Polizei klärt weniger Kriminalfälle in Kassel auf

Kassel. Während im Bezirk des Polizeipräsidiums Nordhessen im vergangenen Jahr die Aufklärungsquote auf 58,2 Prozent (2009: 57,9 Prozent) weiter gestiegen ist, wurden in Stadt und Landkreis Kassel geringfügig weniger Straftaten als 2009 aufgeklärt.

In Kassel wurden 56,1 Prozent der Fälle gelöst (2009: 56,7 Prozent) und im Landkreis lag die Aufklärungsquote bei 52,2 Prozent (2009: 52,3 Prozent). Das sagte Polizeipräsident Eckhard Sauer am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Laut Sauer soll im April ein neues Kommissariat, das K 35, gegründet werden: Zwölf Mitarbeiter sollen sich auf die Verfolgung von Intensivtätern, die Hunderte von Taten zu verantworten haben, konzentrieren.

Weniger Straftaten und eine höhere Aufklärungsquote in Nordhessen: Polizeipräsident Eckhard Sauer, der  vor einem Jahr das Amt an der Spitze des Polizeipräsidiums in Kassel übernommen hatte, zeigte sich bei der Präsentation der Kriminalstatistik für das Jahr 2010 zufrieden.

Dabei haben sich die Zahlen nur im Gesamtbezirk Nordhessen verbessert. Sowohl in Stadt als auch im Landkreis ist die Aufklärungsquote im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. In Kassel wurden 56,1 Prozent der 21 984 Fälle (2009: 22.594 Fälle) aufgeklärt. Das ist ein Rückgang von 0,6 Prozent. Im Landkreis ist diese Quote um 0,1 Prozent auf 52,2 Prozent zurückgegangen.

Gleichzeitig ist die Zahl der registrierten Straftaten ganz leicht auf 8237 (2009: 8234) angestiegen. Besonders auffällig ist die Zunahme der angezeigten Sexualdelikte. In der Stadt wurden 206 Straftaten (das sind 8,4 Prozent mehr Fälle als 2009) angezeigt, im Landkreis gab es eine Zunahme von 38 Prozent. Hier stiegen die angezeigten Delikte mit einem sexuellen Hintergrund von 71 (2009) auf 98 im vergangenen Jahr.

Ob diese Veränderungen auf ein geändertes Anzeigeverhalten durch Aufklärungsmaßnahmen zurückzuführen sind oder auf polizeiliche Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Gewaltschutzgesetz stehen, könne nicht zweifelsfrei geklärt werden, sagt Kriminaldirektor Oliver Kusan. Zudem wurden deutlich mehr Autos gestohlen als noch 2009. In der Stadt stieg die Anzahl gestohlener Fahrzeuge um 20,5 Prozent auf 106 (2009: 88) an. Im Landkreis lag die Steigerung sogar bei 25 Prozent: Hier wurden 45 Autos entwendet, 2009 waren es noch 36. Für diesen Anstieg macht die Polizei organisierte Banden aus Osteuropa verantwortlich.

VW-Busse als Beute

Die Täter hatten es besonders auf VW-Busse (Modellreihe T 4 und T 5) abgesehen. Mehr als 20 dieser Fahrzeuge wurden in Stadt und Landkreis Kassel gestohlen. In der Stadt stieg zudem die Zahl der Fahrraddiebstähle von 421 auf 625 Fälle. Das entspricht einer Zunahme von 48,5 Prozent.

Über den Rückgang der registrierten Drogenverfahren kann sich Sauer nicht wirklich freuen. Der Polizeipräsident weiß, dass dieser Umstand nicht auf eine deutliche Verminderung der Drogenkriminalität zurückzuführen ist, sondern dass die Polizisten im vergangenen Jahr weniger Personal für diesen Bereich zur Verfügung hatten. Weil die Beamten mit anderen Aufgaben beschäftigt waren, wurden weniger Dealer erwischt. In der Stadt wurden 930 Drogenverfahren registriert, 98 Fälle weniger als im Vorjahr (minus 10,5 Prozent).

Auch im Landkreis nahmen die Verfahren deutlich ab. 212 Fälle aus 2009 stehen 172 Ermittlungsverfahren im Jahr 2010 entgegen. „Entlassene Sexualstraftäter zu überwachen, das bindet auch Kräfte“, sagte Sauer. In Kassel komme eine erhebliche Beamtenstundenzahl zusammen, um die als gefährlich entlassenen Straftäter auf freiem Fuß zu überwachen. Laut Sauer ist die Polizei in Kassel davon stärker betroffen als in anderen hessischen Großstädten.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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