Polizei lobt beherzten Einsatz

Ersthelfer bei Unfall an Konrad-Adenauer-Straße: „Ich würde wieder helfen“

Kassel / Lohfelden. „Es ist komisch, wieder hier zu sein“, sagt Kevin Lenz, als er langsam auf die Unfallstelle an der Konrad-Adenauer-Straße zugeht. Am Mittwochmittag kommt der 19-Jährige zu dem Ort zurück, wo er knapp zehn Stunden zuvor vergeblich versucht hat, einem Menschen das Leben zu retten.

Eigentlich will er nur sein Auto holen, das er in der Nacht hat stehen lassen. Zu aufgeregt ist er nach seinem unfreiwilligen Hilfseinsatz gewesen. „Mein Vater hat mich abgeholt“, sagt der 19-Jährige. „Das war besser so.“ Geschlafen habe er in der Nacht so gut wie gar nicht. „Ich hatte immer wieder die Gesichter vor Augen“, sagt Kevin Lenz.

Kevin Lenz

Gemeinsam mit Patrick Frank aus Wolfhagen war er Ersthelfer bei dem Unfall im Stadtteil Brasselsberg. Für den 35-jährigen Beifahrer kam jede Hilfe zu spät. Er starb, nachdem ihn Rettungskräfte in die Klinik gebracht hatten. Patrick Lenz hatte noch versucht den Mann wiederzubeleben. Lange überlegt, dass er sich währenddessen selbst in Gefahr bringen könnte, habe er nicht, sagt er. Erst als er den 35-Jährigen Mund zu Mund beatmete, habe er Angst bekommen. „Ich war froh, als der Krankenwagen da war.“

Dass er wie andere an dem Unfall vorbeifährt, sei für ihn keine Frage gewesen. „Dabei habe ich immer gehofft, dass mir so etwas nie passiert“, sagt Kevin Lenz. Polizeisprecher Torsten Werner lobt den beherzten Einsatz von Kevin Lenz und Patrick Frank: „Das war wirklich absolut vorbildlich. Die beiden haben Schlimmeres verhindert.“

Erst erkannten die Ersthelfer in der Dunkelheit gar nicht, dass sich am Fahrbahnrand ein Unfall ereignet hatte. Im Rückspiegel habe er gesehen, wie Flammen aus dem Motorraum schlugen, erzählt Kevin Lenz. Daraufhin wendeten die beiden jungen Männer, die vor kurzem ihr Fachabitur bestanden haben.

Patrick Frank

„Ich bin sofort zu dem Auto gerannt“, sagt Kevin Lenz. Während er den Opfern aus dem brennenden Auto hilft, ruft Patrick Frank den Notarzt. „Ich habe nur gedacht, die Leute müssen so schnell wie möglich raus. Uns läuft die Zeit davon.“

Mitglied einer Hilfsorganisation müsse er nach diesem Erlebnis nicht werden, sagt Kevin Lenz. „Aber helfen würde ich trotzdem wieder.“

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Von Claas Michaelis und Johanna Ewald

Rubriklistenbild: © HNA

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