Corona-Demo in Kassel

Männer attackieren Politiker bei „Querdenken“-Demo - Jetzt „fahndet“ eine Antifa-Gruppe nach ihnen

Ende März demonstrierten Querdenker in Kassel: Dabei soll es auch zu Pfefferspray-Attacken auf Politiker gekommen sin. Die Antifa startet nun eine „Fahndung“ nach den Tätern auf Twitter.
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Ende März demonstrierten Querdenker in Kassel: Dabei soll es auch zu Pfefferspray-Attacken auf Politiker gekommen sin. Die Antifa startet nun eine „Fahndung“ nach den Tätern auf Twitter.

Nach der umstrittenen Corona-Demo in Kassel startet eine linke Gruppe eine Art Fahndungsaufruf auf Twitter. Die Polizei rät von solchen Aktionen ab.

Kassel - Die Antifa-Gruppe Task hat bei Twitter eine Art Fahndungsaufruf veröffentlicht. Gesucht wird mit einem Foto nach zwei jungen Männern, die angeblich den Kasseler Linken-Kommunalpolitiker Ali Timtik am Rande der „Querdenker“-Demo am 20. März mit Pfefferspray verletzt haben sollen.

Die Kasseler Polizei rät indes von solchen privaten Fahndungsaufrufen in sozialen Netzwerken dringend ab. Sie könnten nicht nur die Ermittlungen gefährden, sondern damit könnten auch Menschen zu Unrecht beschuldigt werden, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Bislang gebe es keinen konkreten Tatverdacht, dass die beiden Männer auf dem Foto Ali Timtik auch tatsächlich verletzt hätten.

Fahndungsaufruf einer Kasseler Antifa-Gruppe bei Twitter: Wir haben die angeblichen Täter gepixelt. Screenshot: HNA

Nach Corona-Demo in Kassel: Linke Gruppe teilt Bild von Demonstranten

Während der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen hielt sich Timtik, der mittlerweile auch zum Ortsvorsteher der Nordstadt gewählt worden ist, am Obelisken auf. An das Kunstwerk hatten vermutlich „Querdenker“ „irgendwelche rassistische Nazi-Scheiße“ geklebt, wie der 55-Jährige sagt. Gegendemonstranten wollten die Parolen wieder entfernen. Dabei sei es zum Streit mit den „Querdenkern“ gekommen, schilderte Timtik direkt nach dem Vorfall gegenüber der HNA.

Er sei hinzugeeilt. „Was wollt ihr hier, geht weg“, habe er gesagt, und: „Verpisst euch.“ Daraufhin hätten die anderen entgegnet: „Verpiss Du Dich, hier ist Deutschland.“ Es sei zu einem gegenseitigen Geschubse gekommen, als ihn einer der Männer plötzlich mit Pfefferspray verletzt habe.

Am Montag hat die linke Gruppe Task nun auf Twitter ein Foto mit zwei jungen Männern auf Twitter veröffentlicht. Dort heißt es, dass Timtik von beiden mit Pfefferspray angegriffen worden sei. „Wer kennt die beiden?“ Wer Hinweise zur Identität der Personen habe, könne sich gerne per Kontaktformular bei der Antifa melden.

Nach Corona-Demo in Kassel: Polizei rät von Selbstjustiz und privaten Fahndungsstrategien ab

Die Polizei hält von solch privaten Fahndungsstrategien nichts. Der Polizeisprecher weist allerdings darauf hin, dass man sich mit solchen Aufrufen auch selbst strafbar machen kann.

Denn ein Täter habe durch seine Straftat nämlich keinesfalls seine Persönlichkeitsrechte, hier insbesondere sein „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ und sein „Recht am eigenen Bild“, verwirkt, so Mänz. Es stehe somit auch einem Straftäter frei, gegen die Urheber privater Fahndungsaufrufe strafrechtlich sowie zivilrechtlich vorzugehen und diese sogar notfalls auch zu verklagen.

Besser sei es, die Polizei zu informieren, die gemachten Aufnahmen den Ermittlern als Beweismittel zu übergeben und sich selbst als Zeuge zur Verfügung zu stellen. So könne jeder die Ermittlungen der Polizei unterstützen, ohne selbst Ziel von polizeilichen Ermittlungen zu werden.

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Nach Corona-Demo in Kassel: Eigeninitiative kann Polizeiarbeit schaden

Da Privatpersonen nicht in die Ermittlungen der Polizei eingebunden sind, so der Polizeisprecher, könnten eigenständige Personenfahndungen, seien sie auch noch so gut gemeint, den Ermittlungserfolg der Polizei gefährden. Aus ermittlungstaktischen Gründen dürften nicht sofort alle Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. „Da auch Kriminelle soziale Netzwerke nutzen, könnten diese vorgewarnt werden: Das gefährdet den Fahndungs- beziehungsweise Ermittlungserfolg der Polizei.“

Ali Timtik

Die Ermittlungen zu dem konkreten Fall vom 20. März, bei dem bereits kurz nach der Tat am Tatort eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung durch die Polizei aufgenommen wurde, dauerten an. Der Staatsschutz habe diese übernommen. Natürlich würden die Ermittler auch den Hinweisen, die in sozialen Netzwerken veröffentlicht worden sind, nachgehen.

Er habe nicht gewusst, dass die Antifa ein Foto von zwei Tatverdächtigen publik machen wollte, so Timtik am Mittwoch. Wer konkret das Foto veröffentlicht hat, wisse er nicht. Er sei sich nur sicher, dass nur einer der beiden Männer ihn mit Pfefferspray attackiert habe, so der 55-Jährige. Er hoffe, dass der junge Mann durch die Fahndung bei Twitter identifiziert und gefasst werde. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Die Corona-Demo in Kassel sorgte für viele aufgebrachte Gemüter - auch die Rolle der Polizei wurde infrage gestellt.

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