Moschee am Mattenberg

Nachwuchs gesucht: Polizei informierte in Moschee

Auf der Suche nach Polizeianwärtern kam Nordhessens Polizei in die Moschee am Mattenberg.

Kassel. „Es ist schon seit langem mein Wunsch, Polizistin zu werden“, sagt Dilara Yüce. Ihre Augen glänzen und ihre Worte haben einen feierlichen Klang. Die hessische Polizei hat am Sonntag in die Moschee am Mattenberg eingeladen, um mehr Personal mit Migrationshintergrund zu gewinnen.

Für den Besuch der Infoveranstaltung hat sich die 16-Jährige Dilara Yüce Verstärkung mitgebracht: Hinter ihr sitzen ihr Papa und zwei kleine Geschwister.

Gaben Infos: Polizei-Einstellungsberater Thomas Meyer mit seinen Kollegen, den Migrationsbeauftragten Ina Filbert und Özcan Yilmaz (von links).  

Neben ihr blickt Beyza Kocagöz (12) aufmerksam nach vorn, wo Polizei-Einstellungsberater Thomas Meyer seine Power-Point-Präsentation aufgebaut hat. Nein, Polizistin wolle sie nicht werden, sagt Beyza, sie begleite ihre Cousine nur. Ihr Berufsziel stehe schon fest: Lehrerin.

Neben den beiden selbstbewussten Mädchen sind am Samstag zwei Dutzend junge Männer zwischen 12 und 20 Jahren in die Jugendräume des Türkisch-Islamischen Kulturvereins an die Mattenbergstraße gekommen. Der Verein war es, der über den Migrationsbeauftragten bei der Kasseler Polizei, Özcan Yilmaz, zu der Veranstaltung angeregt hatte. Auch ein Vertreter der Stadtmoschee war gekommen.

Hörten aufmerksam zu: Die Cousinen Beyza Kocagöz und Dilara Yüce (von links) lauschten der Power-Point-Präsentation und deckten sich mit Infomaterial ein.

Besonders aufmerksam blickten die meisten Besucher auf Yilmaz, den 38-jährigen Südhessen, der seit einem Jahr für das

Lesen Sie auch:

Polizei sucht nach Bewerbern mit Migrationshintergrund

Polizeipräsidium Nordhessen tätig ist. Er verstehe sich in erster Linie als Vermittler zwischen den Kulturen, erklärte er. Deshalb müssten die Bewerber aus Migrantenfamilien neben Deutsch auch die Sprache ihres Kulturkreises – für die meisten Anwesenden Türkisch – gut beherrschen. Eine der wichtigsten Aufgaben von Polizisten sei es, verbal zu agieren und zu deeskalieren. Auf einige daraufhin erschrockenen Blicke im Saal, wies Yilmaz aber auch auf eine Neuerung hin, die vielen den Zugang zum Polizeidienst erleichtern mag: „Die deutsche Staatsbürgerschaft ist für einen Polizeianwärter nicht mehr erforderlich“.

Nichtsdestotrotz hänge die Latte des Einstellungstests, der an zwei Tagen in Wiesbaden geschrieben, beziehungsweise in einer Turnhalle absolviert werden muss, hoch. Meyer macht den jungen Leuten nichts vor: „70 Prozent der Bewerber bestehen das Auswahlverfahren nicht.“ Starke Argumente dafür, dass sich der Versuch dennoch lohnt: Es gibt während der Ausbildung 1000 Euro Vergütung im Monat und die Übernahme in eine Anstellung ist ebenfalls garantiert.

Fotos: Polizei informierte in Moschee

Polizei informierte in Moschee

Ahmet Kilic (17), der das Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium in Oberzwehren besucht und dort im Mathe-Leistungskurs sitzt, ist nach dem Vortrag Meyers nachdenklich geworden: „Die Durchfallquote ist ganz schön hoch.“. Zu Beginn hatte er noch begeistert gesagt: „Na, klar, zur Polizei wollen doch alle.“ Dagegen fühlt sich der Fachoberschüler Süleyman Yilmaz (17) durch die Veranstaltung in seinen Plänen bestärkt. „Seitdem ich in der 8. Klasse war, spukt der Wunsch Polizist zu werden, in meinem Kopf herum.“ Nach diversen Praktika in ganz unterschiedlichen Bereichen, stehe für ihn jetzt fester denn je: „Ich will es versuchen.“

Infos zur Polizeiausbildung: www.polizei.hessen.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.