Düngemittelkonzern hat viele Baustellen - Durchsuchungen gehen weiter

Polizei-Aktion wie im Krimi: Durchsuchungen bei K+S waren lang geplant

Kassel. Großeinsatz in Kassel: Eine Hausdurchsuchung hat es am Mittwoch bei K+S gegeben - alles lief ab wie in einem Krimi, Bewaffnete stürmten in die Zentrale.

Die Mitarbeiter der K+S-Konzernzentrale in der Bertha-von-Suttner-Straße traf es wie der Blitz aus heiterem Himmel: Am Mittwoch um 8 Uhr umzingelten 150 Ermittler und Polizisten aus Thüringen, unterstützt von der Bundespolizei, in einem über Wochen generalstabsmäßig geplanten Großeinsatz das repräsentative Gebäude am ICE-Bahnhof.

Ein Teil stürmte bewaffnet hinein und bahnte sich zielsicher den Weg in die Vorstandsetage. Zeitweise kam niemand ins Gebäude oder heraus. Einigen Mitarbeitern wurden die Handys abgenommen, sie sollten den Vorstand um K+S-Chef Norbert Steiner nicht warnen können – wie im Krimi.

Draußen säumten derweil rund 40 Polizei- und Zivilfahrzeuge mit thüringischen Kennzeichen Straße und Gehwege: EF (Erfurt), UH (Unstrut-Hainich/Mühlhausen), GTH (Gotha), EA (Eisenach), IK (Ilm-Kreis), G (Gera), J (Jena), SOK (Saale-Orla-Kreis), NDH (Nordhausen), SLF (Saalfeld-Rudolstadt) und MGN (Meiningen).

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Die Beamten des Freistaates suchten Belege dafür, dass K+S zwischen 1999 und 2007 rund 9,5 Mio. Kubikmeter – also 9,5 Milliarden Liter – salzhaltiges Abwasser illegal in den Untergrund der Gerstunger Mulde südlich von Eisenach versenkt hat. Ob die Thüringer fündig geworden sind, bleibt abzuwarten. Wenn ja, dürfte die Auswertung der Dateien und Dokumente Wochen oder Monate dauern. Die Sprecherin des Landeskriminalamts, Tina Büchner: „Wir haben Daten und Akten gesichert und nehmen sie mit“.

Die Durchsuchungen kommen für K+S zur Unzeit. Denn aktuell ist das einzige Dax-Unternehmen aus Nordhessen damit beschäftigt, eine Übernahme durch den kanadischen Rivalen Potash abzuwehren, was Kraft genug kostet. Davon abgesehen kommt der Rohstoffkonzern seit gut zwei Jahren nicht aus den Schlagzeilen. Im Juli 2013 zerbrach das russisch-weißrussische Kali-Kartell, was die weltweiten Kalipreise auf steile Talfahrt schickte. Zeitweise drohte die Schwelle unterschritten zu werden, ab der die Kasseler noch Geld verdienen. Im Oktober desselben Jahres kam es zu einem tragischen Grubenunfall im Bergwerk Unterbreizbach. Die Folge: drei tote Kumpel und ein monatelanger, teurer Produktionsstopp an jenem Standort.

Hausdurchsuchung bei K+S in Kassel

Lexikon-Wissen:

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Vor diesem Hintergrund legte K+S 2014 ein Sparprogramm auf, das bis Ende 2016 Ausgaben von 500 Millionen verhindern soll. Und als sich das einzige deutsche Rohstoffunternehmen von Rang nach diesen Vorkommnissen im Frühjahr dank steigender Kalipreise und Nachfrage, des Export-fördernden schwachen Euros und des Sparprogramms wieder auf gutem Weg wähnte, begannen die Kanadier nach ihm zu greifen – vor allem auch, weil die Kasseler ihnen ein nagelneues Bergwerk in der Provinz Saskatchewan direkt vor die Nase gesetzt haben, das Mitte 2016 angefahren wird. Nun schwerwiegende Vorwürfe und die Durchsuchungsaktion: Das K+S-Management ist in diesen Tagen nicht zu beneiden.

Die Durchsuchungen bei K+S gehen am Donnerstag weiter. Wir halten Sie über Kassel Live und an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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