Informationen zu Einsätzen und aus dem Arbeitsalltag

Die Polizei in den sozialen Netzwerken: „Oft witzig, aber immer neutral“

+
Er befüllt für die Polizei die Sozialen Netzwerke: Michael Bammel (47) war zuvor in der Abteilung Einsatz und unter anderem beim G20-Gipfel in Hamburg.

Kassel. Immer öfter hört man: Das habe ich bei Facebook oder Twitter gelesen. Auch die Polizei Nordhessen ist dort vertreten. Oft ist das witzig.

Kommunikation mit den verschiedensten Zielgruppen ist in der täglichen Arbeit der Polizei besonders wichtig. „Wir wollen und müssen alle erreichen“, sagt Michael Bammel, der bei der Kasseler Polizei für Social Media zuständig ist. 

Ein Enkel erzählt die Nachricht, die er im Internet gelesen hat, seiner Oma weiter, deshalb brauchen wir diese Kanäle. Gestartet ist die Polizei bei Twitter zum Hessentag 2015, der Facebook-Kanal wird seit Juni 2017 bespielt. Die Aktivität in Nordhessen ist, so Bammel, eine andere als in großen Städten. Der Nordhesse sei da etwas zurückhaltender. Trotzdem erreichen die Polizei auch über die Sozialen Medien Fragen zu Einsätzen. „Wir versuchen, jede zu beantworten“, sagt Bammel. Allerdings, bittet Bammel, nicht rund um die Uhr.

Der Mann mit dem Smartphone

Als Nerd würde er sich nicht bezeichnen, aber mittlerweile ist Michael Bammel zum Social Media- Experten bei der Kasseler Polizei geworden. Der 47-jährige kennt sich aus mit Facebook, Twitter und Instagram und vor allem weiß er auch, was die Follower lieben und welche Meldungen eher nicht interessieren. 

„Tiere zum Beispiel gehen immer“, sagt der 47-jährige, der zuvor bei der Abteilung Einsatz der Kasseler Polizei eingesetzt war. Das Thema Social Media findet Bammel spannend, auch wenn er privat eigentlich eher offline ist. Als die Frage aufkam, wer den Job machen könnte, habe er zugesagt. Natürlich gäbe es absolute Experten auf diesem Gebiet, sagt Bammel. Aber ihm ist es wichtig, dass die Beiträge authentisch sind. „Nach vielen Jahren im Polizeidienst kann ich die Situationen einschätzen“, sagt der Polizeihauptkommissar. Und man dürfe eben auch nicht vergessen, dass die Polizei eine Behörde sei und manche Vorgänge vielleicht auch ein bisschen länger dauern. 

Man dürfe aber auch Kassel nicht mit größeren Städten vergleichen, sagt Bammel. Momentan stehe hier die Social Media-Arbeit noch am Anfang. Das Team der Polizei in Frankfurt ist beispielsweise auch wesentlich größer als in Kassel. „Hier bin ich bislang noch ein Einzelkämpfer, der gelegentlich von Kollegen unterstützt wird“, sagt Bammel. Im Gegensatz zu Frankfurt kommen große Einsatzlagen, die über soziale Medien begleitet werden, in Nordhessen noch eher selten vor. 

Die Documentaeröffnung, das Skispringen in Willingen, das Open Flair Festival in Eschwege und vereinzelt Fußballeinsätze sind einige Ereignisse, die bereits auf Twitter begleitet wurden. Großlagen wie die Bombenentschärfung in Frankfurt, bei der tausende ihre Wohnungen verlassen mussten, habe es in Kassel bislang nicht gegeben. 

Trotzdem auch in der alltäglichen Kommunikation mit den Nutzern ist Bammel eins wichtig: „Man kann auch mal was Lustiges schreiben oder einen witzigen Post machen“, aber man sollte sich den Zeitpunkt gut überlegen und aufpassen, dass man neutral und sachlich bleibt. Zudem dürfe man nie unterschätzen, wie schnell sich eine Geschichte im Netz verbreitet.

Die Posts aus dem Alltag: Blick hinter die Kulissen

Die Beiträge der Polizei lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. Zum einen die Kommunikation während der Einsätze und auf der anderen Seite Posts aus dem Arbeitsalltag der Polizei oder Beiträge, die Gefahren vorbeugen und Straftaten verhindern sollen. 

„Während des Weltcups in Willingen haben wir einfach mal die Kollegen vor der Schanze abgelichtet“, sagt Michael Bammel. Die Nutzer freue es, wenn sie hinter die Kulissen schauen können. Besonders beliebt seien auch Posts mit Polizeihund Hecki, der sei mittlerweile ein richtiger Medienstar geworden. 

Auch Warnungen vor Sturm, Schnee oder Glätte finden sich auf der Facebook-Seite der Polizei. „Uns ist es wichtig, dass wir alle erreichen“, sagt Bammel. Da werde dann auch mal in Jugendsprache geantwortet, wenn jemand sich mit „i bims“ (umgangssprachlich für: ich bins) meldet. Wenn die jüngere Generation bei Facebook sieht, dass Betrüger aktiv sind und darüber dann Eltern und Großeltern informiert, dann sei auch das ein guter Weg. Wichtig dabei sei, dass die Kommunikation mit den Nutzern immer neutral bleibe, aber manchmal auch mal mit einem lachenden Auge sei, wenn es der Situation angemessen ist.

Der Post mit vielen Likes

Einer der reichweitenstärksten Tweets der Polizei Nordhessen entstand unter einem Post, den Michael Bammel zum Dank an die Helfer des Skispringens in Willingen erstellt hatte. Über die Bild-Collage mit zahlreichen Helfern hatte er den Schriftzug „Danke #Ehrenamt“ gelegt. 

Unter dem Post stellte ein Nutzer die Frage, ob es stimmt, dass Notrufnummern bald kostenpflichtig sein sollen – zum Thema unpassend und wahrscheinlich auch nicht ganz ernst gemeint. 

Bammel antwortet mit einem Verweis auf das Online-Satiremagazin „Der Postillon“. Laut Postillon würden Gebühren ab dem 1. April fällig. Vorher würden allerdings noch Gebühren an die Polizei fällig, um Social Media Kampagnen finanzieren zu können. 

Der Beitrag wurde 46 Mal geteilt und bekam 539 Likes. Ein anderer Nutzer fragte daraufhin: „Ich bin privatversichert. Wirkt sich das beim Notruf aus?“. Antwort der Polizei Nordhessen: „Mit der Gebührenordnung für Ärzte kennen wir uns jetzt nicht so gut aus. Wir fürchten, wer mit dieser Frage beim Notruf anruft, der riskiert auf der anderen Leitung ein Auflegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.