Viele Mitglieder des Stadtparlaments schreiben über sich im Netzwerk Facebook

Politik trifft auf Privates

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Kontaktfreudig: Norbert Sprafke von der SPD hat mit 732 Facebook-Freunden ein großes Netzwerk.

Kassel. Sie schließen Freundschaften, laden Fotos hoch, empfehlen Beiträge und kommentieren politische Ereignisse: Fast die Hälfte der 71 Kasseler Stadtverordneten ist im Online-Netzwerk Facebook aktiv. 33 haben ein eigenes Profil unter ihrem vollen Namen, über das sie öffentlich persönliche oder berufliche Informationen preisgeben.

Was die Kommunalpolitiker über sich schreiben, reicht von banalen bis spannenden Informationen, vom ausführlichen Lebenslauf bis zum Beziehungsstatus „single“ und „interessiert an Frauen“.

Die SPD-Fraktion ist nicht nur in der Stadtverordnetenversammlung mit 26 Sitzen am stärksten vertreten; auch bei Facebook sind die Mitglieder zum Zeitpunkt der Recherche am aktivsten: 17 von ihnen sind sofort zu finden, wenn Nutzer ihren Namen in das Suchfeld bei Facebook eingeben. Die meisten sind mit mehreren Hundert Menschen vernetzt. Facebook ist eine Plattform, auf der sie schnell und einfach Informationen verbreiten, Interessen äußern und Kontakte pflegen können. Schließlich nutzen immer mehr Menschen das Portal – etwa 25 Prozent aller Deutschen haben dort ein Profil.

Der Kasseler Sozialdemokrat Harry Völler zum Beispiel steht per Facebook mit 389 Menschen in Kontakt, darunter viele Parteigenossen und Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Besonders die jüngeren Stadtverordneten schreiben regelmäßig über sich. Sabine Wurst, Jahrgang 1985, gibt im August auf ihrer Pinnwand bekannt, dass sie sich auf das Juso-Landescamp am Edersee freut, und erzählt Anekdoten aus ihrem Leben: „Ich hab ’nen Knöllchen“.

Auch Abgeordnete der CDU verraten einiges: Georg Lewandowski gibt als Lieblingsmannschaft den KSV Hessen-Kassel an, Dr. Norbert Wett zählt als Lieblingsmusik Electro, Klassik und italienische Opern auf, und Marcus Leitschuh bezeichnet seine religiösen Ansichten als römisch-katholisch-ökumenisch.

Gruppen und Zitate

Norbert Domes von den Linken im Stadtparlament listet auf seiner Seite Gruppen auf, die ihn interessieren, darunter „Kein Bock auf Nazis“ und „Anti-Atom-Treck“. Viele der Abgeordneten haben ihr Lieblingszitat veröffentlicht, so auch Olaf Petersen von den Piraten: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen“.

Auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen ist reger Facebook-Nutzer, mit 2819 Freunden, 147 Fotos und jeder Menge Notizen über Ereignisse in Kassel. Von den Mitgliedern der FDP und den Freien Wählern, die im Stadtparlament vertreten sind, ist kein öffentliches Facebook-Profil zu finden. Die Ergebnisse dieser Recherche sind nicht repräsentativ, da die Nutzer von Facebook ihre Profilinformationen und Privatsphäreeinstellungen ständig ändern können. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Abgeordnete mit unvollständigem Namen oder Pseudonym die Plattform nutzen.

Von Stefanie Dietzel

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