mittlerweile in Kapitel unterteilt, sodass man jederzeit problemlos wieder einsteigen kann.

Olaf Val (51) ist an der Kunsthochschule Leiter der Werkstatt für Digitales. Er gibt Kurse in Programmierung und Photoshop. Val hat an der Kunsthochschule studiert und ist seit 2005 Mitarbeiter. Val lebt mit seiner Familie in Kassel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Val macht auch selbst Podcasts zu Kunstthemen. Sie sind online zu finden unter projects.olafval.de

Eine Podcast-Auswahl aus Kassel

Greta von Richthofen (30) und Jolanda Obleser (23) studieren an der Kunsthochschule Illustration. Beim Zeichnen haben sie oft Podcasts gehört und dann entschieden, selbst einen eigenen Podcast aufzunehmen. Thematisch geht es um alles rund um Illustration und Comics. Die erste Folge des Podcasts erschien Anfang 2017. Mittlerweile gibt es 14 Folgen. Der Name des Podcasts nimmt Bezug auf den Nordbau der Kunsthochschule. nordbaufunk.de

Nils Kloppmann und Florian Hirdes sprechen über Eishockey. Neben den Kassel Huskies und der DEL2 ist auch der Nachwuchs und die Kasseler Jungs in der Eishockeywelt ein fester Bestandteil ihres Podcasts. Die Huskies-Fans haben sich über das Internet kennengelernt und haben entschieden, ihre Eishockey-Gespräche als Podcast aufzunehmen. Begonnen haben sie mit den Aufnahmen 2017. Mittlerweile werden die Folgen zwischen 400 bis 500 Mal angehört. connecktion.de

Über den Alltag mit Asperger-Syndrom, vor allem aber über Themen wie Familie, Politik und Fußball sprechen Jason von Juterczenka und sein Vater Mirco in ihrem Podcast „Radiorebell“. Die Themen werden zuvor voneinander unabhängig ausgewählt und in eine Losbox gegeben. Dafür wurden die beiden Kasseler bereits mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Jeden Mittwoch erscheint eine neue Folge des Podcasts. wochenendrebell.de

Drei Fragen an das Kasseler Start-Up Melawear

Das Kasseler Start-up Melawear, das nachhaltige Mode produziert, hat seit Anfang des Jahres auch einen Podcast. Wir haben mit Mitarbeiterin Katharina Ladleif darüber gesprochen, was das Unternehmen damit erreichen will. 

Worum geht es im Melawear-Podcast? 

Bei unserem Podcast „Step into the future“ handelt es sich um einen Branchen-Podcast, in dem es um Mode, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel geht. Wir beschäftigen uns mit der Textilindustrie und der eigenen Arbeit als nachhaltiges Modeunternehmen. Zum anderen werden Gäste und Experten aus Politik, Wissenschaft und der Modebranche interviewt. 

Seit wann gibt es den Podcast und wie werden die Folgen aufgenommen? 

Wir haben die erste Folge zur Berlin Fashion Week im Februar aufgenommen. Im Schnitt erscheinen zwei Folgen pro Monat. Die Länge variiert zwischen 10 Minuten bis hin zu 50 Minuten. Die Redaktion machen Katharina Ladleif und Josephine Hein. Dabei werden sie von einem Tontechniker unterstützt. Die meisten Folgen wurden im Studio des Freien Radio aufgenommen. Zuletzt haben wir beispielsweise ein Live-Podcasting-Event mit einer Bloggerin gemacht, das wird dann mit einem mobilen Aufnahmegerät aufgezeichnet. 

Was bringt der Podcast dem Unternehmen?

 Für uns ist es eine zeitgemäße Kommunikationsmöglichkeit, um mit Verbrauchern, aber auch mit Branchen-Insidern in Kontakt zu treten. Derzeit gibt es 14 Folgen des Podcasts und 5000 Hörer. Der Podcast soll nicht nur als Informationsquelle diesen, sondern einen Austausch zwischen Verbrauchern, Unternehmen und Produzenten anregen. melawear.de

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