Mehr Tempo bei Knöllchen

Polizei übermittelt Ordnungswidrigkeiten per App an Bußgeldstelle

Verkehrssünder sofort melden: Die Polizisten in Hessen bekommen für ihre Smartphones eine neue Anwendung (App), mit der sie die Daten von Falschparkern und Rasern direkt an die Bußgeldstelle des Regierungspräsidiums senden können. Foto: bf / nh

Kassel. Die Zentrale Bußgeldstelle des Kasseler Regierungspräsidiums (RP) drückt bei Knöllchen auf die Tube. Die Bußgeldbescheide werden künftig deutlich schneller an die Verkehrssünder verschickt. Vielleicht flattern sie manchmal sogar in den Briefkasten, bevor der Autofahrer zu Hause ist.

Das liegt an einer neuen Software, mit der die Smartphones der Polizeibeamten in Hessen ausgestattet werden. Damit können die Ordnungswidrigkeiten an Ort und Stelle digital erfasst und direkt an die Bußgeldstelle übermittelt werden. Zunächst wird die neue Handy-App für Falschparker zur Anwendung kommen, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Bald sollen aber auch Geschwindigkeitsverstöße und überladene Fahrzeuge per Smartphone von der Polizei gemeldet werden.

In der Zentralen Bußgeldstelle werden die von der Polizei elektronisch übermittelten Daten in das System „Owi21“ importiert und die Sachbearbeiter können sofort loslegen. Bisher haben die hessischen Polizisten die Verstöße manuell mit einem Beleg erfasst und diesen per Post ans RP in Kassel geschickt. Dort haben die Sachbearbeiter die Anzeigen digital erfasst und den Beleg eingescannt. Diese aufwendige Methode soll durch die neue Technik abgelöst werden.

Durch den Wegfall der Zwischenschritte geht die Bearbeitung wesentlich schneller, sagt Conrad. Dauerte es bisher fünf Tage bis eine Woche, kann künftig - je nachdem zu welcher Tageszeit die Ordnungswidrigkeit erfasst wurde - in 24 bis 48 Stunden der Bußgeldbescheid bei den Betroffenen im Briefkasten liegen.

Die Software für die App „Owi21togo“ („to go“ ist englisch für: zum Mitnehmen) haben die Zentrale Bußgeldstelle und ekom21, das frühere Kommunale Gebietsrechenzentrum, gemeinsam entwickelt. Weil die Leistung nicht an eine Fremdfirma vergeben wurde, lassen sich laut RP-Sprecher Conrad die Kosten nicht ohne Weiteres beziffern.

Die Software zum Erfassen von Verkehrsverstößen wird auch von den Ordnungsämtern vieler hessischer Kommunen genutzt - allerdings ohne die drahtlose Datenübermittlung direkt zum Sachbearbeiter. Das ist neu und wird vorerst nur bei der Polizei eingesetzt. Eine Reihe von Kommunen habe aber bereits Interesse an der neuen Anwendung bekundet, sagt Conrad.

Der Startschuss für das Projekt fällt heute während des Tags der offenen Tür im Regierungspräsidium am Steinweg (13 Uhr, Haupteingang). In den nächsten Tagen werden 200 Smartphones mit der neuen App an Polizeistreifen in Hessen ausgegeben.

Hintergrund: 1,33 Millionen Verfahren

Die Zentrale Bußgeldstelle (ZBS) beim Regierungspräsidium Kassel ist hessenweit für die Ahndung von Verkehrsverstößen zuständig. Sie kann Verwarnungsgelder, Geldbußen oder Fahrverbote verhängen. Vergangenes Jahr hat die Bußgeldstelle 1,33 Mio. Verfahren bearbeitet. Rund ein Drittel davon wird derzeit noch als Papierbelege mit großem Aufwand manuell erfasst.

Von Katja Rudolph

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