Kassel: Polizei fasst Erpresser bei Geldübergabe

Kassel. Zwei Erpresser stellte die Kasseler Polizei am Donnerstagabend um 21.40 Uhr kurz nach der geplanten Geldübergabe an einer Telefonzelle in Rothenditmold. Die Tatverdächtigen haben die Erpressung eines 50-jährigen Geschäftsmannes aus Kassel gestanden.

aktualisiert um 14.55 Uhr

Nach der Vernehmung des 56 Jahre alten Täters, die am Freitag mit einem Dolmetscher durchgeführt wurde, räumte auch der 27-Jährige Komplize die Tat in vollem Umfang ein. Er hatte zunächst angegeben, nur ein unwissender Bote und Geldabholer gewesen zu sein. Beide sollen auf Anordnung der Kasseler Staatsanwaltschaft, die Anträge auf Untersuchungshaft gestellt hat, noch am Freitag dem Haftrichter beim Amtsgericht in Kassel vorgeführt werden.

Die beiden Kasseler im Alter von 27 und 56 Jahren, deren Fluchtversuch nach kurzer Verfolgung scheiterte, hatten sich am späten Donnerstagvormittag telefonisch bei einem Geschäftsmann aus dem Raum Kassel gemeldet, dessen Familie bedroht und ohne Umschweife 50 000 Euro gefordert – andernfalls werde „etwas passieren“, teilte die Polizei mit, an die sich der Erpresste sofort gewandt hatte.

Zum Schein wurde die Geldübergabe arrangiert, bei der es den Beamten gelang, das Duo vorläufig festzunehmen. Der 27-Jährige, der wegen eines Schwächeanfall die Nacht in einem Krankenhaus verbracht hatte, gab zuerst an, nur ein Mitläufer gewesen zu sein. Angeblich habe ihn sein 56-jähriger Bekannter angesprochen, ob er sich nicht 3000 Euro verdienen wolle. Daraufhin habe er von dem Älteren den Auftrag erhalten, das Geld in der Telefonzelle abzuholen.

Wegen hohen Geldbedarfs aufgrund seiner Spielsucht war offenbar in dem 56-Jährigen die Idee gereift, den Kasseler Geschäftsmann zu erpressen. Da der Geschäftsmann ein sehr teures Fahrzeug fahre und auch ansonsten einen wohlhabenden Eindruck gemacht habe, hätte man ihm die Zahlung von 50.000 Euro zugetraut. Einige Tage, so das Ergebnis der Vernehmungen, musste der 56-Jährige wohl Überzeugungsarbeit bei seinem jüngeren Mittäter leisten, der allerdings auch selbst von erheblichen Schulden gedrückt wird. Schließlich reifte ein Tatplan, den beide am Donnerstag gemeinsam umsetzten. Die Telefonate führte der 27-Jährige, den Aussagen nach wohl nach Vorgaben des Älteren. Bei den Anrufen, so die Geständnisse, seien immer beide in der Telefonzelle gewesen. Das erpresste Geld habe man im Erfolgsfall anschließend fifty-fifty teilen wollen. Soweit kam es bekanntermaßen aber nicht. (ius/tat)

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