Jennifer Schrodt sitzt für Tierschutzpartei in Berliner Bezirksparlament

Politikerin statt Zissel-Königin: So kämpft Veganerin in Berlin für Tierrechte

Veganerin und Tierrechtlerin Jennifer Schrodt beim Besuch in ihrer Heimatstadt Kassel.
+
Veganerin und Tierrechtlerin: Jennifer Schrodt beim Besuch in ihrer Heimatstadt Kassel. In Berlin ist sie Abgeordnete der Tierschutzpartei in der Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick.

Nur als Politikerin kann man die Welt besser machen, glaubt Jennifer Schrodt. Nun sitzt die Tierrechtlerin in einem Berliner Parlament. Dabei hatte die gebürtige Kasselerin ganz andere Träume.

Kassel – Die größte Niederlage im Leben von Jennifer Schrodt hatte zwei gute Sachen zur Folge. 2014 wollte die Kasselerin unbedingt Zissel-Königin werden. Sie sagte sich: „Wenn ich Königin werde, bleibe ich in Kassel.“ Zur Hoheit wurde jedoch eine andere Bewerberin gewählt. So musste die damals 26-Jährige immerhin keinen Hering essen, was zum Volksfest dazugehört. Denn Schrodt wurde schon mit 15 Vegetarierin.

Mittlerweile ist die gebürtige Nordhessin 33, Veganerin und sitzt für die Tierschutzpartei in der Berliner Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick. Politik in der Hauptstadt statt Zissel in Kassel – das ist eine ungewöhnliche Karriere.

Ungewöhnlich ist überhaupt die politische Biografie der Dozentin für Deutsch als Fremdsprache. Schrodt sitzt als Parteilose für die Tierschutzpartei im Parlament. Bis vor Kurzem war sie noch Mitglied in der V-Partei³, einer anderen kleinen Partei, für die Nachhaltigkeit und Tierwohl zentrale Themen sind.

Das V steht für Veränderung, Vegetarier und Veganer. „Darin habe ich mich wiedergefunden. Die drei Vs, das bin ich“, sagt Schrodt, die sich nicht mehr nur beschweren wollte über fehlende Tierrechte, sondern endlich etwas tun.

Bewegungen wie Fridays for Future findet sie auch gut, aber letztlich „sind Politiker die einzigen, die etwas anpacken können“. Wegen eines Aufrufs der Tierschutzpartei, der Tierrechtler in die Bezirksparlamente bringen sollte, trat sie aus der V-Partei³ wieder aus und für die Konkurrenz an.

Weil in den Berliner Bezirksparlamenten eine Dreiprozenthürde gilt, schafften es Schrodt und ihre Mitstreiter in die Versammlungen von Lichtenberg, Spandau, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick.

In dem Bezirk im Osten, in dem 276 000 Menschen leben, will sich die Quereinsteigerin unter anderem dafür einsetzen, dass es „überall die Pflicht gibt, mindestens eine vegane Alternative anzubieten“, wie sie sagt. Beim jährlichen Sommerfest der Freizeitanlage in der Nähe ihrer Wohnung in Schöneweide kann Schrodt etwa nur Pommes essen. Es ist also nicht viel anders als vor sieben Jahren auf dem Zissel.

Mitglieder der Tierschutzpartei, die offiziell „Partei Mensch Umwelt Tierschutz“ heißt, sagen auch schon mal, sie seien „die Dunkelgrünen“. Für Schrodt sind die Grünen eine etablierte Partei, die ihre Vorsätze nicht umsetzt: „Wir wollen versuchen, alle Menschen mitzunehmen, auch jene, die benachteiligt und ärmer sind.“

Ihre Wahlheimat galt lange als „arm, aber sexy“. Für Schrodt ist Berlin „die tollste Stadt der Welt“. In der Metropole genießt sie vor allem die vielen Konzerte. Als Teenager war sie großer Tokio-Hotel-Fan und trat mit einer Hymne an ihre Lieblingsband sogar im Musiksender Viva auf.

Heute ist Max Giesinger ihr Lieblingssänger. Wenn der Star sie bei Konzerten im Publikum sieht, kommt es bisweilen vor, dass er von der Bühne ruft: „Jenny, du bist ja auch da.“

Eigentlich wollte Schrodt übrigens Journalistin werden – bis sie feststellte, dass man in dem Beruf „mit der sozialen Ader nicht so weit kommt, weil jeder versucht, die reißerischste Schlagzeile zu machen“.

Nun titeln vielleicht bald andere über sie: „Jennifer Schrodt macht Berlin zu einem besseren Ort für Tiere und Menschen.“ (Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.