Immer mehr Ordnungshüter haben ihre Wurzeln im Ausland

Polizei sucht neue Beamte in der Moschee

Kassel. Das Interesse junger Migranten, eine Ausbildung bei der Polizei zu machen, wird immer größer. Das bestätigt Polizeioberkommissar Özcan Yilmaz, Migrationsbeauftragter im Polizeipräsidium Nordhessen. Am Samstag findet erstmals in der Moschee am Mattenberg eine Einstellungsberatung der Polizei statt – auf Wunsch des Türkisch-Islamischen Kulturvereins.

„Wenn du groß bist, wirst du so wie Onkel Yilmaz.“ Diesen Satz hört der Migrationsbeauftragte immer wieder, wenn er mit türkischen Familien in Kassel zu tun hat. Viele Landsleute würden ihn durch seine Arbeit bei der Polizei als Vorbild betrachten. Der 38-jährige Yilmaz ist 1999 selbst durch eine Berufsberatung zur Polizei gekommen. Vorher wusste der türkische Staatsbürger nicht, dass man auch ohne deutschen Pass Polizeibeamter werden kann.

Das ist in Hessen seit 1994 möglich. Wie viele Polizisten mit Migrationshintergrund im Polizeipräsidium Nordhessen arbeiten, darüber gibt es allerdings keine Statistik. Dass die Tendenz steigend ist, ist allerdings anhand einer freiwilligen Umfrage unter hessischen Polizeianwärtern erkennbar. Im Jahr 2011 gaben laut Mark Kohlbecher, Sprecher im Innenministerium, 11,8 Prozent der Polizeischüler an, einen Migrationshintergrund zu haben. Der Anteil ist mittlerweile auf 14,4 Prozent gestiegen.

Die jungen Menschen entschieden sich nicht für den Beruf, um Mittler zur Nationalität ihrer Familien zu werden, sondern weil sie bei der deutschen Polizei arbeiten wollten, sagt Gerald Hoffmann, Leitender Kriminaldirektor im PP Nordhessen. Sie müssten die gleichen Voraussetzungen wie andere Bewerber erfüllen: Die deutsche Sprache beherrschen und die Fachhochschulreife haben. Probleme mit der Integration ausländischer Kollegen gebe es nicht. „Es war wesentlich schwieriger, als die Frauen zur Polizei kamen“, sagt Hoffmann.  Zum Tage, Vierte Seite

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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