Plakataktion mit drei Phantombildern

Polizei fahndet mit Phantombildern nach Sexualstraftäter

Kassel. Mit neuen Fahndungsplakaten verstärkt die Kriminalpolizei ihre Bemühungen, einem seit zwei Jahren in Kassel aktiven Sexualstraftäter auf die Spur kommen. Der Täter gibt sich seinen Opfern gegenüber meist als Drogenfahnder aus.

Auf diese Weise hat er sich allein in Kassel zwölfmal jungen Mädchen genähert, um sie zu begrabschen. Mehr als 20 Taten ähnlichen Musters hatten sich bereits seit 2009 in Fulda und dem Fuldaer Vorort Petersberg ereignet. Dienstag hängten Beamte der des Kommissariats 12 der Kasseler Kripo 300 druckfrische Plakate in öffentlichen Einrichtungen, Geschäften und im Bereich des Bahnhofs Wilhelmshöhe auf, in dessen Nähe sich zuletzt zwei Taten ereignet hatten. Auch in Trams der KVG werden die Fahndungsplakate zu sehen sein. Nach Angaben der Polizei könnte es sich bei dem Täter um einen Pendler zwischen Kassel und Fulda handeln, der öffentliche Verkehrsmittel benutzt.

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Falscher Polizist schlug wieder zu: 14-Jährige belästigt

Auf den Plakaten sind drei verschiedene Phantombilder zu sehen, die mit Hilfe von Opfern erstellt wurden. Die Darstellungen ähneln sich so sehr, dass die Ermittler davon ausgehen, dass es sich bei um denselben Täter handelt.

Nach einer ersten Plakataktion im vergangenen Dezember war bereits eine Reihe von Hinweisen eingegangen, berichtet Polizeisprecherin Sabine Knöll. Eine heiße Spur sei aber noch nicht dabei gewesen. Daher setze man jetzt nochmals auf die Mithilfe der Bevölkerung. „Wir lassen nichts unversucht, um diesen falschen Polizisten dingfest zu machen und erhoffen uns mit der erneuten Plakataktion entscheidende Hinweise zum Täter zu erhalten“, sagt Kriminaloberkommissar Stefan Slama vom K 12.

Zuletzt war der falsche Polizist im März an einer Haltestelle am Walter-Schücking-Platz, unweit des Bahnhofs Wilhelmshöhe, in Erscheinung getreten. Einer 11-jährigen Schülerin gegenüber hatte er sich als Drogenfahnder ausgegeben und sagte, er müsse sie durchsuchen. Weil das Mädchen aber durch die Warnungen der Polizei über die Masche des Täters Bescheid wusste, hatte sie sich einfach abgewendet und war gegangen. Mit Hilfe ihrer Beschreibung hat die Polizei ein weiteres aktuelles Phantombild erstellt, das auf den Plakaten rechts zu sehen ist.

Wenige Meter entfernt auf der Landgraf-Karl-Straße hatte der Täter Ende Janaur eine 14-Jährige angesprochen. Bei seiner angeblichen Drogenkontrolle gelang es ihm, die Schülerin unsittlich zu berühren. Das Mädchen setzte sich daraufhin zur Wehr und flüchtete. (rud)

Hintergrund: Tipps zum richtigen Verhalten

Wie sollten sich junge Frauen verhalten, falls der Täter sie ansprechen sollte? Dazu gibt die Polizei Tipps.

• Zunächst einmal solle man den angeblichen Polizisten bestimmt dazu auffordern, den Dienstausweis zu zeigen, sagt Polizeisprecherin Sabine Knöll. Polizisten können sich immer ausweisen und sind in der Regel mindestens zu zweit. Frauen werden außerdem immer nur von Polizistinnen durchsucht, nie von männlichen Beamten.

• Wer sich von einem Mann verfolgt fühlt, sollte die Öffentlichkeit suchen. Zum Beispiel an eine Haltestelle gehen, wo sich mehrere Menschen aufhalten, oder in ein Geschäft. Wenn man sich bedroht fühlt, gezielt andere Menschen ansprechen und um Hilfe bitten.

• Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel die Polizei unter 110 rufen. Möglicherweise schreckt es den Täter auch ab, wenn er sein Opfer telefonieren sieht.

• Sollte es zu einem Übergriff des Täters kommen, laut um Hilfe rufen und so schnell wie möglich die Polizei alarmieren. Nur dann gibt es eine Chance, den Täter in der Nähe zu fassen.

• Wenn möglich auf Details des Täters achten (Aussehen, Kleidung, Sprache. Auffälligkeiten). Das können entscheidende Hinweise bei der Fahndung sein.

Chronologie: Zwölf Taten in Kassel

Seine Opfer sind jedes Mal junge Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren, deren Körper er berühren will. Schon zwölf Taten des Sexualstraftäters sind in Kassel angezeigt worden. Wir dokumentieren, wann und wo sie sich ereignet haben. Dabei gab der Mann sich meist als Polizist aus, die anderen Fälle sind in unserer Liste gekennzeichnet.

• 15. März 2011, Tatzeit 14.10 Uhr, Tatort am Fürstengarten hinter der Murhardschen Bibliothek auf dem Weinberg.

• 30. Mai 2011, 17.30 Uhr, am Falkenweg in Harleshausen an einem Spielplatz-Zugang.

• 27. Juni 2011, 16.30 Uhr, Feldweg am Rammelsberg Richtung Prinzenquelle. Hier gab der Mann vor, er müsse bei dem Mädchen eine EHEC-Kontrolle vornehmen. Damals verunsicherte eine EHEC-Epidemie die Menschen.

• 7. Dezember 2011, 17.45 Uhr, Am Heimbach in Wehlheiden.

• 20. Januar 2012, 17.50 Uhr, Kunoldstraße in Bad Wilhelmshöhe.

• 24. Februar 2012, 17.50 Uhr, Obere Königsstraße. In dem Modegeschäft Wicky fasst der Mann im Vorbeigehen den Po eines Mädchens an. Die Täterbeschreibung deckt sich mit den anderen Fällen.

• 23. Mai 2012, 16 Uhr, Baunsbergstraße, vor dem Freibad Wilhelmshöhe. Der Mann gibt sich als Schwimmbadangestellter aus, der eine Kontrolle auf Viren und Krankheitserreger nach dem Baden vornehmen müsse.

• 29. Mai 2012, 13.55 Uhr, Aschrottpark, Tannenkuppenstraße.

• 20. November 2012, 17.15 Uhr, Eberhard-Wildermuth-Straße, Auefeld.

• 4. Dezember 2012, 18.45 Uhr Herkulesstraße, gegenüber Diakonissenkrankenhaus.

• 25. Januar 2013, 14.55 Uhr, Landgraf-Karl-Straße.

• 12. März 2013, 13.45 Uhr, Walter-Schücking-Platz. (rud)

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