Polizei bittet um Mithilfe

Millionenbetrug in Kasseler Corona-Testzentrum - Verdächtige in U-Haft

Betrieb eingestellt: Wer sich kostenlos auf Corona testen lassen wollte, stand in Wilhelmshöhe plötzlich vor verschlossenenTüren.
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Betrieb eingestellt: Wer sich kostenlos auf Corona testen lassen wollte, stand in Wilhelmshöhe plötzlich vor verschlossenenTüren.

Die Betreiber eines Corona-Testzentrums in Kassel stehen im Verdacht, über eine Million Euro zu Unrecht gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet zu haben.

Kassel - Auch Corona-Testzentren in Braunschweig, Hannover und Leipzig sind betroffen. Die Staatsanwaltschaft Kassel führt deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen des Tatverdachts des gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betruges gegen den Geschäftsführer und weitere Verantwortliche der in Nordrhein-Westfalen geschäftsansässigen GmbH, die nicht nur in Kassel, sondern auch in Braunschweig, Hannover und Leipzig Corona-Testzentren betrieben hat.

Sämtliche Testzentren sind zwischenzeitlich geschlossen worden. Das Kasseler Zentrum an der Wilhelmshöher Allee 283, in dem sich früher der Ballonladen „Luft mit Liebe“ befand, war Anfang Mai vom Regierungspräsidium Kassel dichtgemacht worden. Damals wurde keine Begründung dafür genannt.

Betrug in Corona-Testzentrum: Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt

Laut Staatsanwaltschaft Kassel besteht der Verdacht, dass die Gesellschaft eine Vielzahl der abgerechneten Testleistungen nicht erbracht und bei den vorgenommenen Testungen die nach der Coronavirus-Verordnung notwendigen Mindeststandards bewusst nicht erfüllt hatte.

Nicht nur in Kassel soll betrogen worden sein. Auch in den Testzentren in Leipzig, Braunschweig und Hannover soll die Gesellschaft betrügerische Abrechnungen vorgenommen haben. Die Kassenärztlichen Vereinigungen der beteiligten Bundesländer überwiesen laut Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf das Konto der Gesellschaft einen Gesamtbetrag von rund zwei Millionen Euro. Nach Aufnahme der Ermittlungen habe man als Sofortmaßnahme 1,9 Millionen Euro über Kontopfändungen gesichert.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kassel wurden gegen den Geschäftsführer der Betreibergesellschaft und eine weitere Person Untersuchungshaft angeordnet. Der Festnahme vorausgegangen waren Durchsuchungen, für die Beamte des für den Bereich der Wirtschaftskriminalität zuständigen Kommissariats ZK 20 in Kassel zuständig waren.

Betrug in Corona-Testzentrum Kassel: Polizei bittet um Mithilfe

Zur näheren Aufklärung bitten Polizei und Staatsanwaltschaft um die Mithilfe der Bevölkerung. Der Aufruf richtet sich an sämtliche Personen, die mit den Coronatestzentren wegen eines Tests in Kontakt getreten sind.

  • Wer hat sich in der Zeit vom 1.4. bis 31.5.2021 auf einer der Homepages der Testzentren www.coronatestzentrum-kassel.de, www.coronatestzentrum-braunschweig.de oder www.coronatestzentrum-hannover.de für einen Corona-Schnell- oder PCR-Test angemeldet? Die angemeldeten Personen werden um Übersendung der Terminbestätigung zum Schnell- oder PCR-Test sowie des Testergebnisses gebeten.
  • Sollten Auffälligkeiten während des Tests oder hinsichtlich der Abläufe wahrgenommen worden sein, können diese ebenfalls mitgeteilt werden.

Hinweise und Terminunterlagen können an die von der Kriminalpolizei in diesem Verfahren eingerichtete Email-Adresse hinweise-coronatestzentrum-kassel@polizei.hessen.de oder direkt an die Staatsanwaltschaft Kassel postalisch unter der Anschrift Staatsanwaltschaft Kassel - Wirtschaftsabteilung, Stichwort: Coronatestzentrum, Frankfurter Straße 9, 34117 Kassel übermittelt werden. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Auch bei Corona-Impfausweisen warnt die Polizei vor Betrug - so kann man sich schützen.

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