Weltweite Konflikte wirken sich auf Deutschland aus

Polizei greift mehr Illegale in Kassel auf

Kassel. Immer mehr Menschen suchen ihr Glück in Deutschland. Nicht nur die legale Zuwanderung hat seit dem Vorjahr wieder zugenommen, auch die Zahl jener Menschen ist gestiegen, die unerlaubt ins Land einreisen.

2012 wurden im Bereich der Bundespolizeiinspektion Kassel (Nord-, Ost- und Teile von Mittelhessen) 375 Illegale aufgegriffen (2011: 273 Fälle). Darunter 160 Fälle in Kassel (2011: 127).

Weltweite Konflikte, wie zum Beispiel die Kriege in Afghanistan und in Syrien, wirkten sich auch auf Deutschland aus, sagt Klaus Arend, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel. Herrscht in einem Land Krieg, steigt die Zahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Ob nun mit oder ohne gültige Papiere. Entsprechend mehr Menschen, die unerlaubt nach Deutschland eingereist sind, wurden im vergangenen Jahr auch an den Kasseler Bahnhöfen angetroffen.

Bei der gemeinsamen Ausländerbehörde von Stadt und Kreis Kassel wird keine Statistik darüber geführt, wie viele Menschen illegal einreisen, sagt Mitarbeiterin Yvonne Kessler. Die meisten würden allerdings an den Bahnhöfen in der Stadt aufgegriffen. Was passiert mit diesen Menschen? Manche würden direkt abgeschoben, einige stellten einen Asylantrag, andere kämen in Abschiebehaft; das passiere in jenen Fällen, wo die Gefahr bestehe, dass die Illegalen untertauchen.

Laut Arend kommt das Gros der illegalen Flüchtlinge heutzutage in der Stadt an. Das war mal anders: Anfang der 90er-Jahre hätten die Schleuser viele Illegale aus dem ehemaligen Jugoslawien auf Lkw nach Deutschland gebracht und einfach auf dem Land abgesetzt.

Diese Menschen dürfen als Touristen mittlerweile ohne Visum nach Deutschland einreisen. Für drei Monate. Bei der Ausländerbehörde stelle man seit Anfang 2011 allerdings fest, dass Menschen aus Serbien, Bosnien, Montenegro und Albanien nach Deutschland kommen und sich eine Arbeit suchen. Das sei nicht erlaubt, sagt Kessler. Sobald die Betroffenen einen Job hätten, benötigten sie eine Arbeitserlaubnis und einen Aufenthaltstitel. Ansonsten rutschten sie wieder in die Illegalität.

Visum nur für Fachkräfte

Aufenthaltstitel für Deutschland würden in der Regel bei der deutschen Botschaft in den Heimatländern beantragt. Chancen hätten in erster Linie Fachkräfte. Für Aushilfen sei es so gut wie ausgeschlossen, derzeit ein Arbeitsvisum für Deutschland zu bekommen.

Entsprechend dieser Entwicklung ist die Zahl der in Stadt und Landkreis lebenden Asylbewerber im vergangenen Jahr wieder stark gestiegen. Nach Angaben von Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises, wurden im vergangenen Jahr dem Kreis 232 neue Asylbewerber zugewiesen (2011 waren es 108, im Jahr 2008 nur 35 Menschen). Insgesamt seien im Landkreis derzeit rund 700 Asylbewerber untergebracht.

In der Stadt sind es 400. Darunter sind nach Angaben von Ingo Neumann vom Sozialamt der Stadt Kassel 220 Flüchtlinge (einschließlich Kinder), deren Asylantrag abgelehnt wurde und die aus humanitären oder sonstigen Gründen (zum Beispiel Passlosigkeit) nicht ausgewiesen werden können. Dazu kommen 180 Flüchtlinge, über deren Asylantrag noch entschieden wird. Insgesamt kamen im Vorjahr 212 neue Asylbewerber in die Stadt (2011: 90).

Wichtig sei auch, an die Hintermänner zu kommen. Schleuser brächten die Migranten am Flughafen Frankfurt mit falschen Papieren durch die Kontrolle, verlangten die Dokumente zurück und ließen sie allein. 2012 habe die Inspektion in 156 Fällen (16 in Kassel) ermittelt.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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